Vitiforst

Hintergrund

Die Klimaerwärmung, und die damit einhergehenden Auswirkungen auf den Weinbau, stellen für WinzerInnen ein beträchtliches ökonomisches Risiko dar. Steigende Temperaturen, häufigere Trockenstressphasen sowie vermehrte Starkregenereignisse wirken sich direkt auf Ertrag, Qualität und Produktionssicherheit aus. Der Weinbau steht vor der Herausforderung, auf den Klimawandel und den fortschreitenden Verlust an Biodiversität zu reagieren, ohne dabei die wirtschaftliche Existenz der Betriebe zu gefährden. Vor diesem Hintergrund gewinnen Agroforstsysteme als Form multifunktionaler Landnutzung an Bedeutung. 

Sie kombinieren Ackerkulturen oder Tierhaltung mit Gehölzpflanzen und können ökologische und agronomische Vorteile bieten, wie etwa eine positive Beeinflussung des Mikroklimas. Die Beschattung durch Bäume kann Bodenerwärmung und Verdunstung reduzieren und somit einem Austrocknen des Bodens entgegenwirken. Die Wurzeln der Bäume können zu einer Umverteilung des Wassers im Boden beitragen, wodurch der Trockenstress der Reben gemindert werden kann. Die Durchwurzelung des Bodens und die damit verbundene Verbesserung der Bodenstruktur trägt außerdem zur Vorbeugung wasserbedingter Bodenerosion, insbesondere infolge von Starkregenereignissen, bei. Gleichzeitig dienen die Gehölze als Kohlenstoffspeicher und erhöhen die strukturelle Vielfalt, wodurch sie die Biodiversität fördern. 

Bisherige Agroforstsysteme schließen selten die Rebe als mehrjährige Kultur mit ein und sind oft nicht an zeitgemäße, maschinelle Bewirtschaftungsmethoden angepasst. Es werden daher adaptierte Systeme für eine Integration in den modernen Weinbau benötigt.

Projekt VitiForst

Im Projekt VitiForst werden im Rahmen des Ökoaktionsplans des Landes Hessen in der Weinbauregion Rheingau die Möglichkeiten und Grenzen des ökologischen und integrierten Weinbaus in Mischkultur mit Gehölzen untersucht. Ziel ist es, das Potenzial sogenannter Vitiforst-Systeme wissenschaftlich zu bewerten und praxisnahe Lösungsansätze für den modernen Weinbau zu entwickeln.

Vitiforst-Anlage Ebental

Zur Bearbeitung der Forschungsfragen wurde, gefördert vom GeisTreich-Projekt („Geisenheimer Transferprogramm zum artenreichen und multifunktionalen Weinbau“), eine Vitiforst-Versuchsanlage am Standort Ebental in Rüdesheim etabliert. Die Anlage umfasst rund 2,3 ha Agrarfläche. Im Herbst 2023 wurden Esskastanien und Quitten als Gehölze, im Frühjahr 2024 Reben der pilzwiderstandsfähigen Rebsorte Souvignier gris gepflanzt. Zu Projektbeginn im Frühjahr 2025 wurde ein Sensorennetzwerk installiert, das eine flächendeckende Erfassung des Mikroklimas ermöglicht. Darunter Lufttemperatur und -feuchte oberirdisch, sowie Bodenfeuchte im Wurzelraum. Ergänzend werden regelmäßig der vegetative und physiologische Zustand von Reben und Gehölzen dokumentiert und Biodiversitätsparameter erhoben.

Projektziele

Die über die Projektlaufzeit erhobenen Bewirtschaftungs- und Monitoringdaten dienen dem übergeordneten Ziel, einen praxisorientierten Leitfaden für Vitiforst-Systeme zu entwickeln. Geplant ist insbesondere die Ausarbeitung eines Pflanz- und Pflegeplans für den gemeinsamen Anbau von Reben und Gehölzen. Potenziale und Grenzen des Vitiforst sowie dessen Beitrag zur Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten sollen gemeinsam mit Praxisbetrieben in Workshops, Feldtagen und Netzwerktreffen diskutiert und bewertet werden. Ergänzend zur Versuchsfläche sind zwei Demonstrationsbetriebe im Rheingau in das Projekt eingebunden (Weingut Eva Fricke und Weingut Engelmann-Schlepper, beide in Eltville), die ebenfalls Vitiforst-Anlagen etabliert haben. 

Neues vom Vitiforst

Ein aktueller Beitrag vom Ebental auf Sat.1

Ökoaktionsplan

Esskastanie
Ausgleichsfläche
Sensoren und Ansitzstangen
gemischte Baumreihe
Johanniskraut
Perlmuttfalter

Fotos: K. Becker, Hochschule Geisenheim


Ansprechpartner*Innen Weinbau

Johanna Döring
Prof. Dr. Johanna Döring
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Tel. +49 6722 502 164
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Manfred Stoll
Prof. Dr. Manfred Stoll
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Yvette Wohlfahrt
Dr. Yvette Wohlfahrt
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Tel. +49 6722 502 144
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Katharina Becker
Katharina Becker, M.Sc.
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Raum 01.62
Tel. +49 6722 502 327
Katharina.Becker(at)hs-gm.de Details
Michael Bruch
Michael Bruch, M.Sc.
Gebäude 6205
Raum 403
Michael.Bruch(at)hs-gm.de Details

Ansprechpartnerin GeisTreich

Ilona Leyer
Prof. Dr. Ilona Leyer
Gebäude 1000
Raum 218
Tel. +49 6722 502 463
Ilona.Leyer(at)hs-gm.de Details