Breiter Fachdialog und überregionale Vernetzung
Die Resonanz auf die Veranstaltung war groß: Fast 70 Teilnehmende aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem nahen Ausland reisten in den Soonwald, um über die Zukunft der Waldnutzung zu diskutieren. Das Plenum spiegelte dabei die Komplexität des Themas wider – vertreten waren Fachleute unter anderem aus den Bereichen Naturschutz, Tourismus, Forsten und Landschaftsarchitektur. Die verschiedenen dienstlichen Hintergründe, die von Behörden und Planungsbüros über Universitäten und Hochschulen bis hin zu NGOs reichten, ermöglichten einen wertvollen Blick und Dialog über den eigenen Tellerrand hinaus. Genau das ist der Ansatz des KULT: Als Einrichtung der Hochschule Geisenheim bringt es Wissenschaft und Praxis im Bereich Landschaftsentwicklung zusammen, setzt unterschiedliche Akteure miteinander in Dialog und arbeitet gemeinsam mit ihnen an relevanten Herausforderungen der Landschaftsentwicklung – die viSiOONWALD-Reihe ist dabei ein zentrales Format, die zwei Mal im Jahr stattfindet.
Der Wald als Erholungsraum – zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Seit der Coronapandemie hat der Wald als Erholungsraum weiter an Bedeutung gewonnen. Im waldreichsten Bundesland Rheinland-Pfalz interessieren sich 81 % der Menschen für den Wald, 73 % verbinden das Wort „Natur" direkt mit Wald. Der Wald wird heute rege zur Erholung genutzt. Ein zentrales Thema der Tagung war daher das Spannungsfeld zwischen rechtlichem und „psychologischem Eigentum": Viele Menschen entwickeln eine tiefe emotionale Bindung zu „ihrem" Wald – was die Basis vieler Nutzungskonflikte bildet. Gleichzeitig tragen Waldeigentümer die rechtliche Verkehrssicherungspflicht, obwohl das freie Betretungsrecht nach § 14 BWaldG grundsätzlich allen zusteht. Hinzu kommen konkurrierende Interessen von Tourismus, Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutz, die denselben Raum beanspruchen – ein Konfliktpotenzial, das die Tagung aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete.
Von Konflikten zur Verantwortungsgemeinschaft
In Fachvorträgen und interaktiven Thementischen wurden konkrete Lösungsstrategien erarbeitet. Ein Kernaspekt ist der Wandel hin zu einer Verantwortungsgemeinschaft: Waldeigentümer agieren zunehmend als Gastgeber, während Erholungssuchende für einen respektvollen Umgang sensibilisiert werden sollen. Kurzfristig umsetzbare Maßnahmen sind etwa Runde Tische der verschiedenen Nutzergruppen, eine bessere Kommunikation bei forstlichen Baumaßnahmen sowie die Ausweisung von Spielräumen für Kinder in Waldnähe. Mittelfristig wurde ein gemeinsames Wegekataster sowie eine abgestimmte Bildungs- und Kommunikationsstrategie als prioritär identifiziert. Als langfristiges Ziel steht die Schaffung eines „Erholungsförsters" als institutionalisierte Schnittstelle zwischen Forstwirtschaft, Tourismus und Erholungsnutzung im Raum. Auch die digitale Besucherlenkung über Plattformen wie OpenStreetMap wurde als entscheidendes Werkzeug identifiziert, um Besucherströme aktiv auf Qualitätswege zu leiten und sensible Bereiche zu entlasten. Außerdem sollten rechtliche Rahmenbedingungen so weiterentwickelt werden, dass die Verantwortung für die Sicherheit des Waldbesuchs fairer zwischen Eigentümern und Besuchenden verteilt wird.
Praxisdialog und Rahmenprogramm im Soonwald
Die Tagung bot neben den fachlichen Inhalten viel Raum für Vernetzung. Das umfangreiche Rahmenprogramm beinhaltete unter anderem einen geselligen Grillabend im Walderlebniszentrum Soonwald, der durch Live-Musik stimmungsvoll begleitet wurde. Am zweiten Tag wurde der Dialog ins Gelände verlegt: Im Rahmen einer ausgedehnten Wanderexkursion vertieften über 30 Teilnehmende die theoretischen Ansätze direkt in der Praxis. Bei bestem Wetter diskutierten sie im Soonwald über die Herausforderungen der Verkehrssicherungspflicht, innovative Ansätze und die praktische Verbindung von Waldentwicklung und Freizeitgestaltung.
Das Fazit der zwei Tage war eindeutig: Der Weg von „meinem Wald" zu „unserem Wald" gelingt nur durch echten Dialog, gemeinsame Sprache und das gegenseitige Verständnis aller Akteursgruppen – und er beginnt mit konkreten, heute bereits möglichen Schritten.
Über das Kompetenzzentrum Kulturlandschaft (KULT) Das Kompetenzzentrum Kulturlandschaft (KULT) der Hochschule Geisenheim steht für den Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis im Bereich Landschaftsentwicklung. Es bringt unterschiedliche Akteure aus Forschung, Verwaltung, Planung und Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam an den relevanten Herausforderungen der Landschaftsgestaltung zu arbeiten. Die viSiOONWALD-Reihe ist ein Kernelement dieser Arbeit.






