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Summer School: Ein Reallabor in der Hansestadt Werben für Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen entfaltet sich

Bildquelle: Ole Saß

Die Hochschule Geisenheim University konnte im August 2026 in der Hansestadt Werben an die erfolgreiche Summer School des vorherigen Jahres anschließen.

Dabei nimmt die Zusammenarbeit zwischen dem Studienbereich Landschaftsarchitektur aus Geisenheim in Kooperation mit anderen Hochschulen einen großen Stellenwert ein. Während 2025 mit der ersten Summer School, initiiert und durchgeführt von Prof. Ole Saß mit rund 50 Studierenden der Hochschulen Geisenheim und Erfurt aus unterschiedlichen Fachrichtungen der Fundamentstein gesetzt wurde, konnte nun mit großem Erfolg die 2. Summer School in Werben ausgerichtet werden. Die Leitung oblag Lukas Weber M.Sc., Mitarbeiter im Studienbereich Landschaftsarchitketur der Hochschule Geisenheim University.

  

Vom 17. bis 21. August 2026 kamen rund 40 Studierende der Landschaftsarchitektur der Hochschule Geisenheim, der Innenarchitektur der Hochschule Darmstadt sowie der Architektur und Stadtplanung der Fachhochschule Erfurt in Werben zusammen. Als Arbeitsmittelpunkt stand wieder die Alte Gärtnerei zur Verfügung. Während sich die Summer School 2025 mit Konzepten und einzelnen Entwicklungsbausteinen auf dem Gärtnereigelände befassten und auch 2026 durch die Planungen der Hochschule Darmstadt ergänzen ließen, befassten sich die Studierenden der Landschaftsarchitektur vertieft mit dem Gesamtraum der kleinen Hansestadt an der Elbe. Die Stadt selbst wurden dabei für eine Woche zu einem gemeinsamen Lern-, Forschungs- und Experimentierraum. Die Ergebnisse der unterschiedlichen Disziplinen wurden zum Auftakt des Mitmach-Festivals „Zukunft pflanzen!“ des Vereins Werk und Wiese e.V. öffentlich präsentiert.

„Wo schwingt Werben und wo verstummt die Stadt?“ 

Unter der Leitfrage „Wo schwingt Werben und wo verstummt die Stadt?“ untersuchten die Studierenden der Landschaftsarchitektur in Werben Orte der Begegnung, alltägliche Praktiken und ließen Geschichten der Kleinstadt auf sich wirken. Dabei ging es nicht darum, Werben allein räumlich zu analysieren, sondern den Ort aus der Perspektive seiner Bewohner:innen wahrzunehmen und gemeinsam mit ihnen neue Sichtweisen auf vorhandene Qualitäten, Beziehungen und Potenziale zu entwickeln.

Im Zentrum stand ein explorativer und partizipativer Lehransatz, der klassische räumliche Analyseverfahren mit qualitativen und gestalterischen Methoden verband. Beobachtungen, Kartierungen, Gespräche, Interviews sowie fotografische und audiovisuelle Dokumentationen dienten einerseits der Analyse, andererseits wurden Erkenntnisse in Formate übersetzt, die wiederum Begegnung und Austausch mit Bewohner:innen, Vereinen und weiteren Akteur:innen vor Ort ermöglichten. So wurden sozialräumliche Beziehungen sichtbar gemacht und neue Formen der Kommunikation angestoßen. Obwohl am Ende der Summer School Ergebnisse in Form von Karten, Audiowalks, Filmen oder auch genähten Objekten präsentiert werden konnten, stand der Prozess mit der Begegnung von Menschen vor Ort im Vordergrund der Veranstaltung. Die eingesetzten Kommunikationsmittel haben sich dabei mehr als bestätigt und erwirkten einzigartige Gespräche und besondere Momente zwischen der Werbener Stadtgesellschaft und den Studierenden. Die Arbeiten eröffneten unterschiedliche Innensichten auf Werben und rückten Stimmen, Erinnerungen und alltägliche Erfahrungen in den Mittelpunkt, die in einer klassischen räumlichen Bestandsaufnahme kaum sichtbar würden. Beim anschließenden Mitmach-Festival „Zukunft Pflanzen“ des Vereins Werk und Wiese e.V. wurden die entstandenen Arbeiten und Interventionen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Die Präsentation wurde damit selbst zu einem weiteren Bestandteil des Forschungs- und Lernprozesses und regte zu Gesprächen über die Stadt, ihre Gemeinschaft und ihre zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten an. 

 

Die Summer School zeigte damit, wie ein explorativer und partizipativer Ansatz in der Landschaftsarchitektur Ortsanalyse, soziale Forschung, Gestaltung und Beteiligung miteinander verbinden kann. Im Mittelpunkt stand nicht allein die Entwicklung planerischer Lösungen, sondern ein gemeinsamer Prozess des Wahrnehmens, Verstehens und Sichtbarmachens – mit dem Ziel, neue Resonanzräume zwischen Studierenden, Stadt und Stadtgesellschaft entstehen zu lassen. 

 

Landschaftsarchitektur als soziale und räumliche Praxis

Die Summer School verstand Landschaftsarchitektur nicht nur als Gestaltung physischer Räume, sondern zugleich als Auseinandersetzung mit den sozialen Beziehungen, Wahrnehmungen und alltäglichen Praktiken, die einen Ort prägen. Im Mittelpunkt stand dabei auch die Frage, wie sich dieses Verständnis in der landschaftsarchitektonischen Lehre vermitteln lässt und wie Studierende befähigt werden können, Orte nicht nur räumlich zu analysieren, sondern in ihrer sozialen und gesellschaftlichen Vielschichtigkeit zu begreifen. 

„Wer einen Ort gestalten möchte, muss zunächst lernen, ihn zu verstehen. Dieses Verständnis kann nicht allein durch räumliche Analyse entstehen, sondern erfordert auch die Auseinandersetzung mit den Menschen, ihren Erfahrungen und ihren Beziehungen zum Ort. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis, wie unterschiedlich ein und derselbe Raum wahrgenommen und erlebt werden kann. Diese Sensibilität und Empathiefähigkeit lassen sich nicht am Schreibtisch vermitteln. Sie entwickeln sich durch unmittelbare Begegnungen, durch Zuhören, Beobachten und die Bereitschaft, eigene Sichtweisen zu hinterfragen. Genau darin liegt für mich ein wesentlicher Bildungsauftrag der landschaftsarchitektonischen Lehre.“
Lukas Weber, M.Sc. 

Gerade darin zeigte sich die besondere didaktische Qualität des Reallabors: Der Ort selbst wurde zum Lernraum, die Begegnung mit seinen Bewohner:innen zum Ausgangspunkt eines explorativen und reflexiven Lernprozesses. Durch unmittelbare Gespräche mit lokalen Akteur:innen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten veränderte sich auch der Blick der Studierenden auf den Ort. Aus einer zunächst räumlichen Betrachtung entwickelte sich zunehmend ein sozialräumliches Verständnis, in dem nicht mehr nur Gebäude, Freiflächen und Nutzungen betrachtet wurden, sondern ebenso Beziehungen, Erinnerungen, Konflikte, Bedürfnisse und Formen des Zusammenlebens. 

Die Summer School eröffnete damit einen Lehr- und Lernansatz, der fachliche Raumanalyse mit partizipativen Methoden, persönlicher Erfahrung und kritischer Reflexion verbindet. Ziel war es den Weg der Erkenntnisgewinnung als wesentlichen Bestandteil landschaftsarchitektonischer Bildung erfahrbar zu machen. 

Die Alte Gärtnerei als Drehscheibe des Austauschs und Lernens 

Mit der Summer School hat sich bestätigt, was sich bereits 2025 angekündigt hat: Der intensive Austausch zwischen Studierenden unterschiedlicher Hochschulen und Fachbereiche an einem Ort außerhalb der zentralen Campi setzt wichtige Impulse innerhalb des Studiums. Der dichte Austausch mit den Dozierenden ist wertvoll, die Themen sind vielfältig, neue Kulissen regen die Kreativität an, die Umgebung der Gärtnerei und der Elblandschaft als Biosphärenreservat sind der ideale Austragungsort sowie Ausgangspunkt für Fachexkursionen. Und auch das gemeinsame Feiern steht für den Erfolg des Formats – und für den offen Zugang zur Stadt Werben und den Menschen vor Ort.  

 

Damit wird Werben für die Studierenden nicht nur zum Ort einer planerischen Aufgabe, sondern zu einem Gegenüber. Die Fähigkeit, einem Ort und seinen Menschen mit Aufmerksamkeit, Offenheit und Empathie zu begegnen, ist dabei vielleicht eines der wichtigsten Ergebnisse der Summer School. Aus diesem Verständnis kann eine Landschaftsarchitektur entstehen, die nicht nur Räume verändert, sondern die Menschen und ihre Beziehungen zu diesen Räumen ernst nimmt. 

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Bilderreihe

Bildquelle: Ole Saß
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