Hagemanns wissenschaftlicher Weg begann mit biologischem Pflanzenschutz: Schon während seines Studiums und seiner frühen Forschung arbeitete er an pilzbasierten Antagonisten. „Diese Erfahrung prägt bis heute meinen Ansatz, Pilze und Mikroorganismen nicht nur als Schaderreger, sondern auch als potenzielle Partner im nachhaltigen Gartenbau zu verstehen“, so Hagemann. Während seiner Promotion forschte er mehrere Jahre in Vietnam an Mango-Beständen, untersuchte Fruchtfallprozesse und entwickelte zugleich praxisnahe Pflanzenschutzlösungen für lokale Produzenten.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Pflanzenpathologie und RNA-Forschung. In der Hopfenforschung spielte Hagemann eine zentrale Rolle bei der Bewältigung neuer Krankheitsrisiken und entwickelte gemeinsam mit Praxis und Forschungseinrichtungen moderne Diagnose- und Präventionsstrategien. Als „praktischer Molekularbiologe im Gartenbau“ etablierte er robuste molekulare Methoden und baute ein internationales Netzwerk zur Viroidforschung auf.
Molekularbiologische Methoden für einen nachhaltigeren Obstbau
Gleichzeitig beschäftigt sich Hagemann bereits seit vielen Jahren intensiv mit dem Apfel, der nun auch in den Mittelpunkt seiner Arbeit in Geisenheim rückt. „Ich freue mich sehr, den Apfelanbau zu meinem langfristigen Forschungsschwerpunkt machen zu können“, sagt Hagemann. „Die Vielfalt der Herausforderungen – von Trockenstress über neue Pathogene bis hin zu innovativen Züchtungen – macht den Apfel zu einer Kultur, an der Nachhaltigkeit konkret erforscht und umgesetzt werden kann.“ Den Einstieg in Geisenheim sieht er als Chance: „Es ist spannend, in einen gut etablierten Forschungsbetrieb einzusteigen, in dem an praxisrelevanten Themen mit großer Tiefe und Kontinuität gearbeitet wird.“
In seiner zukünftigen Forschung plant Hagemann, RNA-, Virus- und Mikrobiom-basierte Ansätze gezielt weiterzuentwickeln. „Im Zeitalter neuer genomischer Techniken, globaler Virusstämme und wachsender Anforderungen im Pflanzenschutz ist RNA-Kompetenz an der richtigen Stelle entscheidend“, betont der neue Professor. „Moderne molekularbiologische Verfahren wie RNA-Analytik und Spray-Induced Gene Silencing können künftig Werkzeuge sein, die wir verantwortungsvoll in nachhaltige Anbausysteme integrieren.“
Mit dem Amtsantritt tritt Hagemann die Nachfolge von Prof. Dr. Peter Braun an, dessen Arbeiten zu kompakt wachsenden Säulenäpfeln sowie sein Engagement im Humusaufbau wichtige Impulse für den nachhaltigen Obstbau gesetzt haben und setzen.


