Wie lässt sich Gemüse auch unter veränderten klimatischen Bedingungen zuverlässig produzieren und zugleich effizient mit Wasser und Nährstoffen versorgen?
Diese Frage stand im Mittelpunkt des achten Jahrestreffens der EUVRIN Arbeitsgruppe „Fertilisation & Irrigation“ vom 22. bis 24. September 2026 an der Hochschule Geisenheim. Rund 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus mehr als zehn europäischen Ländern tauschten sich über aktuelle Forschungsansätze für einen ressourcenschonenden Gemüsebau aus. Hochschulpräsident Prof. Dr. habil. Karl H. Mühling begrüßte die internationalen Gäste zum Auftakt gemeinsam mit Prof. Dr. Jana Zinkernagel, Professorin für Gemüsebau an der Hochschule Geisenheim.
„Für einen zukunftsfähigen Gemüsebau müssen wir Bewässerung, Nährstoffversorgung und Bodengesundheit gemeinsam betrachten. Der europäische Austausch und der direkte Dialog mit den Betrieben helfen uns, Forschungsansätze unter unterschiedlichen Standortbedingungen zu prüfen und Lösungen zu entwickeln, die in der Praxis funktionieren“, sagt Prof. Dr. Jana Zinkernagel.
Wasser und Nährstoffe gezielter einsetzen
Das wissenschaftliche Programm beleuchtete unter anderem, wie digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz die Bewässerungssteuerung unterstützen können. Weitere Beiträge behandelten das Zusammenspiel von Bewässerung und Stickstoffversorgung, den Anbau in torfreduzierten Substraten sowie Strategien zur Verringerung der Nitratauswaschung. Ein interaktiver Sensorworkshop ergänzte die Vorträge um den Austausch über Messtechnik und ihre Anwendung im Bewässerungsmanagement.
Auch die Wiederverwendung von Substraten und kreislauforientierte Düngung waren Themen der Tagung. Aus Geisenheim kamen Beiträge von Jongwon Kang zu KI in der Präzisionsbewässerung und von Saad Zafar zum Einsatz wiederverwendeter Substrate als alternative Düngemittel im Zwiebelanbau. Inhaltliche Anknüpfungspunkte bieten die Geisenheimer Forschungsprojekte HydroSoilWise und UpgoeS: Während HydroSoilWise Boden- und Wassermanagement zur Steigerung der Klimaresilienz verbindet, untersucht UpgoeS die Nutzung organomineralischer Substratreststoffe aus dem hydroponischen Anbau im Freilandgemüsebau.
Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis
Eine Exkursion führte zu Gemüsebaubetrieben in Lampertheim und Mutterstadt sowie zu einem Verband für Wasser- und Bewässerungsversorgung in Schifferstadt. Der Austausch vor Ort ergänzte die wissenschaftlichen Diskussionen um betriebliche Perspektiven. Ein Rundgang durch die Geisenheimer Forschungseinrichtungen sowie eine Informationsveranstaltung zu europäischen Fördermöglichkeiten und EU-GIFT rundeten das Programm ab.
Die Tagung war Teil der Agri Food Week vom 22. bis 25. September 2026, die im Rahmen der EU-GIFT-Initiative an der Hochschule Geisenheim stattfand. Die Themenwoche brachte Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit zusammen und widmete sich nachhaltigeren Ernährungssystemen mit einem besonderen Schwerpunkt auf geografischer Identität und kulturellem Erbe.


