Seit April 2023 ist die Hochschule Geisenheim offiziell als “Fairtrade University” ausgezeichnet – ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zu einer ganzheitlich nachhaltigen Hochschule. Mit dem Titel bekennt sich die Hochschule sichtbar zur Förderung von sozial gerechtem Konsum und unterstützt aktiv den fairen Handel. Die Zertifizierung wurde in der Nachhaltigkeitsstrategie der Hochschule festgeschrieben und belegt das Engagement für fairen Handel und die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen.
Die Auszeichnung unterstreicht das Profil der Hochschule Geisenheim als forschungsstarke Institution entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Lebensmitteln und Getränken. Produkte wie Kaffee, Kakao oder Baumwolle – typische Fairtrade-Produkte – stehen dabei exemplarisch für globale Zusammenhänge, die auch in Forschung, Lehre und Transfer der Hochschule thematisiert werden.
Im Rahmen ihrer strategischen Nachhaltigkeitsziele integriert die Hochschule fair gehandelte Produkte in den Alltag auf dem Campus, z. B. durch nachhaltige Beschaffung, Bildungsaktivitäten oder Kooperationen mit regionalen Initiativen wie der Steuerungsgruppe des Fairen Rheingau-Taunus-Kreises.
Die Fairtrade-Zertifizierung ist kein Selbstzweck, sondern der Startpunkt für eine breite, partizipative Nachhaltigkeitskultur an der Hochschule. Sie schafft neue Räume für Austausch, Wissenstransfer und verantwortungsvolle Entscheidungen – getragen von Studierenden, Mitarbeitenden und Lehrenden.
Um als Fairtrade University zertifiziert zu werden müssen einige Kriterien erfüllt werden:
Medien und Öffentlichkeitsarbeit: Mindestens zwei Mal im Semester finden Veranstaltungen zur Bewusstseinsbildung am Campus statt. Das können zum Beispiel Workshops oder thematische Filme- oder Spieleabende sein.
Die Kampagne Fairtrade-Universities wurde als Projekt Nachhaltigkeit 2019 durch die Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) ausgezeichnet. Fairtrade-Universities fördern das Bewusstsein und das Engagement von Hochschulakteur:innen für fairen Handel – verbunden mit der Umsetzung konkreter Projekte auf dem Campus. Die Kampagne bietet Hochschulen und Universitäten:
(Quelle: www.fairtrade-universities.de)
Wer sich mit dem Thema Fairer Handel auseinandersetzt, sollte darauf achten, wie die Anbieter fairen Handel wirklich definieren. Dieser umfasst nämlich weit mehr Aspekte als rein finanzielle. Die World Fair Trade Organisation (WFTO) hat 10 Grundsätze fairen Handels definiert:
Im Gegensatz zu „bio“ ist der Begriff „fair“ rechtlich nicht geschützt. Jedes Unternehmen kann ihn nach eigenen Vorstellungen in seiner Kommunikation verwenden; in der Regel geht mit der Nutzung aber die Einhaltung verschiedener sozialer und ökologischer Mindesstandards in Produktion und Vermarktung einher. Es gibt jedoch anerkannte Siegel und Zeichen, die nach den international definierten Fair-Handels-Prinzipien arbeiten.
Und ist das Produkt mit diesen Labels auch wirklich zu 100 Prozent fair? Anerkannte Siegel agieren nach der „All that can be fair must be fair“-Regel. Besteht ein Produkt nur aus einem Rohstoff, muss dieser immer zu 100 Prozent fair gehandelt sein. Lebensmittel wie Schokolade oder Kekse sind aber Mischprodukte, da sieht es schon anders aus. Da nicht alle Zutaten über den Fairen Handel verfügbar sind, gilt bei solchen Produkten: Alle Bestandteile des Produktes, die fair gehandelt erhältlich sind, müssen aus Fairem Handel stammen. So liegt der Anteil der fair gehandelten Bestandteile in der Regel bei über 50 Prozent, teilweise bei 100 Prozent. Nach den Fairtrade-Standards muss dieser allerdings „nur“ mindestens 20 Prozent betragen.
Bei insgesamt rund 1.000 Siegeln und Labels allein auf Lebensmittelverpackungen in Deutschland können Verbraucher:innenschnell den Überblick verlieren. Insbesondere der Begriff „fair“ und dessen Verwendung auf Siegeln, sind nicht klar geregelt. Für Verbraucher:innen ist es deshalb wichtig, die einzelnen Siegel näher unter die Lupe zu nehmen: Gibt es transparente und überprüfbare Kriterien, deren Einhaltung regelmäßig kontrolliert werden? Das Portal LABEL-ONLINE des Vereins Die VERBRAUCHER INITIATIVE e. V. gibt einen Überblick und bietet eine Suchfunktion für Labels an. Auf Label-online werden Labels nach einer einheitlichen Matrix bewertet. Untersucht wird beispielsweise, welchen Anspruch Labels formulieren, wie unabhängig ihre Vergabe ist, welche Kontrollen vorgesehen sind und wie transparent dieser Prozess für Verbraucher:innen ist. Gefördert wird das Portal durch das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.