Die Republik Moldau ist für diese exkursionsanalytischen Einblicke prädestiniert, da die ehemalige Sowjetrepublik ihren konsequenten Kurs in Richtung der Europäischen Union massiv beschleunigt und im Fokus der europäischen Sicherheitspolitik steht. Von der Politik und Wirtschaft über die Landnutzung bis hin zur gesamten Infrastruktur müssen sich aktuell sämtliche räumlichen und gesellschaftlichen Kompartimente des Landes unter enormem Anpassungsdruck tiefgreifend und schnell verändern.Bereits die Stadtführung in Chișinău vermittelte einen ersten Eindruck von der Spannungsbreite zwischen postsowjetischem Erbe und gegenwärtigen Modernisierungsprozessen. Im weiteren Verlauf der Exkursion wurde dieser Eindruck durch Gespräche und Besuche beim Deutschen Akademischen Austauschdienst Moldau, der Staatlichen Pädagogischen Universität „Ion Creangă“ , der Konrad-Adenauer-Stiftung Moldau sowie dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft vertieft. Dabei wurde deutlich, wie stark Moldau zwischen europäischen Integrationsbestrebungen, innerstaatlichen Reformen und sicherheitspolitischen sowie strukturellen Herausforderungen navigiert. Besonders hervorzuheben war die Erkenntnis, dass Bildungs- und Verwaltungsreformen eng mit der Frage europäischer Perspektiven verknüpft sind und vielfach als zentrale Transformationsmotoren verstanden werden.
In Chișinău, eine der grünsten Hauptstädte Europas, spielen Parkanlagen eine herausragende Rolle der Stadtentwicklung. Dabei wurden mehrere besucht, insbesondere die bedeutendste, der Parcul Valea Morilor. Dies bot die Gelegenheit, sich mit vergangenen und aktuellen Herausforderungen der städtischen Freiraumentwicklung auseinanderzusetzen und zeigte, welche enormen Anstrengungen gerade in den letzten Jahren zu einer erheblichen Zustandsverbesserung vieler kleiner und großer Parkanlagen nötig waren.
Ein weiterer räumlicher Schwerpunkt lag auf der Autonomen Region Gagausien im Süden Moldaus. Die Begegnungen vor Ort machten deutlich, wie komplex das Verhältnis zwischen regionaler Identität, politischer Autonomie und staatlicher Integration ist. Die Gespräche verdeutlichten, dass regionale Zugehörigkeiten nicht nur kulturell geprägt sind, sondern auch politische Entscheidungsprozesse und Perspektiven auf die nationale Entwicklung maßgeblich beeinflussen.
Ergänzt wurde das Programm durch den Besuch eines Weinguts in Comrat sowie des Geschichtsmuseums von Avdarma. Beide Stationen veranschaulichten die historische Tiefe und kulturelle Vielfalt des Landes. Hier wurde insbesondere sichtbar, welche Bedeutung Traditionen und wirtschaftliche Branchen für die Identitätsbildung und internationale Wahrnehmung Moldaus haben. Außerdem zeigte sich, wie sich die Landnutzenden an fundamental verändernde politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen anpassen können. Dabei fiel auf, welche enorme historische Last noch heute auf dem Land liegt, die weitere Aufarbeitung erfordert.
Neben den inhaltlichen Programmpunkten boten verschiedene Ausflüge, etwa in den Nationalpark Orheiul Vechi oder in die bessarabische Stadt Ceadîr-Lunga Gelegenheit, die landschaftlichen Kontraste des Landes wahrzunehmen. Diese Eindrücke ergänzten die politischen und gesellschaftlichen Beobachtungen um eine wichtige kulturelle und geografische Dimension.
Insgesamt ermöglichte die Exkursion ein vertieftes Verständnis der Republik Moldau als Land im Spannungsfeld zwischen kulturhistorischem Erbe, Transformation, europäischer Orientierung und regionaler Vielfalt. Besonders prägend war die Erkenntnis, dass politische Entwicklungen hier eng mit gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen verbunden sind und sich nur im Zusammenspiel von lokalen und internationalen insbesondere europäischen Perspektiven angemessen verstehen lassen.
Dr. Jörn Schultheiß & Dr. Nora Mehnen












