KULTURLANDSCHAFT - WANDEL GEMEINSAM GESTALTEN.

WISSEN VERBINDEN. WANDEL GESTALTEN.

Das KULT vernetzt Wissenschaft, Praxis, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, um Lösungen für eine nachhaltige Entwicklung von Kulturlandschaften zu entwickeln und in die Umsetzung zu bringen.

© KULT / Hochschule Geisenheim University, KI-gestützt erstellt mit ChatGPT (OpenAI), 2026

WORAN WIR ARBEITEN

Kulturlandschaften stehen unter zunehmendem Veränderungsdruck. Das KULT verbindet Forschung und Praxis, um ihre charakteristischen Qualitäten zu erhalten und gleichzeitig Antworten auf aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu entwickeln.

© KULT / Hochschule Geisenheim University, KI-gestützt erstellt mit ChatGPT (OpenAI), 2026

GEMEINSAM KULTURLANDSCHAFT GESTALTEN.

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KULT AKTUELL

Aktuelles aus dem Kompetenzzentrum Kulturlandschaft

Geisenheimer Wissenschaftler an internationaler Forschungskampagne 2022 in Island beteiligt

Gruppenfoto des Teams. (v.r.n.l.): Ragnhildur Þ. Magnúsdóttir, Iris Hansen, Gisli Mar Gislason, Peter Chifflard, Martin Reiss. Foto: Peter Chifflard (Selfie)

Ökologische Auswirkungen der klimabedingten Eisschmelze in von Gletschern gespeisten arktischen Fließgewässern

Die weltweite Gletscherschmelze hat in den letzten Jahren an Tempo aufgenommen. Zwischen den Jahren 2000 bis 2019 verloren die Gletscher eine Masse von 267 ± 16 Gigatonnen pro Jahr, was 21 ± 3 Prozent des beobachteten Meeresspiegelanstiegs entspricht.

Das Volumen der isländischen Gletscher (im Jahr 2019) entspricht etwa 9 mm des potenziellen globalen Meeresspiegelanstiegs. Es ist zu erwarten, dass mit der klimabedingten Gletscherschmelze die Wassertemperatur zunimmt, sich die Gerinnestabilität dynamisiert und der hydrochemische Stoffhaushalt sich verändert. Es ist damit zu rechnen, dass vor allem mehr gelöster Kohlenstoff zur Verfügung steht. Somit verändern sich die Lebensbedingungen für Organismen und damit die Biodiversität solcher Fließgewässer-Ökosysteme. Doch wie genau diese Veränderungen für isländische gletschergespeisten Fließgewässer genau aussehen, ist weitestgehend unbekannt. Denn vergleichende Untersuchungen an gletschergespeisten Flüssen in arktischen Regionen fehlen weitgehend. Der Geisenheimer Wissenschaftler Dr. Martin Reiss konnte im Rahmen des europaweiten Forschungsprojekts „Arctic & Alpine Stream Ecosystem Research“ (AASER25) auf Einladung teilnehmen. Das Forschungsnetzwerk AASER (Uni Leeds, Uni Birmingham, Norwegian Institute for Water Research, Science Museum Trento, Uni Genf, Uni Iceland, Reykjavik) hat vor 26 Jahren (1996-1999) eine Grundlage geschaffen, um zu verstehen, wie Gletscher die biologische Vielfalt, Hydrologie, Geomorphologie und Wasserqualität von Flüssen in acht europäischen Bergregionen beeinflussen. Nun wurden vom 20.09.-23.09.2022 in einer weiteren Forschungskampagne im isländischen Flussgebiet Vestari-Jökulsá umfangreiche Untersuchen zur biologischen Vielfalt, Hydrologie, Geomorphologie und Wasserqualität vorgenommen. Das Forschungsteam bestand aus den Teilnehmenden Prof. em. Dr. Gíslason (University of Iceland, Reykjavik), Ragnhildur Þ. Magnúsdóttir und Iris Hansen (Marine and Freshwater Research Institute, Reykjavik) sowie Prof. Dr. Chifflard (Universität Marburg) und Dr. Martin Reiss (HGU). Beim Vestari-Jökulsá handelt es sich um ein arktisches, gletschergespeistes Fließgewässer, welches vom Auslassgletscher Sátujökull den Plateaugletscher Hofsjökull im zentralen Hochland nach Norden entwässert. Entlang des Flusses wurden vom aktuellen Gletschertor bis in das Tiefland Probenstellen angefahren und untersucht. Dies geschieht, um die Auswirkungen des Gletscherschwunds auf die flussabwärts gelegenen Ökosysteme zu dokumentieren, politische Entscheidungsträger und Naturschutzgruppen zu informieren und einen Beitrag zu künftigen IPCC- und IPBES-Berichten zu leisten. Zudem konnte Dr. Martin Reiss für ein gemeinsam mit der Uni Marburg gestartetes und von der DFG gefördertes Projekt  (siehe: https://hs-gm.hessenfis.de/converis/portal/detail/Project/12116033) in die Vorplanung vor Ort gehen und die Zusammenarbeit mit dem Marine and Freshwater Research Institute und der University of Iceland in Reykjavik organisieren.

Kontakt:

Dr. Martin Reiss
Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz
Kompetenzzentrum Kulturlandschaft

Tel.: 06722 502 654

Literatur:
Aðalgeirsdóttir, G., Magnússon, E., Pálsson, F., Thorsteinsson, T., Belart, J. M., Jóhannesson, T.et al. (2020): Glacier changes in Iceland from∼ 1890 to 2019. Frontiers in Earth Science, 8, 523646. https://doi.org/10.3389/feart.2020.523646
Chifflard, P., Fasching, C., Reiss, M., Ditzel, L., Boodoo, K. S. (2019): Dissolved and particulate organic carbon in icelandic proglacial streams: a first estimate. Water, 11(4), 748. https://doi.org/10.3390/w11040748
Hugonnet, R., McNabb, R., Berthier, E. et al. (2021): Accelerated global glacier mass loss in the early twenty-first century. Nature 592, 726–731. https://doi.org/10.1038/s41586-021-03436-z

Kategorien: FORSCHUNG, Landschaftsplanung und Naturschutz

Bilderreihe

Abflussmessung im Vestari-Jökulsá. Foto: Peter Chifflard
Am Gletschertor des Sátujökull (Hofsjökull). Foto: Martin Reiss

Veranstaltungen des Kompetenzzentrums Kulturlandschaft

1. September 2026 KuLaDig-Netzwerktreffen Rheinland-Pfalz 2026

KuLaDig-Netzwerktreffen Rheinland-Pfalz 2026

1. September 2026 | ab 10:00 Uhr | Weingut Raddeck, Nierstein
Kostenfreie Teilnahme

Das diesjährige KuLaDig-Netzwerktreffen findet in der KuLaDig-Kommune Nierstein statt. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel von Kulturlandschaft, Tourismus und Weinbau, das sich auch in einem Markt der Möglichkeiten widerspiegelt.

Neben Impulsvorträgen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen KuLaDig-Kommunen sowie mit den Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern von KuLaDig RLP und der SGD Süd. Auch eine Führung durch die Weinberge ist vorgesehen.

Anmeldung bis 24. August 2026 per E-Mail an Christine.brehm(at)sgdsued.rlp.de, bitte mit Angabe, ob Sie an der Weinbergführung teilnehmen möchten.

Veranstalter: Kultur.Landschaft.Digital – Kompetenzzentrum Rheinland-Pfalz an der SGD Süd

1. September bis 22. Oktober 2026 Online-Veranstaltungsreihe „Diversität von Nutztierrassen als Beitrag zu nachhaltigen Ernährungssystemen“

Online-Veranstaltungsreihe „Diversität von Nutztierrassen als Beitrag zu nachhaltigen Ernährungssystemen“

1. September bis 22. Oktober 2026 | insgesamt 9 Online-Veranstaltungen

Wie lassen sich genetische Nutztiervielfalt, Landschaftsvielfalt und Wertschöpfung für nachhaltige Ernährungssysteme verbinden?

Dieser Frage widmet sich unsere Online-Veranstaltungsreihe „Diversität von Nutztierrassen als Beitrag zu nachhaltigen Ernährungssystemen“. An insgesamt neun Terminen, jeweils dienstags oder donnerstags, werden verschiedene Aspekte der genetischen Vielfalt von Nutztierrassen und ihrer Bedeutung für nachhaltige Ernährungssysteme betrachtet.

Direkt zur Anmeldung:
https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSdUKCr5EMFDAtpdCy6sn0nQslQRRfmi_hksDbJp-c75IshK_A/viewform

29. September 2026 8. Straße und Landschaft „Was bedeutet die Wiederherstellungsverordnung für Planung und Bau von Straßen?“

Straße und Landschaft – Was bedeutet die Wiederherstellungsverordnung für Planung und Bau von Straßen?

29. September 2026 | Hochschule Geisenheim University
Teilnahmegebühr: 60 €

Anmeldung:
https://veranstaltungen.hs-geisenheim.de/event/8-sl2026

Die Umsetzung der EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur wird in der Praxis die Planung und den Bau von Straßen erheblich beeinflussen. Doch was bedeutet das konkret für Straßenbauverwaltungen, Planungsbüros sowie Gutachterinnen und Gutachter?

Die Fachtagung widmet sich unter anderem der Frage, welche Artikel der Wiederherstellungsverordnung für den Straßenbau besonders relevant sind, was der Nationale Wiederherstellungsplan vorsieht und welche Konsequenzen sich aus dem neuen Verschlechterungsverbot ergeben. Zudem geht es um zusätzliche Erfassungserfordernisse sowie die Anpassung von Eingriffsregelung, UVP und LBP.

Veranstalter und Partner: Kompetenzzentrum Kulturlandschaft der Hochschule Geisenheim, Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement sowie der Bundesverband Beruflicher Naturschutz Rheinland-Pfalz e. V.

6. & 7. Oktober 2026 IALE-D Jahrestagung 2026 „Schwammlandschaften als integrativer Ansatz der Klimaanpassung: Analyse, Planung und Governance“

Termin: 6. & 7. Oktober 2026

Ort: Universität Hildesheim

ie Jahrestagung steht unter dem Leitmotiv zukunftsfähiger Kulturlandschaften im Kontext von Klimawandel und nachhaltiger Landnutzung. Vor diesem Hintergrund gewinnen Schwammlandschaften zunehmend an Bedeutung – als landschaftsökologischer und planerischer Ansatz zur Stärkung von Wasserretention, Speicher- und Regulationsfunktionen sowie zur Erhöhung der Klimaresilienz urbaner und ruraler Räume.

Aktuelle Entwicklungen, unter anderem im Kontext der EU-Wiederherstellungsverordnung und des Aktionsprogramms natürlicher Klimaschutz, verdeutlichen die wachsende Relevanz integrierter wasserbezogener Landschaftsansätze.

Für die Fachsitzung freuen wir uns insbesondere über Beiträge in drei Themenfeldern:

  • Erfassung und Bewertung: Wie können wasserhaushaltsbezogene Funktionen auf Landschaftsebene differenziert erfasst und bewertet werden, und welche Indikatoren eignen sich zur belastbaren Quantifizierung ihres Klimaanpassungsbeitrags?
  • Planung und Integration: Wie lassen sich integrative räumliche Konzepte entwickeln, die naturbasierte Maßnahmen kohärent kombinieren?
  • Implementierung und Governance: Welche institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflussen die Umsetzung und welche Governance-Ansätze überwinden Implementierungshemmnisse?

Ausgerichtet wird die Fachsitzung in Kooperation der EU Projekte SpongeScapes, SpongeBoost und SpongeWorks, in Kooperation mit dem Netzwerk Schwammlandschaften.

Abstracts können bis zum 30.06.2026 eingereicht werden.

Informationen zur Konferenz, zur Fachsitzung und zur Anmeldung von Beiträgen finden Sie auf dem IALE-D-Konferenzportal: https://www.iale.de/tagungen/iale-2026/fachsitzungen/#session2

15.–16. Oktober 2026 viSiOONWALD-Transfer 2026 „Kann man den Klimawandel wegpflanzen? – Das Bodenmikrobiom und seine Bedeutung für die Waldentwicklung“

viSiOONWALD-Transfer 2026 – Kann man den Klimawandel wegpflanzen? Das Bodenmikrobiom und seine Bedeutung für die Waldentwicklung

15.–16. Oktober 2026 | Walderlebniszentrum Soonwald, Schöneberg (Hunsrück)

Teilnahmegebühr: 80 € inkl. Rahmenprogramm
Übernachtung im Walderlebniszentrum: 51 €

Anmeldung:
https://www.ticket-regional.de/events_info.php?eventID=252094&style=wez-soonwald

Der Aufbau klimastabiler Wälder ist eine zentrale Aufgabe des Waldmanagements. Ein Faktor, der dabei bislang häufig nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist das Bodenleben – obwohl Mikroorganismen, Pilze und Mykorrhiza-Netzwerke entscheidend für Wachstum, Vitalität und Resilienz von Wäldern sind.

Im Mittelpunkt der zweiten viSiOONWALD-Transfer-Veranstaltung steht daher der Boden als Grundlage des Ökosystems Wald. Fachleute aus Forschung und Praxis beleuchten die Bedeutung des Bodenmikrobioms für Waldentwicklung, Kohlenstoffspeicherung, Wasserhaushalt und Ökosystemleistungen. Außerdem diskutieren wir, wie dieses Wissen stärker in die waldbauliche Planung und Praxis integriert werden kann und welchen Beitrag neue Technologien zur Entwicklung degradierter Böden leisten können.

Veranstaltungspartner: Kompetenzzentrum Kulturlandschaft der Hochschule Geisenheim, Landesforsten Rheinland-Pfalz, Regionalbündnis Soonwald-Nahe, Naturpark Soonwald-Nahe und von Nell’sche Forstverwaltung eGbR.

23.–25. Oktober 2026 Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland“ - Schwerpunkt: Offenland

Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland“

Das praxisorientierte Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland – Von der Theorie zur nachhaltigen Landschaftsentwicklung“ widmet sich konkreten Ansätzen für einen verbesserten Wasserrückhalt in der Landschaft und deren Umsetzung in der Praxis.

Das Programm steht nun fest und gliedert sich in zwei Veranstaltungen:

23.–25. Oktober 2026 | Walderlebniszentrum Soonwald, Schöneberg (Hunsrück)
Schwerpunkt: Offenland

30.–31. Oktober 2026 | Waldbildungszentrum Hachenburg
Schwerpunkt: Wald

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen und Anmeldung:
https://regionalbuero-nk.rlp.de/veranstaltungen

Im Walderlebniszentrum Soonwald sind Übernachtungen für 51 € pro Nacht möglich.

Veranstalter: Regionalbüro für Natürlichen Klimaschutz Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner: Kompetenzzentrum Kulturlandschaft der Hochschule Geisenheim, Landesforsten Rheinland-Pfalz

Fördermittelgeber: Kompetenzzentrum für Natürlichen Klimaschutz (KNK)

30.–31. Oktober 2026 Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland“ - Schwerpunkt: Wald

Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland“

Das praxisorientierte Bildungsprogramm „Naturbasierter Wasserrückhalt in Wald & Offenland – Von der Theorie zur nachhaltigen Landschaftsentwicklung“ widmet sich konkreten Ansätzen für einen verbesserten Wasserrückhalt in der Landschaft und deren Umsetzung in der Praxis.

Das Programm steht nun fest und gliedert sich in zwei Veranstaltungen:

23.–25. Oktober 2026 | Walderlebniszentrum Soonwald, Schöneberg (Hunsrück)
Schwerpunkt: Offenland

30.–31. Oktober 2026 | Waldbildungszentrum Hachenburg
Schwerpunkt: Wald

Die Teilnahme ist kostenfrei.

Weitere Informationen und Anmeldung:
https://regionalbuero-nk.rlp.de/veranstaltungen

Im Walderlebniszentrum Soonwald sind Übernachtungen für 51 € pro Nacht möglich.

Veranstalter: Regionalbüro für Natürlichen Klimaschutz Rheinland-Pfalz

Kooperationspartner: Kompetenzzentrum Kulturlandschaft der Hochschule Geisenheim, Landesforsten Rheinland-Pfalz

Fördermittelgeber: Kompetenzzentrum für Natürlichen Klimaschutz (KNK)

Veranstaltungen des KULT an der Hochschule

Geisenheimer Wissenschaftler an internationaler Forschungskampagne 2022 in Island beteiligt

Gruppenfoto des Teams. (v.r.n.l.): Ragnhildur Þ. Magnúsdóttir, Iris Hansen, Gisli Mar Gislason, Peter Chifflard, Martin Reiss. Foto: Peter Chifflard (Selfie)

Ökologische Auswirkungen der klimabedingten Eisschmelze in von Gletschern gespeisten arktischen Fließgewässern

Die weltweite Gletscherschmelze hat in den letzten Jahren an Tempo aufgenommen. Zwischen den Jahren 2000 bis 2019 verloren die Gletscher eine Masse von 267 ± 16 Gigatonnen pro Jahr, was 21 ± 3 Prozent des beobachteten Meeresspiegelanstiegs entspricht.

Das Volumen der isländischen Gletscher (im Jahr 2019) entspricht etwa 9 mm des potenziellen globalen Meeresspiegelanstiegs. Es ist zu erwarten, dass mit der klimabedingten Gletscherschmelze die Wassertemperatur zunimmt, sich die Gerinnestabilität dynamisiert und der hydrochemische Stoffhaushalt sich verändert. Es ist damit zu rechnen, dass vor allem mehr gelöster Kohlenstoff zur Verfügung steht. Somit verändern sich die Lebensbedingungen für Organismen und damit die Biodiversität solcher Fließgewässer-Ökosysteme. Doch wie genau diese Veränderungen für isländische gletschergespeisten Fließgewässer genau aussehen, ist weitestgehend unbekannt. Denn vergleichende Untersuchungen an gletschergespeisten Flüssen in arktischen Regionen fehlen weitgehend. Der Geisenheimer Wissenschaftler Dr. Martin Reiss konnte im Rahmen des europaweiten Forschungsprojekts „Arctic & Alpine Stream Ecosystem Research“ (AASER25) auf Einladung teilnehmen. Das Forschungsnetzwerk AASER (Uni Leeds, Uni Birmingham, Norwegian Institute for Water Research, Science Museum Trento, Uni Genf, Uni Iceland, Reykjavik) hat vor 26 Jahren (1996-1999) eine Grundlage geschaffen, um zu verstehen, wie Gletscher die biologische Vielfalt, Hydrologie, Geomorphologie und Wasserqualität von Flüssen in acht europäischen Bergregionen beeinflussen. Nun wurden vom 20.09.-23.09.2022 in einer weiteren Forschungskampagne im isländischen Flussgebiet Vestari-Jökulsá umfangreiche Untersuchen zur biologischen Vielfalt, Hydrologie, Geomorphologie und Wasserqualität vorgenommen. Das Forschungsteam bestand aus den Teilnehmenden Prof. em. Dr. Gíslason (University of Iceland, Reykjavik), Ragnhildur Þ. Magnúsdóttir und Iris Hansen (Marine and Freshwater Research Institute, Reykjavik) sowie Prof. Dr. Chifflard (Universität Marburg) und Dr. Martin Reiss (HGU). Beim Vestari-Jökulsá handelt es sich um ein arktisches, gletschergespeistes Fließgewässer, welches vom Auslassgletscher Sátujökull den Plateaugletscher Hofsjökull im zentralen Hochland nach Norden entwässert. Entlang des Flusses wurden vom aktuellen Gletschertor bis in das Tiefland Probenstellen angefahren und untersucht. Dies geschieht, um die Auswirkungen des Gletscherschwunds auf die flussabwärts gelegenen Ökosysteme zu dokumentieren, politische Entscheidungsträger und Naturschutzgruppen zu informieren und einen Beitrag zu künftigen IPCC- und IPBES-Berichten zu leisten. Zudem konnte Dr. Martin Reiss für ein gemeinsam mit der Uni Marburg gestartetes und von der DFG gefördertes Projekt  (siehe: https://hs-gm.hessenfis.de/converis/portal/detail/Project/12116033) in die Vorplanung vor Ort gehen und die Zusammenarbeit mit dem Marine and Freshwater Research Institute und der University of Iceland in Reykjavik organisieren.

Kontakt:

Dr. Martin Reiss
Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz
Kompetenzzentrum Kulturlandschaft

Tel.: 06722 502 654

Literatur:
Aðalgeirsdóttir, G., Magnússon, E., Pálsson, F., Thorsteinsson, T., Belart, J. M., Jóhannesson, T.et al. (2020): Glacier changes in Iceland from∼ 1890 to 2019. Frontiers in Earth Science, 8, 523646. https://doi.org/10.3389/feart.2020.523646
Chifflard, P., Fasching, C., Reiss, M., Ditzel, L., Boodoo, K. S. (2019): Dissolved and particulate organic carbon in icelandic proglacial streams: a first estimate. Water, 11(4), 748. https://doi.org/10.3390/w11040748
Hugonnet, R., McNabb, R., Berthier, E. et al. (2021): Accelerated global glacier mass loss in the early twenty-first century. Nature 592, 726–731. https://doi.org/10.1038/s41586-021-03436-z

Kategorien: FORSCHUNG, Landschaftsplanung und Naturschutz

Bilderreihe

Abflussmessung im Vestari-Jökulsá. Foto: Peter Chifflard
Am Gletschertor des Sátujökull (Hofsjökull). Foto: Martin Reiss