Mit langanhaltendem Applaus, persönlichen Würdigungen und einem symbolträchtigen Moment hat die Hochschule Geisenheim am Donnerstag ihren langjährigen Präsidenten Prof. Dr. Hans Reiner Schultz verabschiedet. Nach über 13 Jahren an der Spitze der Hochschule übernahm sein Nachfolger Prof. Dr. habil. Karl H. Mühling im Beisein von rund 400 Gästen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft das Amtssiegel.
Bereits zum 1. Juni 2026 hatte Prof. Dr. habil. Karl H. Mühling das Präsidentenamt übernommen. Mit der feierlichen Übergabe des Amtssiegels erhielt dieser Wechsel nun auch seinen offiziellen und symbolischen Abschluss. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels überreichte das Amtssiegel an den neuen Präsidenten und würdigte zugleich die Verdienste von Prof. Schultz sowie die Bedeutung der Hochschule Geisenheim für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft.
„Unter Prof. Dr. Schultz‘ Leitung hat sich die Hochschule Geisenheim zu einer international renommierten Institution entwickelt, die Forschung, Bildung und Praxis verbindet. Das zeigt sich auch im Ausbau des Campus: Unter anderem werden im neuen Getränketechnologischem Zentrum und zukünftig im Forschungszentrum für nachhaltigen und klimaangepassten Weinbau essentielle Fragen aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie bearbeitet – Zukunftsthemen, die auch Prof. Dr. Schultz‘ Arbeit prägten. Ich danke ihm herzlich für seine Arbeit“, so Wissenschaftsminister Timon Gremmels. „Sein Nachfolger Prof. Dr. Mühling ist mit seiner langjährigen wissenschaftlichen Erfahrung und seiner fachlichen Ausrichtung als Pflanzenkundler bestens geeignet für die Weiterentwicklung der Hochschule Geisenheim. Ich gratuliere ich nochmals zur Wahl und wünsche ihm eine glückliche Hand und viel Erfolg in seinem neuen Amt.“
Auch Prof. Mühling kommentierte: „Prof. Schultz hat die Hochschule Geisenheim zu einer Einrichtung „Neuen Typs“ umgestaltet. Die Möglichkeit, diese außergewöhnlich Einrichtung zu leiten – die Grundlagenforschung und angewandte Forschung mit Promotionsrecht vereint und in Deutschland in dieser Form einzigartig ist –, war für mich eine wichtige Motivation, mich zu bewerben. Ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei der Auswahlkommission und dem erweiterten Senat der Universität für meine Wahl sowie beim Ministerium für meine Ernennung bedanken – als jemand, der eine externe Perspektive in die Hochschule einbringt und der darauf abzielt, ihren internationalen Ruf auf alle Sonderkulturen auszuweiten.“
Unkonventioneller Festakt, umfangreiches Rahmenprogramm und ganz viel Wertschätzung
Bereits vor dem offiziellen Festakt hatten die Gäste die Gelegenheit, bei Führungen durch das Getränketechnologische Zentrum, das Praktikumsgebäude für Lebensmittelsicherheit sowie das Insektenlabor des Instituts für Phytomedizin aktuelle Forschungs- und Lehrinfrastruktur der Hochschule kennenzulernen. Ein gemeinsames Get-together bot Raum für persönliche Begegnungen zwischen Mitarbeitenden, Wegbegleitern und Gästen.
Im anschließenden rund dreistündigen Festprogramm wechselten sich Grußworte, musikalische Beiträge und ein eigens konzipierter Bühnen-Talk ab. In lockerer Atmosphäre erinnerten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Hochschule gemeinsam mit langjährigen Weggefährten an prägende Stationen der vergangenen Jahre. Dabei standen die Entstehung und Entwicklung der Hochschule Geisenheim, ihre zunehmende internationale Vernetzung, zahlreiche Bau- und Infrastrukturprojekte sowie die enge Zusammenarbeit mit den Branchen und der Region im Mittelpunkt.
Der ehemalige hessische Ministerpräsident Volker Bouffier beispielsweise erinnerte an die bewegende Entstehungsgeschichte der Hochschule Geisenheim und an die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Prof. Schultz und die Zeit der Hochschulgründung: „Der Weg zur eigenständigen Hochschule Geisenheim war kein Selbstläufer. Es gab viele Ideen, viele Diskussionen und manche Hürde. Umso mehr hat mich beeindruckt, mit welcher Beharrlichkeit und welchem konstruktiven Miteinander Hans Reiner Schultz diesen Weg begleitet hat. Dass sich am Ende das Geisenheimer Modell durchgesetzt hat, war die bessere Zukunft für diesen Standort.“
Dr. Hermann Kolesch, Vorsitzender des Hochschulrats, würdigte insbesondere die nachhaltige Entwicklung der Hochschule während der vergangenen 13 Jahre: „Prof. Schultz war auch Markenbotschafter Geisenheims in der Welt. Er hat die Hochschule weit über Deutschland hinaus sichtbar gemacht und gleichzeitig mit neuen Gebäuden, internationaler Vernetzung und einer klaren strategischen Entwicklung dauerhaft geprägt.“
Die Entwicklung der Hochschule Geisenheim während der Amtszeit von Prof. Schultz gilt als eine der erfolgreichsten Phasen ihrer Geschichte. Forschung und Lehre wurden konsequent ausgebaut, neue Studienangebote etabliert, internationale Kooperationen gestärkt und zahlreiche zukunftsweisende Gebäude sowie Forschungsinfrastrukturen geschaffen. Aus der ehemaligen Forschungsanstalt mit Hochschulstandort entstand eine eigenständige Hochschule neuen Typs mit internationaler Ausstrahlung und einem einzigartigen Profil für die Sonderkulturen.
Auch Geisenheims Bürgermeister Christian Aßmann hob die Verdienste von Prof. Schultz hervor: „Hans Reiner Schultz war nicht nur Präsident der Hochschule, sondern immer auch Geisenheimer. Er hat die Hochschule weit über den Campus hinaus in die Stadt hineingetragen und damit wesentlich dazu beigetragen, dass Geisenheim und seine Hochschule heute enger miteinander verbunden sind denn je. Ich wünsche ihm, dass er künftig mit Stolz über den Campus geht und erkennt, wie viel von dem, was hier entstanden ist, auf seine Tatkraft und seine Art zurückgeht.“
Zum Abschluss der Veranstaltung richtete Prof. Dr. Hans Reiner Schultz selbst das Wort an die Mitarbeitenden und Gäste: „Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen, die diese Verabschiedung möglich gemacht und gestaltet haben. Ich bin ziemlich sprachlos und fühle mich über die Maßen geehrt“. Auch den Blick nach vorn wagte er und machte Mut für die kommenden Jahre: „Die Zeit, die jetzt ansteht, ist nicht so einfach wie manche Phasen meiner Zeit. Da braucht es alle. Und hier in Geisenheim haben wir einen ganz besonderen Spirit. Vor Ort aber auch in unseren nationalen und internationalen Projekten und Netzwerken. Ich wünsche daher meinem Nachfolger und der gesamten Hochschule immer die richtige Entscheidung, im Geisenheimer Sinne – mit Verstand und mit Herz.“
Beim anschließenden sommerlichen Empfang vor dem Hörsaalgebäude nutzten Mitarbeitende, Alumni, Freundinnen und Freunde der Hochschule sowie zahlreiche Gäste die Gelegenheit, persönliche Erinnerungen auszutauschen und gemeinsam auf das Wirken von Prof. Schultz sowie die Zukunft der Hochschule Geisenheim anzustoßen.
Unterstützt wurde die Feier durch die drei Verbände Vereinigung ehemaliger Geisenheimer (V.E.G.) – Geisenheim Alumni Association e.V., den Bund deutscher Oenologen (BDO) und die Gesellschaft zur Förderung der Hochschule Geisenheim e.V. (GFHG).
Bilder: Hochschule Geisenheim / Woody T. Herner



























