Im Rahmen der AgrarWinterTage 2026 ist das Projekt AmBiTo – Anwendung eines modularen Biodiversitäts-Toolkits mit dem Nachhaltigkeitspreis 2026 Rheinhessen ausgezeichnet worden. Die feierliche Preisverleihung erfolgte zur Eröffnung der Geräteausstellung durch Andy Becht, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz. Die Laudatio hielt Katrin Knierim, Rheinhessische Weinkönigin.
„Wir müssen im Weinbau Nachhaltigkeit praxisnah und erfolgreich umsetzen. AmBiTo verbindet Praxis und Forschung auf vorbildliche Weise“, betonte Weinkönigin Katrin Knierim. Mit der Auszeichnung würdigt die Jury ein Projekt, das Biodiversität im Weinbau wissenschaftlich fundiert und überbetrieblich wirksam umsetzt. AmBiTo ist ein Gemeinschaftsprojekt von FAIR and GREEN e. V. und der Hochschule Geisenheim.
„Biodiversität ist keine abstrakte Zielgröße, sondern eine zentrale Grundlage für die Zukunftsfähigkeit des Weinbaus“, erklärte Dr. Keith Ulrich, Vorstandsvorsitzender von FAIR and GREEN e. V. „Vielfältige Ökosysteme machen Weinberge widerstandsfähiger, fördern natürliche Regulationsmechanismen und sichern langfristig die Produktionsgrundlagen unserer Kulturlandschaften.“ Ergänzend betonte Prof. Dr. Ilona Leyer, Professorin für Biodiversität und Ökosystemfunktionen an der Hochschule Geisenheim University und verantwortlich für die ökologische Begleitforschung, stellvertretend für alle Projektbeteiligten der Hochschule: „Ein gemeinsames Verständnis und kooperatives Gestalten von attraktiven, artenreichen Weinbaulandschaften zum Vorteil von Rebe, Mensch und Natur ist eine Investition in den zukunftsweisenden Weinbau. Die Auszeichnung wertschätzt diesen Weg, zeugt von großer Unterstützung und stärkt die Akzeptanz des Projekts.“
Aus der Praxis heraus entstanden
Die Idee zu AmBiTo entstand aus der langjährigen Beratungspraxis von FAIR and GREEN e. V. Bei Betriebsbesuchen zeigte sich immer wieder, dass viele Winzerinnen und Winzer bereit waren, mehr für Biodiversität zu tun, jedoch unsicher waren, welche Maßnahmen sinnvoll und wirksam sind.
„Auslöser war, dass Biodiversität bei FAIR’N GREEN eine große Rolle spielt, Betriebe aber oft unsicher waren, was die richtigen Maßnahmen sind“, erklärte Dr. Keith Ulrich im Rahmen der Preisverleihung. „Uns war klar: Wir müssen ein Projekt entwickeln, das genau hier ansetzt und Lösungen bietet.“
Biodiversitätsmaßnahmen in die Fläche bringen
Im Projektverlauf wurden in neun Anbaugebieten über 40 Modell- und Versuchsbetriebe intensiv begleitet. Insgesamt wurden rund 1.100 Biodiversitätsmaßnahmen umgesetzt, darunter artenreiche Einsaaten mit zertifiziertem Regiosaatgut, Pflanzungen von Sträuchern und Bäumen, Sandarien, Steinhaufen sowie ökologisch optimierte Lebenstürme.
Aus wissenschaftlicher Sicht unterstrich Prof. Dr. Ilona Leyer die Relevanz des Ansatzes: „Der Weinbau hat ein ganz großes Potenzial, Biodiversität in die Fläche zu bringen. Er kann das praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig leisten.“ Auch aus Sicht des Projektmanagements ist genau dieser flächige Ansatz entscheidend. „Wir müssen in die Fläche gehen. Wir dürfen nicht nur in der Nische besser werden, sondern in der gesamten Weinwirtschaft“, sagte Florian Reinert, Projektmanager AmBiTo bei FAIR and GREEN e. V. „Deshalb sind praxistaugliche Biodiversitätsmaßnahmen so wichtig und wertvoll.“
Bildungswirkung über den Betrieb hinaus
Neben der praktischen Umsetzung legen die Mitarbeitenden im Projekt AmBiTo großen Wert auf Information und Transparenz. Infotafeln direkt in den Weinbergen erläutern die umgesetzten Maßnahmen und machen Biodiversität für Besucherinnen und Besucher sichtbar und verständlich. Die Jury hob insbesondere den hohen Praxisnutzen, den überbetrieblichen Mehrwert sowie die konsequente öffentliche Zugänglichkeit aller Projektergebnisse hervor. Durch Kooperationen mit Kommunen leisteten die Maßnahmen zudem einen Beitrag zur ökologischen Aufwertung der Kulturlandschaft und zur Stärkung der touristischen Attraktivität der Weinregionen.
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