Rund 60 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet diskutierten im Soonwald die Bedeutung des Bodenmikrobioms für klimaangepasste Wälder. Organisiert wurde die zweitägige Veranstaltung vom Kompetenzzentrum Kulturlandschaft (KULT) der Hochschule Geisenheim University gemeinsam mit Landesforsten Rheinland-Pfalz, dem Naturpark Soonwald-Nahe, dem Regionalbündnis Soonwald-Nahe und der von Nell’schen Forstverwaltung eGbR.
Wie lassen sich Wälder langfristig vital und widerstandsfähig gegenüber dem Klimawandel entwickeln? Welche Rolle spielen Mikroorganismen, Pilze und Mykorrhiza-Netzwerke im Boden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich viSiOONWALD-Transfer 2026 am 15. und 16. Oktober im Walderlebniszentrum Soonwald in Schöneberg. Die inzwischen achte Veranstaltung der Reihe brachte Wissenschaft und Praxis zusammen.
Unter dem Titel „Kann man den Klimawandel wegpflanzen? Das Bodenmikrobiom und seine Bedeutung für die Waldentwicklung“ spannte die Tagung einen weiten fachlichen Bogen: von sozialwissenschaftlichen und philosophischen Perspektiven auf komplexe biologische Systeme über ökologische Grundlagen bis hin zu konkreten Herausforderungen der Forstwirtschaft. Auch Bodenschutzkalkung, Wirtschaftlichkeit, Jagd und die Gesundheit von Böden und Menschen wurden thematisiert.
Die Vorträge verdeutlichten, dass Wälder komplexe, eng vernetzte Lebensgemeinschaften sind, deren Entwicklung sich nicht allein durch einzelne Maßnahmen steuern lässt. Das Bodenmikrobiom beeinflusst Nährstoffkreisläufe, Wasserhaushalt und Pflanzengesundheit und trägt damit wesentlich zur Widerstandsfähigkeit von Waldökosystemen bei. Intensive Landnutzung, Trockenstress und Eingriffe in den Boden können die Vielfalt mikrobieller Lebensgemeinschaften beeinträchtigen. Für eine nachhaltige Förderung des Bodenlebens sind daher standortangepasste Bewirtschaftungsformen und eine langfristige Perspektive entscheidend.
Der vielfältige Teilnehmerkreis aus privaten und staatlichen Forstverwaltungen, Schutzgebietsverwaltungen, Unternehmen, Zertifizierungsorganisationen und Zivilgesellschaft ermöglichte einen Austausch unterschiedlicher Erfahrungen. Neben Fachvorträgen boten Diskussionen und interaktive Thementische Gelegenheit, wissenschaftliche Erkenntnisse mit den Anforderungen der forstlichen Praxis zu verknüpfen.
Am zweiten Veranstaltungstag führte eine Exkursion in die Wälder der von Nell’schen Forstverwaltung nördlich von Seibersbach. Dr. Job von Nell und Andreas Tetzel von der BOSCOR-Gruppe erläuterten vor Ort, wie die Förderung des Bodenmikrobioms in eine nachhaltige, klimaangepasste Waldwirtschaft integriert werden kann. Bei hervorragendem Wetter und weiten Fernsichten wurden die Zusammenhänge zwischen Bodenentwicklung, Standortbedingungen und waldbaulichen Entscheidungen unmittelbar erlebbar.
Auch das Rahmenprogramm mit gemeinsamem Grillen im Walderlebniszentrum am ersten Abend und einem abschließenden Essen im Alten Magazin der Stromberger Neuhütte bot viel Raum für persönliche Gespräche und Vernetzung. Der intensive Austausch wurde von den Teilnehmenden sehr gut angenommen.
viSiOONWALD-Transfer 2026 machte deutlich: Klimaresiliente Wälder brauchen gesunde, lebendige Böden. Ihre Förderung erfordert nicht nur geeignete Maßnahmen, sondern auch ein besseres Verständnis ökologischer Zusammenhänge und einen kontinuierlichen Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis.
Foto: Dr. Jörn Schultheiss



