Climate Apples

Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz durch Humuswirtschaft im Apfelanbau (Climate Apples)

Ziele

Im Modell- und Demonstrationsvorhaben „ClimateApples“ werden von 2025 bis 2030 Maßnahmen zur Erhaltung und Erhöhung des Humusgehalts in Apfelanlagen umgesetzt. Die Maßnahmen finden auf 32 Praxisbetrieben verteilt auf die Regionen Altes Land, Bodensee, Niederrhein, Rheinland und Rheinhessen statt. Humus ist der organische Anteil des Bodens, der durch den Abbau von Pflanzenresten und Bodenlebewesen entsteht. Er verbessert die Bodenstruktur, speichert Wasser und Nährstoffe und ist Lebensraum. Darüber hinaus bindet Humus Kohlenstoff und kann so zum Klimaschutz beitragen. Ziel des Projektes ist es, neben dem Erhalt oder der Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit den Boden als Kohlenstoffspeicher zu nutzen. Dafür geeignete Maßnahmen sollen in der Praxis etabliert werden.

Projektbeteiligte

Projektpartner sind das Institut für Obstbau der Hochschule Geisenheim University, die Stiftung Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee mit den Fachbereichen Ertragsphysiologie und Ökologischer Obstbau, der Öko-Obstbau Norddeutschland e.V. und der Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V.. Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt durch das Julius-Kühn-Institut für Strategien und Folgenabschätzung in Kleinmachnow und das Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig. Die Projektförderung erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH). Die Projektträgerschaft erfolgt über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Vorgehen und Maßnahmen

Um ein gesundes, nachhaltiges Pflanzenwachstum und eine klimaschonende Bewirtschaftungsweise zu gewährleisten, soll der Anteil von Dauerhumus im Boden erhalten und, wenn möglich, erhöht werden. Bei der Erneuerung einer Apfelanlage steht vor allem der Erhalt des vorhandenen Humusgehalts im Fokus, während bei bestehenden Apfelanlagen vorrangig das Ziel der Humusanreicherung verfolgt wird. Dies wird sowohl im integrierten als auch im ökologischen Anbau modellhaft demonstriert und ein gegenseitiger Austausch wird gewährleistet. Darüber hinaus sollen Hindernisse identifiziert werden, die einer breiten Anwendung dieser Ansätze im Wege stehen, und praktikable sowie wirtschaftlich sinnvolle Lösungen entwickelt werden. 

Folgende Maßnahmen werden getestet und demonstriert:

Maßnahmen bei Neupflanzung:

Gründüngung

In einer Dauerkultur, wie dem Apfel, kann eine Fruchtfolge nur im Zeitraum zwischen Rodung und Neupflanzung der Anlage erfolgen. Die Einsaat einer Gründüngung verbessert die Bodenfruchtbarkeit, fördert das Bodenleben und erhöht die Wasserhaltekapazität. Gleichzeitig schützt sie vor Erosion, reduziert Nährstoffverluste und unterstützt durch organische Substanz den Humusaufbau. Besonders tiefwurzelnde und biomassebildende Arten wie Kleegras tragen nachhaltig zur Stabilisierung und Verbesserung des Bodens bei.

Reduzierte Bodenbearbeitung bei der Neupflanzung

Die Bodenbearbeitung erfolgt nur im Baumstreifen, während die Fahrgasse bei Rodung und Neupflanzung erhalten bleibt. Dadurch bleibt der über die Standzeit der Anlage aufgebaute Humus in der Fahrgasse erhalten. Zudem wird durch die geringere Belüftung des Bodens der Humusabbau reduziert.

Umveredelung

Bei Rodung bleiben die Unterlagen und das bestehende Wurzelwerk der Anlage erhalten. Anschließend erfolgt eine neue Veredelung mit Edelreisern der gewünschten Sorte. Durch die ausbleibende Bodenbearbeitung bleiben sowohl der Humusgehalt als auch das Bodenleben weitgehend erhalten.

Einarbeitung von Pflanzenkohle in den Pflanzengraben

Pflanzenkohle besteht aus stabil gebundenem Kohlenstoff, der langfristig im Boden gespeichert wird und dadurch zum Klimaschutz beitragen kann. Vor der Ausbringung sollte sie mit organischem Material wie Kompost vermischt werden, damit keine Nährstoffe aus dem Boden gebunden werden. Anschließend kann die beladene Pflanzenkohle bei der Neupflanzung im Pflanzgraben ausgebracht werden.

Maßnahmen in Ertragsanlagen

Einsaaten von tiefwurzelnden, biomassebildenden Arten

Tiefwurzelnde Arten und Leguminosen in der Fahrgasse oder im Baumstreifen können die unterirdische Biomasse erhöhen. Artenreiche Mischungen fördern zusätzlich Biodiversität und Bodenleben.

Transfer des Mulchmaterials aus der Fahrgasse in den Baumstreifen

Das Mulchmaterial aus der Fahrgasse wird in den Baumstreifen übertragen. Dadurch gelangen zusätzliche Nährstoffe in den Baumstreifen und der Boden wird mit organischer Substanz versorgt. Gleichzeitig schützt die Mulchschicht den Boden vor Verdunstung und trägt zur besseren Wasserspeicherung bei.

Ausbringung von Kalk und Gips

Kalk wirkt der Versauerung des Bodens entgegen und verbessert durch die Bildung von Ton-Humus-Komplexen die Bodenstruktur, Wasserspeicherung und Nährstoffverfügbarkeit. Dadurch werden das Bodenleben sowie das Pflanzenwachstum gefördert. Gips wirkt pH-neutral, unterstützt aber ebenfalls die Bodenlockerung durch die Wirkung von Calcium.

Ausbringung von organischer Substanz in den Baumstreifen

Das Ausbringen von organischem Material wie Kompost, Mist oder Gärresten kann die Wasserverdunstung reduzieren sowie Bodenleben und Bodenstruktur fördern. Zudem unterstützt die Maßnahme den Humusaufbau, wobei teilweise extern gebundener Kohlenstoff eingesetzt wird.

Vergleich mechanischer Beikrautregulierungsverfahren

Bei dieser Maßnahme werden verschiedene Geräte und Verfahren zur mechanischen Beikrautregulierung verglichen. Ziel ist es, die Auswirkungen der unterschiedlichen Bearbeitungsintensitäten auf Bodenstruktur, Bodenleben und Humusentwicklung zu untersuchen.

Ausblick

Mit „ClimateApples“ sollen praxistaugliche Wege aufgezeigt werden, wie der Apfelanbau aktiv zum Klimaschutz beitragen und zugleich die Bodenfruchtbarkeit langfristig sichern kann. Die auf den Praxisbetrieben gewonnenen Erkenntnisse werden über Feldtage, Fachveranstaltungen und Veröffentlichungen in die Praxis getragen, sodass sich bewährte Maßnahmen breit etablieren lassen. So leistet das Projekt einen Beitrag zu einem klimaresilienten und zukunftsfähigen Obstbau.

Bohrstock mit Hammer bei der Bodenprobeentnahme für Humusanalysen und Bodennährstoffstatus