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Der Biber als Landschaftsgestalter: 75 Teilnehmende beim Praxisaustausch in Simmern

© Willibald Forster

18. August 2026 | Neues Schloss Simmern

Großes Interesse am Thema Biber: Rund 75 Teilnehmende kamen am 18. August 2026 ins Neue Schloss Simmern (Hunsrück), um sich über die Rückkehr des Bibers nach Rheinland-Pfalz, seine Wirkung auf Gewässer und Landschaft sowie den Umgang mit möglichen Konflikten zu informieren.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des DBU-geförderten Projekts Schwammregion Soonwald-Nahe statt und brachte Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Kommunen, Fachbehörden und weitere Interessierte miteinander ins Gespräch. Organisiert wurde sie von der Projektmanagerin Jenny Eckes von der Hochschule Geisenheim. 

Der Biber breitet sich nach mehr als 100 Jahren Abwesenheit wieder in Rheinland-Pfalz aus. Mit seiner Fähigkeit, Gewässer aktiv zu gestalten, verändert er Bäche, Gräben und Auen, schafft neue Lebensräume und kann dazu beitragen, Wasser länger in der Landschaft zu halten. Gleichzeitig können durch Rückstau und Vernässung Konflikte mit angrenzenden Nutzungen und Infrastruktur entstehen.

 

Biber als „Ökosystemingenieur“

Stefanie Venske vom Biberzentrum Rheinland-Pfalz der GNOR e. V. gab Einblicke in die Lebensweise und Ausbreitung des Bibers. Im Mittelpunkt stand dabei seine Rolle als „Ökosystemingenieur“: Durch Dämme, Rückstau, Grabaktivitäten und die Nutzung von Gehölzen schafft der Biber vielfältige Gewässerstrukturen, von denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren können.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass diese Veränderungen auch Herausforderungen mit sich bringen. Vernässte Flächen, Biberbaue an Wegen oder Böschungen und gefällte Gehölze können zu Nutzungskonflikten führen. Je nach Situation kommen unterschiedliche Lösungsansätze infrage – vom Schutz einzelner Gehölze bis hin zu technischen Maßnahmen an Biberdämmen.

 

Konflikte frühzeitig und gemeinsam lösen

Florian Rech von der Unteren Naturschutzbehörde des Rhein-Hunsrück-Kreises stellte die rechtlichen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten des Konfliktmanagements vor. Der Biber ist streng geschützt, weshalb Eingriffe an Dämmen, Bauen oder den Tieren selbst nicht eigenmächtig vorgenommen werden dürfen. Im Vordergrund stehen daher frühzeitige Beratung, die genaue Betrachtung der Situation vor Ort und möglichst dauerhafte Lösungen.

Besonders wichtig sind dabei flächenbezogene Ansätze. Wo Gewässer mehr Raum erhalten, lassen sich Konflikte häufig deutlich reduzieren. Infrage kommen beispielsweise ausreichend breite Gewässerrand- und Pufferstreifen, Flächenankauf oder Flächentausch sowie angepasste Nutzungsformen. Erst wenn solche Möglichkeiten nicht ausreichen, können technische Maßnahmen oder in Ausnahmefällen weitergehende Eingriffe geprüft werden.

 

Blick nach Hessen

Einen Blick über die Landesgrenze ermöglichte Matthias Fink, Bibermanager beim Regierungspräsidium Darmstadt. Er stellte das hessische Bibermanagement sowie Praxisbeispiele aus seiner Arbeit vor. Zudem erläuterte er die seit 2026 geltende Biber-Billigkeitsrichtlinie. Diese ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen einen freiwilligen finanziellen Ausgleich für wirtschaftliche Biberschäden. Das hessische Beispiel zeigte zugleich, wie wichtig feste Ansprechpartner, frühzeitige Beratung und klar geregelte Verfahren im Umgang mit Bibervorkommen sein können.

 

Chancen nutzen, Konflikte gemeinsam lösen

Auch in der anschließenden durch Jörn Schultheiß moderierten Diskussion zeigte sich: Der Biber ist weder ausschließlich als Konfliktverursacher noch allein als „natürliche Maßnahme“ für den Wasserrückhalt zu betrachten. Seine Aktivitäten können die Struktur- und Artenvielfalt erhöhen und Wasser länger in der Landschaft halten. Dort, wo Gewässer jedoch unmittelbar an intensiv genutzte Flächen, Wege oder andere Infrastruktur angrenzen, können zugleich erhebliche Nutzungskonflikte entstehen.

Entscheidend ist deshalb ein vorausschauendes und abgestimmtes Bibermanagement, das frühzeitig verschiedene Akteure einbindet und standortbezogene Lösungen entwickelt. Die große Resonanz auf die Veranstaltung zeigt, wie aktuell das Thema in der Region ist und wie groß das Interesse an einem gemeinsamen Umgang mit der Rückkehr des Bibers ist.

Das Projekt Schwammregion Soonwald-Nahe wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert.

Kategorien: Kompetenzzentrum Kulturlandschaft, Landschaftsarchitektur (M.Sc.), Landschaftsarchitektur (B.Eng.), Landschaftsplanung und Naturschutz

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