Projekte des Instituts für Landschaftsplanung und Naturschutz

Ausgewählte Projekte

Die Forschungsprojekte des Instituts für Landschaftsplanung und Naturschutz untersuchen ökologische, planerische und gesellschaftliche Aspekte der Entwicklung von Kulturlandschaften. Schwerpunkte liegen auf Biodiversität, nachhaltiger Landnutzung, Klimaanpassung und der Weiterentwicklung planerischer Instrumente.

Themenfelder

  • Biodiversität und Ökosystemleistungen
  • Landschaftsökologie und Landnutzungssysteme
  • Wasserretention und Klimaanpassung
  • Governance von Naturschutzmaßnahmen

Methoden

  • räumliche Modellierung
  • ökologische Feldforschung
  • partizipative Governance-Analysen
  • sozial-ökologische Systemanalyse

Praxisbezug

  • Handlungsempfehlungen für Politik und Planung
  • Unterstützung regionaler Akteur:innen
  • Entwicklung praxisnaher Instrumente
  • Wissenstransfer in Land- und Forstwirtschaft

Biodiversität & Ökosystemleistungen

Intakte Kulturlandschaften sind Hotspots der Biodiversität und liefern essenzielle Ökosystemleistungen wie CO₂-Speicherung oder Hochwasserschutz. 

Das KULT engagiert sich für den Schutz artenreicher Lebensräume, z. B. durch Forschungsprojekte zu extensiven Weidesystemen und Trockenstandorten. Veranstaltungen wie „Offene Trockenstandorte: Hotspots der Biodiversität erhalten“ verknüpfen Forschung und Praxis, um Strategien zur Landschaftspflege zu entwickeln. Die Vernetzung von Akteur*innen ist zentral, um Naturschutz und nachhaltige Nutzung in Einklang zu bringen.

AMBITO

Entwicklung und Anwendung eines modularen Biodiversitäts-Toolkits für den Weinbau in Deutschland

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

AmBiTo ist ein Projekt zur Entwicklung und Anwendung eines modularen Biodiversitäts-Toolkits für den Weinbau in Deutschland. Ziel von AmBiTo ist die Umsetzung und langfristige Anwendung von biodiversitätsfördernden Maßnahmen im Weinbau.
Durch die direkte Beteilung von 34 Modellbetrieben und mehr als 50Partnerbetrieben wird sichergestellt, dass praxisnahe und anwendungsfreundliche Lösungen entstehen.

Biodiversität muss sich auch wirtschaftlich lohnen: Für eine nachhaltige Entwicklung der Weinbaubetriebe ist neben der ökologischen gleichrangig auch die soziale und die wirtschaftliche Perspektive entscheidend. Die sozioökonomische Begleitforschung analysiert daher die Tragfähigkeit und Effizienz von Biodiversitätsmaßnahmen aus Sicht der Betriebe. Erarbeitet werden zugleich die Grundlagen, um die Agrar- und Naturschutzförderung spezifisch für Weinbaubetriebe zu verbessern. Zugleich werden weitere Finanzierungsoptionen entwickelt.

PlaCES

Improving landscape Planning and design with Cultural Ecosystem Services in HEIs

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Das Erasmus+-Projekt PlaCES (11/2024–10/2027) verfolgt das Ziel, die Integration von kulturellen Ökosystemleistungen (KÖSL / Cultural Ecosystem Services, CES) systematisch in die Hochschullehre zu verankern. Kulturelle Ökosystemleistungen – etwa Erholung, Identität, ästhetische Wahrnehmung oder Bildung – spielen eine zentrale Rolle in der nachhaltigen Landschaftsplanung und -gestaltung, sind jedoch bislang in vielen Curricula nur unzureichend berücksichtigt.
Im Rahmen von PlaCES werden offene Lern- und Lehrmaterialien entwickelt, die Hochschulen dabei unterstützen, kulturelle Ökosystemleistungen praxisnah in Studiengänge der Landschaftsplanung, Umweltwissenschaften und verwandter Disziplinen zu integrieren.
Der Fokus liegt dabei auf urbanen Flusslandschaften als komplexen Mensch-Natur-Systemen. Sie dienen als Modellräume, um ökologische, soziale und kulturelle Dimensionen integrativ zu analysieren und innovative Planungsansätze zu erproben.

Landschaftsökologie und Landnutzungssysteme

AGRECO4CAST

Das EU-Projekt AGRECO4CAST (2025–2028) entwickelt mit Partnern aus Dänemark, Spanien, Italien und Deutschland einen Werkzeugkasten zur Unterstützung der agrarökologischen Transformation in Dauerkulturen des Obst-, Wein- und Olivenbaus. Es untersucht und bewertet ökologische als auch sozioökonomische Aspekte und formuliert Empfehlungen unter Einbezug der Praxis sowie künftiger klimatischer und gesellschaftlicher Szenarien. Dafür nutzt das Projekt modellbasierte Ansätze, aktive Stakeholder-Beteiligung und KI-gestützte Kommunikation.

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Das EU-Projekt AGRECO4CAST (2025-2028) entwickelt mit Partnern aus Dänemark, Spanien, Italien und Deutschland einen Werkzeugkasten, der die agrarökologische Transformation in Dauerkulturen des Obst-, Wein- und Olivenbaus in Europa unterstützt. Dabei werden ökologisch und sozio-ökonomische Aspekte der agrarökologischen Transformation untersucht, bewertet und Empfehlungen unter Berücksichtigung der Praxis und künftiger klimatischer und gesellschaftlicher Szenarien ausgesprochen. Dabei nutzt das Projekt modellbasierten Ansätze, aktive Stakeholder-Beteiligung und KI-gestützte Kommunikation.

Kontakt
David Eisenhauer
David Eisenhauer
Mira Franziska Foerster
Mira Franziska Foerster, M.Sc.

Rheingauer Wasser- und Bodenverband

Die Gründung eines Rheingauer Wasser- und Bodenverbands (RWB) hat das Ziel, die Einzelprojekte zum Wasserrückhalt, zur Bewässerung und Anfragen auf Wasserrechte zu bündeln und rheingauweit den Wasserbedarf langfristig und zukunftsorientiert über die Gemarkungsgrenzen hinaus zu decken.

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Die durch den Klimawandel bedingten Häufungen von extremen ungewöhnlichen Wetterereignissen, wie beispielsweise zunehmende Dürreperioden oder Starkregenereignisse, stellen den zukünftigen Weinbau ebenso wie das Management aller Landnutzungen zusätzlich vor große Herausforderungen. Diese Situation wirkt sich negativ auf die Rebengesundheit und die Landschaftsfunktion aus. Hiervon ist auch das Weinanbaugebiet Rheingau in Südhessen betroffen. Um gerade im Weinbau die Landnutzungen aufrecht zu erhalten, muss verstärkt Niederschlagswasser in Boden und Gewässern zurückgehalten und müssen insbesondere Junganlagen bewässert werden.

Die Gründung eines Rheingauer Wasser- und Bodenverbands hat das Ziel, die Einzelprojekte zum Wasserrückhalt, zur Bewässerung und Anfragen auf Wasserrechte zu bündeln und rheingauweit den Wasserbedarf langfristig und zukunftsorientiert über die Gemarkungsgrenzen hinaus zu decken. Während fachliche Konzepte nach aktuellem Stand des Wissens vorliegen, mangelt es an einer Kooperationsstruktur, welche – idealerweise als Körperschaft öffentlichen Rechts organisiert – die vorliegenden Konzepte und allgemein, nicht flächenscharf formulierten Vorschläge zur Klimaanpassung in großem Maßstab umsetzt.

Die Aufgaben eines Wasser- und Bodenverbandes umfassen:

  • Beratung und Unterstützung,
  • Überwachung und Kontrolle,
  • Förderung von Maßnahmen sowie
  • Öffentlichkeitsarbeit.

Wasserretention und Klimaanpassung

Der Klimawandel verändert unsere Landschaften tiefgreifend. Extremwetterereignisse wie Dürren oder Starkregen setzen Ökosysteme unter Druck. Wir entwickelt und vermittelt Strategien zur Klimaanpassung in der Kulturlandschaft – von wassersensiblen Landnutzungskonzepten bis hin zur klimaresilienten Waldbewirtschaftung.

Schwammregion Soonwald-Nahe

Der Naturpark Soonwald-Nahe ist zunehmend von Starkregen, Überschwemmungen und Trockenphasen betroffen. Ursachen sind der Klimawandel und ein geringes Wasserrückhaltevermögen der Landschaft. Das Projekt Schwammregion Soonwald-Nahe stärkt den Wissenstransfer und bringt Akteurinnen und Akteure aus Land-, Forst- und Weinbau zusammen. Gemeinsam werden Maßnahmen entwickelt, die Wasser länger in der Landschaft halten und den Wasserrückhalt verbessern.

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Mit dem Projekt „Schwammregion Soonwald-Nahe“ engagiert sich die Hochschule Geisenheim University für eine klimaresiliente Entwicklung der Kulturlandschaft zwischen Hunsrück und Nahetal. Gemeinsam mit dem Naturpark Soonwald-Nahe und dem Regionalbündnis Soonwald-Nahe entsteht ein Netzwerk, das Akteurinnen und Akteure aus Land- und Forstwirtschaft, Kommunen, Verwaltung und Wissenschaft verbindet.

Im Mittelpunkt steht, den Wasserrückhalt in der Fläche zu erhöhen – mit dem Fokus auf naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions), die die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber Starkregen und Trockenperioden machen.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Vorhaben läuft bis Ende 2026. Es reagiert auf zunehmende klimabedingte Extremereignisse und setzt auf intensiven Wissenstransfer zwischen Praxis und Forschung: Wie lässt sich Wasser in der Fläche halten, statt es schnell abzuleiten? Welche Maßnahmen wirken auch über Nutzungs- und Verwaltungsgrenzen hinweg? In den Arbeitsgruppen der Land- und Forstwirtschaft werden praktische Erfahrungen ausgetauscht und neue Lösungswege entwickelt. Dazu zählen Retentionsmulden, Agroforstsysteme, Grabenverschlüsse und angepasste Bewirtschaftung – naturbasierte Maßnahmen, die auf die Prozesse der Landschaft setzen, statt auf technische Großlösungen. Die Erfahrungen zeigen: Viele kleine Maßnahmen können gemeinsam große Wirkung entfalten.

Kontakt
Jenny Eckes
Jenny Eckes, M.Sc.
Gebäude 7100
Raum 01.03
Tel. +49 6722 502 6592
Jenny.Eckes(at)hs-gm.de Details

KARL

Die Kommunen Eltville am Rhein, Kiedrich, Oestrich-Winkel, Schlangenbad und Walluf erarbeiten ein Integriertes Klimaanpassungskonzept. Dessen Prozess wird wissenschaftlich begleitet. 

Governance von Naturschutzmaßnahmen

NEFO

NeFo informiert und vernetzt zu zentralen Prozessen in der internationalen, europäischen und deutschen Biodiversitätspolitik. Wir bereiten Wissen zu aktuellen Biodiversitätsthemen auf. So soll es Interessierten erleichtert werden, mit Themen wie der Wiederherstellung der Natur (Nature Restoration) und CBD (Convention on Biological Diversity) in Verbindung stehende Prozesse auf globaler, europäischer und nationaler Ebene zu verfolgen und an ihnen teilzuhaben (Was wir wollen). Das Herzstück unserer Kommunikation ist unser NeFo-Newsletters , in dem wir jeweils einen thematischen Schwerpunkt präsentieren.

Darüber hinaus liefert NeFo Hintergrundinformationen und aktuelle Biodiv News. In der Vergangenheit fanden ergänzend eine Reihe von Veranstaltungen u.a. kurze Online-Fachgespräche mit unterschiedlichem Themenfokus statt (Was wir machen).

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Zunehmende Extremwetterereignisse, die weltweite Klimakrise und das fortschreitende Artensterben machen deutlich, wie verletzlich unsere natürlichen Lebensgrundlagen sind. Die biologische Vielfalt ist die Basis für Ernährungssicherheit, sauberes Wasser, fruchtbare Böden, den Schutz vor Naturkatastrophen - insbesondere auch für die Wahrung der menschlichen Gesundheit und unser Wohlbefinden. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Biodiversitätskrise im öffentlichen Diskurs hinter anderen globalen Herausforderungen wie Energie- und Ressourcenfragen oder geopolitischen Spannungen zurücktritt. Umso wichtiger ist es, den Wert der biologischen Vielfalt sichtbar zu machen, ihren Schutz konsequent zu fördern und ihre Bedeutung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer wieder zu kommunizieren. Vor diesem Hintergrund gehen wir den Fragen nach:
Wie kann die Wiederherstellung der Natur gelingen?
Wie kann die Umsetzung zum Erfolg für die biologische Vielfalt werden?

NeFo begleitet zentrale Prozesse der internationalen, europäischen und deutschen Biodiversitätspolitik, indem wir Wissen zu aktuellen Themen aufbereiten und Akteure miteinander vernetzen. Unser Ziel ist es, Interessierten den Zugang zu komplexen politischen und wissenschaftlichen Entwicklungen zu erleichtern – etwa zu Fragen der Wiederherstellung der Natur oder zur Umsetzung des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD). So schaffen wir Transparenz und fördern die Möglichkeit, diese Prozesse auf globaler, europäischer und nationaler Ebene nachzuvollziehen und aktiv mitzugestalten. Mit Hilfe gezielter Öffentlichkeitsarbeit wollen wir wissenschaftliche, politische und gesellschaftliche Akteure in Deutschland ansprechen und informieren.  

Kontakt
Marianne Darbi
Prof. Dr. Marianne Darbi
Gebäude 7100
Raum 00.02
Tel. +49 6722 502 651
Marianne.Darbi(at)hs-gm.de Details

Ausgleichsflächen im Wandel

Autobahnen- und Schnellstraßenvorhaben führen regelmäßig zu Eingriffen in Natur und Landschaft. Um diese Eingriffe zu kompensieren müssen Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt werden. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die durch die Vorhaben verursachten erheblichen Beeinträchtigungen der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes auszugleichen.

In keinem der drei am Projekt beteiligten Länder (Deutschland, Österreich, Schweiz) gibt es aber ein einheitliches Vorgehen in der Planung, Sicherung, Pflege und Kontrolle von Ausgleichsflächen, wodurch die langfristige Sicherung der Maßnahmen oft nicht gegeben ist. Kontrollen und Erfolgsevaluierungen werden nicht einheitlich durchgeführt. Diese Umstände gestalten die Umsetzung von Kompensationsregelungen und -maßnahmen in der Praxis sehr komplex. Das Fehlen von allgemein gültigen Standards und Leitlinien für Ausgleichsmaßnahmen führt schließlich auch zu einer mangelnden Konsequenz in der Umsetzung, um einen langfristigen Ausgleich garantieren zu können.

Kurzbeschreibung & Forschungsfragen

Das zentrale Projektziel liegt darin, Vorschläge zu erarbeiten, wie die Planung, Sicherung, Pflege und Kontrolle von Ausgleichsflächen bei Verkehrsinfrastrukturprojekten unter Berücksichtigung von Veränderungen in der Landschaft und des Klimas in Zukunft verbessert werden können. Dazu soll das weite Feld der Ausgleichsmaßnahmen in einer länderübergreifenden Darstellung zusammenfassend analysiert und mit Handlungs- und Umsetzungsempfehlungen versehen werden. Die Dokumentation von Praxisbeispielen ist darauf ausgerichtet, Hinweise darauf geben, inwieweit bisherige Vorgehensweisen zu erfolgreicher und nachhaltiger Kompensation geführt haben.
Kern des IÖR-Beitrags besteht neben der Analyse der deutschen rechtlichen Grundlagen zur Eingriffsregelung im Straßenbau in einer rechtsvergleichenden Betrachtung des Rechtsrahmens in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hieraus sollen Anregungen für die Weiterentwicklung der gesetzlichen Grundlagen zur Eingriffsregelung und deren Vollzug gewonnen werden.

Kontakt
Marianne Darbi
Prof. Dr. Marianne Darbi
Gebäude 7100
Raum 00.02
Tel. +49 6722 502 651
Marianne.Darbi(at)hs-gm.de Details

In-situ-Erhaltung von Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft mittels Schirmarten (IsWEL)

Echter Sellerie (Apium graveolens) (© Maria Boenisch, JKI)

Im Fokus des Projekts stehen Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL), d.h. wildwachsende Verwandte der Kulturpflanzen und potenziell für Ernährung und Landwirtschaft nutzbare Pflanzenarten. Sie sind häufig nicht Zielarten von Erhaltungsmaßnahmen. Für den Ausbau des Netzwerks Genetischer Erhaltungsgebiete Deutschland werden wir Schirmarten für WEL identifizieren, WEL-Hotspots für die Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete (GenEG) benennen und GenEG in Modellregionen einrichten. Mit der Fokussierung auf WEL-Hotspots und dem Schirmartenansatz, bei dem mehrere Arten vom Management für einige wenige Arten profitieren, zielt das Projekt darauf ab, möglichst viele WEL und deren innerartliche Vielfalt unter Aufwendung möglichst weniger Ressourcen zu bewahren.

 

IsWEL

Das Projekt IsWEL
Arnica montana (© JKI)

Ein GenEG ist definiert als eine Fläche, die für aktive und dauerhafte Erhaltungsmaßnahmen ausgewiesen wird und auf der Management und Monitoring der genetischen Vielfalt natürlich vorkommender Wildpflanzen-Populationen erfolgen. Die aktive Erhal­tung soll dabei prioritär für WEL-Arten mit wirtschaftlicher Relevanz stattfinden. Eine vorläufige Liste prioritärer Arten (134 Taxa) hat der Beratungs- und Koordinierungsausschuss für genetische Ressourcen landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Kulturpflanzen (BEKO) im Jahr 2019 verabschiedet. Die GenEG-Erhaltungstechnik wurde in mehreren Projekten (Wildsellerie, Wildapfel, Wildrebe, Grünland) erprobt, die stets von einem engen Artenspektrum oder ähnlichen Biotoptypen ausgingen. Im Gegensatz zu diesen Projekten liegt der Schwerpunkt nun auf WEL-Hotspots in verschiedenen Biotoptypen. Damit hat das Projekt einen breiteren und grundlegend neuen Ansatz. Da die langfristige Finanzierung von GenEG noch nicht gesichert ist, werden Empfehlungen für die strukturelle Finanzierung erarbeitet.

Zielarten: Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft (WEL), insbesondere die, welche entsprechend des BEKO als bedeutende Ressource für die Pflanzenzüchtung prioritär zu erhalten sind

Projektziele: Effiziente Erhaltung und erleichterter Zugang zu pflanzengenetischen Ressourcen durch

  • Systematische Identifikation von WEL-Arten-Hotspots in verschiedenen Biotoptypen
  • Erprobung und Umsetzung des Schirmarten-Ansatzes in den WEL-Arten-Hotspots
  • Charakterisierung von ausgewählten WEL-Arten-Hotspots und Evaluierung des Managements
  • Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete an den ausgewählten WEL-Arten-Hotspots
  • Einlagerung von WEL-Saatgutproben in der Genbank WEL (mehr Informationen zur Genbank unter https://www.genbank-wel.uni-osnabrueck.de)
  • Empfehlungen zur strukturellen Finanzierung zur In-situ-Erhaltung von WEL

Vorgehensweise:

Zuerst werden wir Fundortangaben zu WEL-Arten in Deutschland sammeln, eine Inventarliste erstellen und WEL-Arten-Hotspots identifizieren. Für WEL-Arten in den Hotspots werden wir mittels der Art-Häufigkeit, Sensibilität gegenüber Störungen und Anzahl sympatrischer Vorkommen mit anderen Arten den Schirmarten-Index nach Fleishman et al. (2000, 2001) berechnen. Mittels weiterer Kriterien in Anlehnung an Jedicke (2016) werden wir schließlich die WEL-Schirmarten bestimmen. Anschließend werden wir rund 100 Hotspot-Flächen mit Schirmarten als Kandidaten für GenEG identifizieren. Für mindestens 30 dieser Flächen werden im Sommer des Jahres 2021 Vor-Ort-Begutachtungen zur Erfassung von WEL sowie zur Evaluierung des Erhaltungszustandes und des Managements der WEL-Schirmarten stattfinden. Von zwei WEL-Schirmarten werden wir dabei Blattproben mehrerer Vorkommen für die Untersuchung genetischer Differenzierungsmuster sammeln. Anhand der Evaluierung und der Ergebnisse der genetischen Analyse werden zum Jahr 2023 Flächen für die Einrichtung von GenEG nominiert werden. Relevante Fördermöglichkeiten werden wir evaluieren und Maßnahmen- und Finanzierungsvorschläge zur In-situ-Erhaltung von WEL erarbeiten. Bei Flächen, für die die Einrichtung von GenEG vorgeschlagen wird, werden standortspezifische Planungen zur Erhaltung der WEL-Vorkommen und die Sammlung von Saatgutproben zur Einlagerung in die Genbank WEL sowie die Abstimmung mit lokalen Akteuren erfolgen, um mindestens 15 GenEG einzurichten.

Projektpartner:

  • Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen (Quedlinburg)
    • Dr. Nadine Bernhardt und M. Sc. Maria Bönisch
      • Projekt-Koordination, Identifikation von WEL-Arten-Hotspots und WEL-Schirmarten, genetische Untersuchungen, Planung und Einrichtung genetischer Erhaltungsgebiete
  • Hochschule Anhalt (HSA), Fachbereich Landwirtschaft, Ökotrophologie und Landschaftsentwicklung (Bernburg)
    • Prof. Dr. Sabine Tischew, M. Sc. Thomas Engst und M. Sc. Vera Senße
      • Identifikation von WEL-Arten-Hotspots und WEL-Schirmarten, Entwicklung einer Gebietskulisse, Charakterisierung von WEL-Vorkommen und Evaluierung der bestehenden Flächenbewirtschaftung bei ausgewählten Flächen
  • Hochschule Geisenheim University (HGU), Institut für Landschaftsplanung und Naturschutz & Kompetenzzentrum Kulturlandschaft (KULT)
    • Prof. Dr. Eckhard Jedicke und Dr. Martin Reiss
      • Evaluierung relevanter Fördermöglichkeiten, Maßnahmen- und Finanzierungsvorschläge

Kontakt:

Julius Kühn-Institut (JKI) – Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen

Nadine Bernhardt

Erwin-Baur-Str. 27, 06484 Quedlinburg

E-Mail:

Tel.: 03946/47-701

Projektträger:
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Förderkennzeichen 2819BM040

Projektlaufzeit: 1. Juli 2020 - 31. Dezember 2023

Förderkennzeichen: 2819BM040–042

Bilder
Arnica montana (© JKI)
Daucus carota ssp. carota (© JKI)
Kartierung von Wildpflanzen (© JKI)
Trifolium campestre (© JKI)
Ansprechpartner bei der Hochschule Geisenheim
Eckhard Jedicke
Prof. Dr. Eckhard Jedicke
Gebäude 7100
Raum 01.05
Tel. +49 6722 502 760
Eckhard.Jedicke(at)hs-gm.de Details