Nachhaltigkeit – Mehr als Energiesparlampe

Forschung an der Hochschule Geisenheim

Aktuelles und neue Projekte

Nachhaltigkeit – Mehr als Energiesparlampe

Abschlussrunde: Über die Zukunft nationaler und internationaler Interessenvertretung der deutschen Weinbranche diskutierte BDO-Präsident Prof. Dr. Erik Schweickert mit dem Ministerialrat im BMEL Michael Koehler, Prof. Dr. Monika Christmann, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz und Christian Schwörer vom Deutschen Weinbauverband; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn

Einblicke in die 64. BDO-Fachtagung, welche am 15. November 2021 an der Hochschule Geisenheim stattfand

Nachdem die letztjährige BDO-Fachtagung wegen der Corona-Pandemie nur online abgehalten werden konnte, war es dieses Jahr möglich, die 64. BDO-Fachtagung, die wieder in Geisenheim stattfand, im Hybridformat ablaufen zu lassen, sowohl in Präsenz, als auch online. Um die Hygieneregeln einhalten zu können, durfte nur eine bestimmte Anzahl von Tagungsgästen im Gerd-Erbslöh-Hörsaal anwesend sein. Daraus ergab sich, dass die meisten der Teilnehmenden online der Tagung zugeschaltet waren.

Sowohl im Chat als auch bei den Fragerunden vor Ort herrschte eine sehr rege interaktive Diskussionsfreude. Daraus war wiederum eindeutig abzuleiten, dass das gewählte Tagungsthema der Nachhaltigkeit sehr viele Kolleginnen und Kollegen brennend interessiert.

Im Folgenden werden die Kurzzusammenfassungen der Vorträge nochmals jedes Einzelthema anreißen:

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Oenologie? – Kritische Fragen und Bestandsaufnahme

Dipl.-Oen. (FH) Achim Dörr, Prof. Dr. Monika Christmann,

Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Was versteht man unter „Nachhaltigkeit“

Brundtland-Report definiert 1987 „Nachhaltige Entwicklung“ „Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Agenda 2030 – 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG), 2015 von der UN-Vollversammlung verabschiedet: Ziel ist es, innerhalb von 15 Jahren verschiedene Maßnahmen zu initiieren, um die Lebensverhältnisse auf dem gesamten Planeten zu verbessern. Gleichzeitig soll für künftige Generationen ein Schutz der Erde sichergestellt werden. Die Eckpfeiler bilden weltweiter wirtschaftlicher Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und der Schutz der Umwelt. Entlang dieser drei Dimensionen – Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt – definiert die Agenda 2030 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele.

„Nachhaltigkeit“ ist eine langwierige und detailreiche Aufgabe in der Forschung, der Erstellung und Priorisierung von Daten und der Umsetzung.

Warum sind solche Systeme wichtig?

• Ressourcen werden knapper

• Klimawandel

• Weltbevölkerung wächst

• 71 Prozent glauben, dass es in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung zunehmen wird.

• Knapp die Hälfte (48 Prozent) der 30- bis 39-Jährigen und

• 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen würde dafür tiefer in die Tasche greifen.

• Nur 28 Prozent der Verbraucher über 65 Jahre würde mehr Geld für umweltfreundliche Produkte ausgeben.

 

 

Ressourceneffizienz in Weinkellereien

Dr. Maximilian Freund, Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Durch die Verknappung der natürlichen Rohstoffe wie nachwachsende und nichterneuerbare Rohstoffen, Fläche, Energie, Wasser, Boden und Luft, steigende Kosten und ökologische motivierte Aspekte gewinnt Stoffstrommanagement auch in Weinkellereien immer mehr zur Steuerung einer sparsamen und effizienten Verwendung dieser Ressourcen im Sinne eines vorsorgenden betrieblichen Umweltschutzes (Cleaner Production) an Bedeutung. Eine Gesamtbilanzierung beinhaltet sowohl die für die Weinproduktion eingesetzten, dabei umgewandelten, veränderten bzw. verbrauchten Materialien sowie die die Weinkellerei verlassenden Produkte, Abfälle und Emissionen. Ein umfassendes und erfolgreiches Gesamtkonzept im Sinne einer effizienten Ressourcennutzung und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft basiert auf den Grundsätzen Vermeiden, Verringern, Ersetzen, Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung (z. B. energetisch). Eine Beseitigung (Deponie) sollte vermieden werden. Mit Hilfe Betrachtung der Materialströme wurde aufgezeigt, dass durch Nutzung umweltfreundlicher, emissionsarmer Energie wie Biomasse, Sonne, solarthermische Kälte oder KWK-Kopplung sowie Materialien wie Grasfasern, Biokunststoffe, Kältemittel ein Beitrag zu einer zukunftsorientierten Ressourcennutzung geleistet werden kann. Auch die Nutzung von Sekundärmaterialien wie Altpapier, Aluminium, Glas, Kunststoffe, Holz können Rohstoff, Energie und Wasser einsparen und sind im Sinne einer Kreislaufführung von allen Partnern beginnend von den Lieferanten, der Weinbranche, dem Handel, dem Verbraucher bis zum Entsorger bzw. Wiederverwerter in Zusammenarbeit zu fördern und auszubauen. Aus dieser Sicht ist die Bedeutung der verschiedenen genutzten Verpackungen, nicht nur des Produkts Weins, hervorzuheben. Dies macht gleichzeitig deutlich, dass bei der Ressourcennutzung Aspekte der vor- und nachgelagerten Bereiche berücksichtigt werden müssen. So spart der Einsatz einer Leichtglasflasche keine eigene Energie, aber Energie bei der Herstellung und dem Transport. Für letzteren gilt gleichzeitig, je regionaler die Beschaffung, der Vertrieb, umso geringer die Verbräuche. Auch im Bereich der oenologischen Maßnahmen sind die Prinzipien Vermeiden, Vermindern und Ersetzen bei der Prozessführung wie Truberzeugung, Klärgrad, Gärtemperatur, dem Einsatz sparsamere Technologien (Energie und Wassernutzung) und einem gezielten Einsatze zu achten. Dabei müssen neben den umweltrelevanten Aspekten wie Gefährlichkeit und Verwertbarkeit auch die Bereiche Qualität, Lebensmittelsicherheit und Arbeitswirtschaft sowie der Arbeitsschutz einbezogen werden. Dies wurde an den Beispielen wie Filtration, Weinsteinstabilisierung sowie Energieeinsparpotentialen der Verbrauchergruppen und der Abwärmenutzung kurz erläutert. Anhand der Nebenströme und Wertstoffe Trester, Hefetrub und Gärungskohlensäure wurde versucht, aufzuzeigen, dass diese Stoffströme Möglichkeit einer Weiternutzung hinsichtlich Wertstoffe und Energie bieten. Diese aber meist nur in Form von betriebsübergreifenden, brancheninternen und -übergreifenden Kooperationen und regional sehr unterschiedlich umsetzbar sind.

 

 

Nachhaltigkeit im Weinmaschinenbau

Rudolf Fischer, Scharfenberger GmbH & Co. KG

• Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen im Maschinenbau?

• Sind Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum miteinander vereinbar?

An Morgen denken und nachhaltige Entscheidungen für künftige Generationen und unsere Umwelt abwägen ist für jeden Einzelnen wie auch für mittelständische Firmen eine Herausforderung. Dabei müssen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Erfolg mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit abgestimmt werden. Das ist in der Praxis nicht immer leicht zu realisieren. Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte werden bei Scharfenberger Maschinenbau bereits erfolgreich vereint:

UMWELT Zulieferer und Lieferanten werden von Scharfenberger Maschinenbau bewusst ausgewählt, damit die Logistikwege möglichst kurz und auch die Einhaltung von Menschenrechten gewährleistet sind. Das Gebäudemanagement und die Energieeffizienz sind weitere zentrale Themen der Ökologie; Die Hallendächer von Scharfenberger sind großflächig mit Solarmodule bedeckt. Eine moderne Pelletheizung sorgt zudem für Wärme. Bei der Begrünung der Außenanlage wurde auf insektenfreundliche Pflanzen bzw. Stauden geachtet.

WIRTSCHAFT Wertbeständigkeit sowie eine hohe Qualität der Traubenpressen und kompletten Traubenannahmestationen gewährleisten einen langlebigen Einsatz. Um den Reinigungsprozess der Maschinen kurz und den Wasserverbrauch niedrig zu halten setzt das Unternehmen auf leicht zu reinigende Edelstahloberflächen.

GESELLSCHAFT Integration von Flüchtlingen, nachhaltiges Glück der Mitarbeiter wie z.B. Elternzeiten, faire Löhne, Weiterbildungsmaßnahmen, Gesundheitsförderung und Events in lockerer Atmosphäre liegen in der sozialen Verantwortung des Unternehmens. Grundsteine für nachhaltiges Arbeiten sind außerdem die Kompetenzförderung der Mitarbeiter, eine effiziente Produktion mit modernen Werkzeugen und Anlagen bis hin zur optimalen Realisierung der Kundenanforderungen. Weiterführende Serviceangebote zur Wartung und Instandhaltung sichern einen langlebigen Einsatz der Maschinen. Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung gehören unweigerlich zusammen. Mit der größtmöglichen Schnittmenge aus diesen Bereichen und einer gehörigen Portion Innovationskraft sieht Scharfenberger Maschinenbau diese Aspekte als echte Chance und Notwendigkeit, um die Zukunft für das Unternehmen sowie für alle Winzerinnen und Winzer zu sichern.

 

 

Die drei wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen für Wein

Dr. Helena Ponstein, Gründerin klimaneutralerwein.de

Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die weltweit tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Umwälzungen hervorruft. Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf die Ökosysteme sind jetzt schon spürbar, wie beispielsweise die Hitzewellen und langen Trockenperioden in den letzten Jahren verdeutlicht haben. Anfang November haben Wissenschaftler von der NASA und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) festgestellt, dass die tiefgreifenden Veränderungen für die Landwirtschaft bereits innerhalb der nächsten Dekade deutlich spürbar werden und nicht erst in ferner Zukunft. Unter dem Strich sinken die Flächen weltweit, auf denen Ackerbau – und auch Weinbau – betrieben werden kann. Die Weinbranche wird von der globalen Erwärmung nicht nur empfindlich getroffen, sie trägt durch ihren Verbrauch an Energie und Materialien selbst zum Klimawandel bei. Dadurch haben Betriebe der Weinbranche die Möglichkeit, vielleicht auch die Verpflichtung, selbst zu handeln und zur Eindämmung des Klimawandels aktiv beizutragen. Das Bewusstsein wächst, das die Notwendigkeit besteht, effektiv Klimaschutz zu betreiben, um die zukünftigen Lebensgrundlagen zu erhalten. Klimafreundliches Handeln wird daher von Kunden und Geschäftspartnern zunehmend geschätzt. In diesem Vortrag ging es um die drei wichtigsten Maßnahmen, die in der Weinbranche gegen den Klimawandel unternommen werden können. Die wichtigste Klimaschutzmaßnahme betrifft die Verpackung. Die traditionelle Glasflasche ist der größte einzelne Posten in der Emissionsbilanz von Wein. Eine wesentliche Verbesserung kann entweder durch Bag-in-Box oder durch ein Mehrweg-System für Glasflaschen erreicht werden. Die Leichtglasflasche ist zwar eine echte Verbesserung, reicht aber nicht aus, um die Klimaschutzziele mittelfristig zu erreichen. Bis 2045 wird Deutschland klimaneutral sein, weshalb alle Möglichkeiten zur Kreislaufwirtschaft genutzt werden müssen. Die zweite elementare Maßnahme betrifft die Dekarbonisierung der Energieträger: Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas müssen durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden und natürlich effizient verwendet werden. Die wichtigsten Energieträger der Zukunft sind Strom aus Erneuerbaren Energien und Wasserstoff. Die dritte Maßnahme betrifft Ressourceneffizienz im Weinberg. Neben einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen ist es vor allem wichtig, das Kontingent der Erntemengen auszuschöpfen: Je mehr Weintrauben geerntet werden, desto geringer ist in unserem Weinbausystem der CO2-Fußabdruck durch diese Wertschöpfungsstufe je Flasche Wein. In Anbetracht der Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert stellt, ist die Weinbranche heute dazu aufgerufen, in einem neuen Umfang über die einzelnen Arbeits- und Interessengruppen hinweg zusammenzuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

Weitere Themen folgen in Kürze…

Danke an Woody T. Herner und Team für die Unterstützung!

Quelle: Bund Deutscher Oenologen e. V.

Kategorien: Veranstaltungen, Alumni, STUDIUM, HOCHSCHULE, Presse und Kommunikation, Alumni, FORSCHUNG, Wein- und Getränkewirtschaft, Rebenzüchtung, Oenologie, Mikrobiologie und Biochemie, Getränkeforschung, Allgemeiner und ökologischer Weinbau, Nachrichten

Bilderreihe

Begrüßung durch Prof. Dr. Erik Schweickert, Präsident BDO; Bildquelle: Tina Kissinger
Prof. Dr. Randolf Kauer, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Rudolf Fischer , Scharfenberger GmbH & Co. KG; Bildquelle: Tina Kissinger
v.l.n.r.: Rolf Stocké und von der Hochschule Geisenheim Anthony Bennett und Prof. Dr. Simone Loose; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Prof. Dr. Marc Dressler, Weincampus Neustadt; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Maximilian Freund, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
v.l.n.r.: Achim Dörr, Hochschule Geisenheim, Rolf Stocké, Prof. Dr. Monika Christmann, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Hochschulpräsident Prof. Dr. Hans Reiner Schultz; Bildquelle: Tina Kissinger
Michael Erbach, ERO GmbH und Rolf Stocké, der durch die Fachtagung führte; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Andreas Kortekamp, DLR Rheinpfalz, Prof. Dr. Jochen Bogs, Weincampus Neustadt und Rolf Stocké; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Helena Ponstein, Gründerin klimaneutralerwein.de; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn

Wir schaffen Strategien für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft

Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Nachhaltigkeitsziele – die globalen Anforderungen unserer Zeit sind vielfältig!

Für unsere Hochschule mit ihrem klaren Schwerpunkt auf Sonderkulturen und deren Produkten sowie der nachhaltigen Entwicklung von Kulturlandschaften und städtischen Freiräumen ergeben sich aus diesen Herausforderungen zahlreiche Fragen: Wie können wir zukünftige Formen der Landbewirtschaftung entwickeln, insbesondere im Hinblick auf Pflanzen wie Weinreben, Obst und Gemüse, die eine intensive Kulturführung benötigen? Wie lassen sich Städte und Kulturlandschaften so gestalten, dass sie an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst sind und zugleich Potenzial bieten, selbigem entgegenzuwirken? Wie können wir auch zukünftig eine wachsende Bevölkerung mit gesunden, sicheren und nachhaltig produzierten Lebensmitteln versorgen? Dies sind Beispiele, denen sich unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im globalen wie auch regionalen Maßstab stellen und an die sie in Forschung und Lehre anknüpfen – und deren Lösung mit Sicherheit zukünftig eine riesige Aufgabe darstellt! Unsere Forschung muss dabei gleichermaßen anwendungs- wie grundlagenorientiert sein. Durch zahlreiche Kooperationen sind wir mit renommierten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aber auch mit Partnern aus Wirtschaft und Verbänden, im In- und Ausland vernetzt. Diese Netzwerke müssen wir in Zukunft noch stärker nutzen, da die Dimension der Herausforderungen mittlerweile einen globalen Maßstab erreicht hat und Lösungswege kaum mehr adäquat von einzelnen Institutionen – unabhängig von deren Größe – bearbeitet werden können. So stellen wir uns gemeinsam, im grenzüberschreitenden Verbund, mit guten Ideen, klugen Köpfen sowie Engagement und Vehemenz den zahlreichen Herausforderungen in unseren Branchen.

Auf unserer Website wollen wir Ihnen einen Einblick in unsere Themengebiete und zum Teil weltweit einmaligen Infrastrukturen für Forschung und Lehre auf unserem Campus geben. Als Hochschule mit einem besonderen Profil und einem Fokus auf Arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen fühlen wir uns besonders verpflichtet, Strategien für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft zu schaffen. Erfahren Sie, welche Ansätze wir hierfür verfolgen:

Unsere Forschungsschwerpunkte

Nachhaltigkeit und Anbausysteme

Ertragssichere, qualitätsorientierte und nachhaltige Anbausysteme für Sonderkulturen entwickeln

Der Anbau von Reben, Obst, Gemüse und Zierpflanzen ist mit einer intensiven Kulturführung und einem hohen Ressourceneinsatz verbunden. Damit steht auch der Wein- und Gartenbau im Spannungsfeld, einerseits qualitativ hochwertige und marktgerechte Erzeugnisse in ausreichender Menge zu produzieren, andererseits aber auch zukunftsorientiert zu handeln, Natur- und Umweltaspekte vermehrt zu berücksichtigen und Ressourcen nachhaltig einzusetzen. Ziel unserer Forschungsarbeiten ist daher die Entwicklung von innovativen und ökologisch verträglichen Anbaustrategien für Sonderkulturen. So arbeiten wir an der Züchtung neuer Sorten oder Wuchsformen, die besser an den Klimawandel, an Standorteigenschaften oder an Schaderreger angepasst sind, nur einen reduzierten Ressourceneinsatz benötigen und eine effiziente und für die Produzierenden ertragssichere Produktion ermöglichen. Des Weiteren erproben wir intelligente Sensorsysteme, um die Nutzung knapper Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe gezielt zu steuern und zu optimieren und prüfen alternative Strategien wie den Einsatz mikrobieller Antagonisten zur Kontrolle von Schaderregern oder den Zusatz von Stoffen zur Verbesserung der Standortbedingungen. Gemeinsam mit unseren Partnern erarbeiten wir Maßnahmen zur Diversifizierung der Anbausysteme von Sonderkulturen, um Ökosystemleistungen und Biodiversität zu erhalten.

Qualität, Vermarktung und Bioökonomie

Agrarische Produkte mit Schwerpunkt pflanzliche Erzeugnisse innovativ und sicher verarbeiten und vermarkten und im Sinne der Bioökonomie nutzen

Nachhaltiges Handeln in der Produktion von Lebensmitteln erstreckt sich von der Erzeugung der Kulturen über die Verarbeitung bis zur Abgabe der Produkte an die Verbraucherin bzw. den Verbraucher. Zugleich müssen die zu vermarktenden Produkte sicher und gesundheitlich unbedenklich sein. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem muss außerdem biologische Ressourcen, Prozesse und Systeme noch effizienter als bisher nutzen. Damit ist Bioökonomie in der Lebensmittelproduktion ein wichtiger Pfeiler, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dies greifen wir in unseren Forschungsarbeiten auf. So befassen wir uns mit der Entwicklung energieeffizienter und ressourcenschonender Verarbeitungsweisen von pflanzlichen Erzeugnissen sowie mit der Gewinnung und Formulierung von funktionellen Inhaltsstoffen aus Ernteprodukten und deren Nebenstoffströmen. Darüber hinaus werden Mikroorganismen hinsichtlich ihres Potentials als Schutzkultur bei der Lebensmittelherstellung untersucht. In Verbundprojekten mit externen Partnern bewerten wir auch die gesundheitliche Wirkung von pflanzlichen Inhaltsstoffen. Erzeugte Produkte werden durch unser hochschuleigenes Panel intensiv sensorisch bewertet. Marktforschungsdaten, Unternehmensanalysen und Analysen des Konsumverhaltens der Kundinnen und Kunden helfen, insbesondere im Bereich der Vermarktung von Wein Trends zu erfassen und daraus Muster für zukünftige Marketingstrategien abzuleiten. Des Weiteren analysieren wir die logistischen Herausforderungen in der Produktionskette von Lebensmitteln vom Betrieb zur Endkonsumentin und zum Endkonsumenten, von der Verpackung zur Distribution.

Kulturlandschaft und Urbane Räume

Kulturlandschaften und städtische Freiräume zukunftsfähig gestalten und weiterentwickeln

Kulturlandschaften und urbane Räume haben in der Vergangenheit tiefgreifende Veränderungen erfahren. So hat eine Intensivierung der Landnutzung zu einem Verlust wertbestimmender Merkmale und zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt geführt. Gesellschaftliche Veränderungen und Anforderungen beeinflussen auch die Freiraumplanung von Stadtregionen, deren Lebensqualität nicht zuletzt vom Vorhandensein grüner Infrastrukturen wie Grüngürtel oder Parks geprägt wird. Hier setzen unsere Forschungsarbeiten an, in denen wir uns mit der Entwicklung von Methoden zur Evaluierung der städtischen Freiraumgestaltung sowie der Untersuchung der sozialen Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit von urbanen Freiräumen befassen. Des Weiteren werden Verfahren zur Begrünung bodenferner Standorte entwickelt und Aspekte zur Verwendung von Pflanzen im urbanen Raum insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels erarbeitet. Zudem zeigen wir Strategien auf, um insbesondere Weinbau-Kulturlandschaften an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen und biologische Vielfalt bzw. den Erhalt einzelner Zielarten in der Kulturlandschaft zu sichern. Anknüpfend an die Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme bieten unsere Arbeiten aber auch Raum für die Entfaltung neuer Produktionsszenarien, die nachhaltige und multifunktionale Kulturlandschaften mit hohem ökologischen und touristischen Wert schaffen.

Klimawandel, Stoffkreisläufe und Ökobilanzen

Risiken des Klimawandels beurteilen und Strategien zur Anpassung und Minderung der Folgen erarbeiten

Der Klimawandel und die mit ihm verbundenen Änderungen hinsichtlich Temperatur- und Niederschlagsverteilung sowie atmosphärischer CO2-Konzentration zeigt bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die Produktionssicherheit und die Produktionsbedingungen von Sonderkulturen, auf Stoffkreisläufe in Böden und Ökosystemen sowie auf die Planung und das Management von urbanen Grün- und Freiraumflächen. Damit werden Entwicklungen von Anpassungsstrategien für den Wein- und Gartenbau notwendig, die im Fokus unserer Forschungsarbeiten stehen. So werden Maßnahmen zur Deckung des zukünftigen Wasserbedarfs und zur Kontrolle von (neuen) Schaderregern entwickelt. Des Weiteren untersuchen wir Effekte veränderter klimatischer Verhältnisse auf Fruchtertrag, Fruchtqualität, Inhaltsstoffe sowie Aromen von Trauben und gartenbaulichen Produkten. Schließlich erarbeiten wir Strategien für eine aktive Verringerung der Treibhausgasemissionen (Mitigation) in der landwirtschaftlichen Praxis und bilanzieren diese im Sinne einer Nachhaltigkeitsbewertung hinsichtlich der CO2-Kompensation. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau in Steillagen, auch vor dem Hintergrund der Kulturlandschaftsentwicklung, der Steigerung der Biodiversität und damit der Förderung von Ökosystemdienstleistungen.

 

Digitalisierung und Modellierungen

Digitalisierung in der Produktion und Vermarktung von Sonderkulturen und in der Landschaftsplanung verwirklichen

Digitale Anwendungen haben in vielen Bereichen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen Eingang gefunden. So werden intelligente Technologien und automatisierte Arbeitsprozesse beim Anbau der Kulturen, wie beispielsweise bei der Düngung und beim Pflanzenschutz, aber auch bei der Verarbeitung, dem Transport und der Vermarktung eingesetzt. Nachhaltige Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien werden digitale Techniken zukünftig noch stärker nutzen. Dies greifen wir in unseren Forschungsarbeiten auf und arbeiten so an der Entwicklung berührungsloser Sensortechnik und einfach zu bedienender Prognosemodelle zur Optimierung der Ressourcennutzung sowie zur Früherkennung von Stress und Krankheiten. Digitale Entwicklungen werden auch in verfahrenstechnischen Ansätzen eingesetzt, beispielsweise beim Einsatz von Drohnen zur Pflanzenschutzapplikation oder zur zielgerichteten Erfassung des Nährstoffbedarfs eines Pflanzenbestandes. Über eine digitale Simulation des Pflanzenwachstums und eine Modellierung von virtuellen Weinbergen wollen wir überdies die Folgen des Klimawandels auf Pflanzenarchitektur und Stressereignisse prognostizieren. In der Getränkeproduktion ermöglicht die Modellierung komplizierter Verfahrensschritte eine genaue Analyse und damit Optimierung dieser Abläufe. Eine optimierte Datenerfassung erlaubt es zudem, Lieferketten von der Erzeugerin bzw. vom Erzeuger zur Produzentin bzw. zum Produzenten effizienter zu gestalten.

Unsere Hochschule bietet einmalige Möglichkeiten, wissenschaftlich herausragende und zugleich praxisnahe Forschung entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen zu betreiben. Vizepräsidentin Forschung Prof. Dr. Annette Reineke