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Aktuelles und neue Projekte

Das geheime Leben der Bienen: „we4bee“ an der Hochschule Geisenheim

Bildquelle: Dr. Susanne Tittmann

Citizen-Science-Projekt soll das Verhalten und die Bedürfnisse der Honigbiene veranschaulichen

„Hier geht es zu wie im Bienenstock“: Die meisten von uns dürften diesen Ausdruck schon einmal verwendet oder wenigstens gehört haben. Aber die wenigsten wissen, wie es wirklich in so einem Bienenstock zugeht. Abhilfe soll das Citizen-Science-Projekt „we4bee“ schaffen, dessen Ziel es ist, der breiten Öffentlichkeit das Verhalten und die Bedürfnisse der Honigbiene zu veranschaulichen. Das Projekt nutzt hierfür 100 vollelektronische Bienenstöcke, von denen seit Anfang des Jahres auch einer an der Hochschule Geisenheim steht. 

Dieser besondere Bienenstock, ein sogenannter TopBarHive, ist innen mit einem Temperatur- und außen mit einem Wind-, Licht- und Niederschlagssensor ausgestattet. Über eine LAN-Verbindung werden in 15-minütigem Abstand Daten direkt in das Netz des Projekts übermittelt. Neben den Sensoren sind im Innenraum wie auch gegenüber dem Flugloch Kameras installiert. So werden neben den Lebensbedingungen der Bienen auch die Umweltbedingungen erhoben. Jeder oder jede, der oder die die passende „we4bee“-App auf dem Smartphone hat, kann die Daten abrufen und Aufnahmen anschauen. Die Universität Würzburg wertet die Daten darüber hinaus mittels Big-Data-Analyse und Machine-Learning-Prozessen aus und stellt die so gewonnenen Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Öffentliche Institution, Schulen und Universitäten konnten sich 2019 um einen der 100 „we4bee“-Stöcke bewerben. An der Hochschule Geisenheim drehten auf Initiative von Prof. Dr. Eckhard Jedicke, Leiter des Instituts für Landschaftsplanung und Naturschutz, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Studierenden kurzentschlossen ein Bewerbungsvideo. Dank dieses Motivationsvideos bekam die Hochschule den Zuschlag. Das sich formierende „we4bee“-Team um Prof. Dr. Eckhard Jedicke, Prof. Dr. Claudia Kammann vom Institut für angewandte Ökologie und Dr. Susanne Tittmann und Yvette Wohlfahrt, M.Sc., vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau entschied Anfang 2020, den Bienenstock im Irisgarten der Hochschule aufzustellen. Unterstützung erhielt es dabei von der Abteilung IT und Rechenzentrum der Hochschule Geisenheim. Der Irisgarten ist einer der bienenfreundlichsten Standorte am Campus, fern von Pflanzenschutz oder unkontrolliertem Publikumsverkehr. Er bietet zudem eine artenreiche Wiese und damit Nektar- und Pollenangebot in direkter Umgebung. Die umgebenen Bäume erfordern einen Abflug in die Höhe und verhindern damit Kollisionen mit Besucherinnen und Besuchern.

Neben dem vollelektronischen „we4bee“-Stock sollen in den nächsten Monaten im Irisgarten übliche Beutensysteme wie Zander oder Zadant aufgestellt werden. Anhand derer können Dozierende künftig den Studierenden und interessierten Gasthörern des 2019 eingeführten, interdisziplinären Master-Moduls „Die Biene“ vertiefte Einblicke in die Imkerei, den Bienenstock und dessen Umweltvariablen geben. Auch besteht die Möglichkeit, die umfangreichen erhobenen Daten in Studien- oder Abschlussarbeiten auszuwerten.

Das „Bienen-Modul“ an der Hochschule Geisenheim vermittelt umfassende Kenntnisse zur Biologie der Honigbiene, den Bienenkrankheiten und dem Imkereiwesen. Dozierende stellen Bezüge zu den vielfältigen Masterstudiengängen der Hochschule – von Getränketechnologie über Weinbau und Oenologie bis hin zu Landschaftsarchitektur – her. So stehen neben der Honigbiene auch Wildbienen und deren Anforderung an Landschaft und Umwelt im Fokus; zudem kommen zahlreiche externe Referentinnen und Referenten zu Wort, beispielsweise zum internationalen Honigmarkt, zu Honigfälschung und ihrer Aufdeckung oder zur Prüfung von Pflanzenschutzmitteln auf ihre Bienengefährlichkeit. Ein wichtiges Ziel des Bienen-Moduls ist es außerdem, den Studierenden Strategien zur Erhaltung oder Schaffung von Biodiversität in verschiedenen Kulturlandschaften zu vermitteln. Und genau dies auch Ziel des Citizen-Science-Projekts „we4bee“. 

Initiiert wurde „we4bee“ vom mittlerweile emeritierten Prof. Dr. Jürgen Tautz, Verhaltensforscher und Bienenexperte an der Uni Würzburg. Auch hier schließt sich der Kreis zur Hochschule Geisenheim: Das Geisenheimer Bienen-Modul gäbe es nicht ohne den beharrlichen Einsatz und die stete, tatkräftige Unterstützung des begeisterten Hobby-Imkers und Emeritus Prof. Dr. Helmut Dietrich, ehemals Leiter des Instituts für Getränkeforschung, der mit seinem Engagement die Mitstreiterinnen und Mitstreiter angesteckt hat.

 

Sie wollen die Geisenheimer Bienen sehen? Auf der Internetseite www.we4bee.org können einzelne Standorte ausgewählt und die spezifischen Daten eingesehen werden; der Direktlink zu aktuellen Geisenheimer Daten: https://analytics.we4bee.org/#/5de9120f77a6e500012bffa8.

Kategorien: HOCHSCHULE, Presse und Kommunikation, Campus (er)leben, FORSCHUNG, Projekte, Urbanen Gartenbau, Phytomedizin, Obstbau, Lebensmittelsicherheit, Landschaftsplanung und Naturschutz, Angewandte Ökologie, Allgemeiner und ökologischer Weinbau, Nachrichten

Bilderreihe

Bildquelle: Dr. Susanne Tittmann
Einweihung des Bienenstandes; Bildquelle: Dr. Susanne Tittmann
Einweihung des Bienenstandes; Bildquelle: Dr. Susanne Tittmann

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Unsere Forschung ist gleichermaßen anwendungs- wie grundlagenorientiert. Ihr Fokus liegt in pflanzenwissenschaftlichen Themengebieten der Sonderkulturen (Reben, Obst, Gemüse, Zierpflanzen) und deren vielfältigen Produktions- und Verarbeitungsbereichen. Hierzu gehören auch Forschungsansätze zu Aspekten des Naturschutzes, der Getränkewissenschaften, der Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelanalytik, der Logistik von Frischprodukten sowie zu dem wirtschaftswissenschaftlichen Umfeld dieser Bereiche. Weitere Schwerpunkte unserer Forschung liegen zudem in der Planung und Entwicklung von Kulturlandschaften und Stadtregionen.

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