Naturschutz studieren

Studieren Sie Naturschutz und Landschaftsplanung an der Hochschule Geisenheim

Wie können wir biologische Vielfalt erhalten und gleichzeitig wirtschaftliche Interessen wahren? Wie können wir gefährdete Arten und Lebensräume schützen? Und wie können wir dabei die zukünftigen Veränderungen unserer Landschaft, die beispielsweise der Klimawandel und moderne Landwirtschaft mit sich bringen, einbeziehen?

Die Herausforderungen des Naturschutzes und der Landschaftsplanung liegen auf der Hand. Um diese vielfältigen aktuellen und künftigen Probleme zu lösen, ist gut ausgebildeter Nachwuchs gefragt! Deshalb bietet die Hochschule Geisenheim sowohl im Bachelor- als auch im Master-Studium der Landschaftsarchitektur Naturschutz-Vertiefungen an. Im Bachelor-Schwerpunkt „Naturschutz und Landschaftsplanung“ legen die Studierenden die Grundlagen. Die Master-Vertiefung „Kulturlandschaftsentwicklung“ vermittelt vertiefende Kenntnisse.

Die Studierenden erhalten eine umfassende Ausbildung zu den ökologischen Grundlagen des Naturschutzes, zur Landschaftsplanung und im Naturschutzrecht. Dieses Wissen wenden sie in praxisnahen und berufsrelevanten Studien-Projekten an. Sie erwerben gleichzeitig technische und soziale Qualifikationen wie den Umgang mit Geoinformationssystemen, Präsentations- und Moderationstechniken. Diese Schüsselqualifikationen sind im späteren Berufsalltag entscheidend.

Fließgewässer im Buchenwald © Hochschule Geisenheim
Zum Naturschutz gehört Geländearbeit dazu. © Hochschule Geisenheim
Informationstafel zum Projekt Arnika Hessen © Hochschule Geisenheim
Biodiversität im Weinberg © Hochschule Geisenheim

Warum Naturschutz in Geisenheim?

Naturschutz ist in Geisenheim im Studiengang der Landschaftsarchitektur angesiedelt. Das bietet spannende Bezüge zur Gestaltung von urbanen Freiräumen und Gärten sowie zur praktischen Umsetzung. Darüber hinaus besitzt die Hochschule Geisenheim University ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal: Als erste und bislang bundesweite „Hochschule neuen Typs“ steht sie zwischen den Hochschulen für angewandte Wissenschaft (den ehemaligen Fachhochschulen) und den Universitäten.

Die Hochschule Geisenheim steht für die erfolgreiche Verbindung von Forschung, Studium und Praxis. Das heißt, als Studierende(r) erhalten Sie eine sehr praxisnahe Ausbildung – und gleichzeitig Einblick in vielfältige Forschungsprojekte. An diesen können Sie als studentische Hilfskräfte, in einem Forschungsmodul des Master-Studiengangs und in Ihrer Abschlussarbeit aktiv teilhaben. Nach dem Master können Sie in Geisenheim eine Promotion anschließen.


Themen in der Naturschutz-Ausbildung in Geisenheim

Biologische Vielfalt schützen

Landnutzungs- und Klimawandel, Energiewende und demographische Prozesse verändern unsere Landschaft tiefgreifend. Die Folge: Die biologische Vielfalt wird stark beeinträchtigt. Lebensräume werden zerstört, Arten sterben aus, die genetische Vielfalt schwindet. Im Studium an der Hochschule Geisenheim lernen Sie, realisierbare Konzepte für die Förderung der biologischen Vielfalt zu entwickeln.

Dafür vermitteln wir Ihnen die notwendige Artenkenntnis und fundiertes Wissen zu den Lebensraumansprüchen der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Sie lernen, Lebensraumtypen in der Landschaft zu erkennen. Dies sind zentrale Inhalte der Bachelor-Ausbildung mit Bestimmungsübungen, Exkursionen, Seminaren und Geländepraktika. Im Master vertiefen Sie diese Kenntnisse. Die Grundlagen von ökologischen Prozessen und evolutionären Aspekten der biologischen Vielfalt erlernen Sie ergänzend in den Vorlesungen.

Verschieden krautige Pflanzenarten im Unterwuchs von Weinreben
Arnika-Wiese in Mittelhessen

Landschaft lesen lernen

Eine der Hauptaufgaben des Studiums ist es, die Landschaft als Ergebnis des Zusammenwirkens von natürlichen und menschengemachten Faktoren zu verstehen. Welche Landschaftselemente haben eine hohe Bedeutung für biologische Vielfalt, Bodenschutz, Wasserhaushalt und die Leistungsfähigkeit der Natur? Wie können wir Ökosystemleistungen wie die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen, den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die natürliche Schädlingskontrolle fördern? Sie lernen, Perspektiven für Landschaften zu entwerfen und passende Umsetzungs- oder Managementkonzepte zu entwickeln. Dabei sind auch Präsentations- und Moderationsfähigkeiten gefragt, die Sie im Studium ebenfalls trainieren.


Studierende besuchen Schafe die in der Wanderschäferei für die Landschaftspflege eingesetzt werden © Hochschule Geisenheim
Wanderschäferei für die Landschaftspflege
Naturschutz mit der Landwirtschaft: Ackerwildkräuter im Dinkelacker © Hochschule Geisenheim
Naturschutz mit der Landwirtschaft: Ackerwildkräuter im Dinkelacker
Freiland-Nutzungsexperiment zur Renaturierung von Arnika © Hochschule Geisenheim
Freiland-Nutzungsexperiment zur Renaturierung von Arnika
Windräder prägen die Landschaft – und stehen im Konflikt mit dem Naturschutz © Hochschule Geisenheim
Windräder prägen die Landschaft und stehen im Konflikt mit dem Naturschutz
Beweidung von Feuchtwiesen durch Wasserbüffel © Hochschule Geisenheim
Beweidung von Feuchtwiesen durch Wasserbüffel
Mittelgebirgs-Lanschaft mit Land-, Forst- und Tourismuswirtschaft © Hochschule Geisenheim
Mittelgebirgs-Lanschaft mit Land-, Forst- und Tourismuswirtschaft

Landschaftspflege managen: Schutz durch Nutzung

Ziel von Landschaftsplanung ist es, Biotoptypen, die durch historische Nutzung entstanden sind, unter den aktuellen sozioökonomischen Bedingungen weiter zu pflegen und zu nutzen. Wie kann der strukturreiche Steillagen-Weinbau erhalten oder reaktiviert werden? Wie lassen sich artenreiche Mähwiesen, extensive Weidegebiete, Heiden und Niederwälder sinnvoll nutzen?

Damit Sie passende Konzepte entwickeln können, vermitteln wir Ihnen Kenntnisse zu biologischen und ökologischen Grundlagen, Landwirtschaft, Projektmanagement und zur finanziellen Naturschutz- und Agrarförderung. Sie bekommen Einblicke in die Arbeit von Landschaftspflegeverbänden, Verwaltungen von Großschutzgebieten, Behörden und Naturschutzprojekten. Gerade an konkreten Projekten in der Praxis lässt sich effizient lernen – beobachtend und selbst entwickelnd in Studienprojekten.

Landschaftsentwicklung planen

Baumweiden in der überfluteten Elbaue
Studierende auf Exkursion

In der Landschaftsplanung setzen Fachleute die Anforderungen und Strategien Naturschutzes um.  Das passiert auf den vier Ebenen des Baugebiets, der Stadt oder Gemeinde, des Regierungsbezirks und des Landes. Bei Eingriffen in die Landschaft wie Bau- und Infrastrukturvorhaben oder Plänen zur Renaturierung einzelner Gebiete spielen Umweltprüfungen eine wichtige Rolle. Die Europäischen Union hat mit ihren Vorgaben dafür einen vielfältigen Instrumentenkasten zusammengestellt: Umweltverträglichkeitsprüfung, Strategische Umweltprüfung, FFH-Verträglichkeitsprüfung, spezielle artenschutzrechtliche Prüfung, Eingriffsregelung gehören dazu.

Daneben hat sich ein weites Feld an sogenannter informeller Landschaftsplanung mit Bewirtschaftungsplänen für Natura-2000-Gebiete, Naturparkplänen, Erholungsplanung, Biotopverbundplanung, Landschaftspflegekonzepten entwickelt –  ein umfangreiches Arbeitsfeld für Landschaftsplanerinnen und -planer. Für dieses bilden wir im Studium praxisnah aus: zu den rechtlichen Grundlagen, formalen Arbeitsschritten in der Planungspraxis, Methoden zur Erfassung und Bewertung von Schutzgütern einschließlich Darstellung in Geoinformationssystemen sowie zur Ableitung von Handlungs- und Projektvorschlägen.


Der Mensch hat die Kulturlandschaft noch nie so rasch und intensiv verändert wie heute. Daher braucht es dringender denn je Managerinnen und Manager, die diesen Landschaftswandel nachhaltig steuern – gemeinsam mit den Landnutzern.Prof. Dr. Eckhard Jedicke, Professor für Landschaftsentwicklung


Berufsfelder im Naturschutz

Planungsbüros

Angestellt oder selbstständig arbeiten viele Absolventinnen und Absolventen in Planungs- und Gutachterbüros in der freien Wirtschaft. Die Büros bieten vielfältige Leistungen im Naturschutz, der Landschafts-, Grün- und Objektplanung oder der Umweltforschung an. Sie sind für Fachbehörden, Unternehmen, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen aktiv. Arbeitsschwerpunkte können zum Beispiel Umweltverträglichkeitsprüfungen, FFH-Verträglichkeitsprüfungen, landschaftspflegerische Begleitpläne, Risikoanalysen, Artenschutzfachbeiträge, gutachterliche Tätigkeiten und Kartierungen sein. Dabei legen manche Büros Schwerpunkte auf bestimmte Artengruppen wie Fledermäuse oder Vögel, andere sind eher vegetationskundlich ausgerichtet.

Auch konzeptionelle Arbeiten, beispielsweise im Bereich der Gewässerentwicklung oder zum Biotopschutz und -verbund, gehören zum Repertoire. Eine gute Kenntnis der rechtlichen Regelungen und der Planungsinstrumente gepaart mit Arten- und Biotopkenntnissen sowie technischen Fertigkeiten sind hier gefragt – und daher wichtige Aspekte des Studiums in Geisenheim.

Naturschutz- und andere Fachbehörden

Auf den Ebenen der Landkreise und kreisfreien Städte, der Regierungsbezirke, der Länder und des Bundes gibt es Fachbehörden für Naturschutz. Bei den Ländern und im Bund sind das neben dem jeweiligen Ministerium beratende Landesämter beziehungsweise das Bundesamt für Naturschutz. In diesen Behörden steht der Vollzug des Naturschutzrechts im Mittelpunkt. Gefragt sind dort einerseits fachrechtliche Kenntnisse. Genauso wichtig ist das naturschutzfachliche Fundament: Wie wählen wir Zielarten aus? Welche Ansprüche an ihren Lebensraum stellen diese? Wie können sie über den Biotopverbund gefördert werden? Wie gelingt ein optimales Management der europäischen Natura-2000-Schutzgebiete?

Wiesenvernässung als Ausgleichsmaßnahme © Hochschule Geisenheim
Wiesenvernässung als Ausgleichsmaßnahme

Außerdem arbeiten Naturschutz-Expertinnen und  Experten in anderen Fachbehörden der Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Fischerei, des ländlichen Raumes, der Flurneuordnung, des Straßenbaus und vielen mehr. Auch für diese Arbeit qualifizieren Sie sich in Geisenheim.

Landschaftspflegeverbände und Biostationen

Landschaftspflegeverbände, Biologische Stationen und andere regional arbeitenden Institutionen des Naturschutzes engagieren sich für die umweltgerechte Entwicklung von Natur und Landschaft. Dies tun sie beispielsweise durch die Betreuung von Schutzgebieten, die Umsetzung von Arten- und Biotopschutzprojekten und die Erfolgskontrolle von Maßnahmen der Landschaftspflege. Sie bieten eine Naturschutzberatung für die Landwirtschaft und kompetenten Service rund um den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung von Landschaften. Die Institutionen sind dabei häufig Vermittler zwischen ehrenamtlichem Naturschutz und den Naturschutzbehörden sowie zwischen Naturschützern und Landnutzern. Die Hochschule Geisenheim hat vielfältige Kontakte zu diesen Institutionen, von denen die Studierenden profitieren, da sie hier Praktikumsplätze und praxisbezogene Themen für Abschlussarbeiten finden können.

Zwei Frauen arbeiten in einer Aue. © Hochschule Geisenheim
Eichen-Trockenwald an den Rheinhängen © Hochschule Geisenheim
Urwaldartige Strukturen auf der Insel Vilm © Hochschule Geisenheim
Renaturierungsfläche Hohes Venn © Hochschule Geisenheim
Großschutzgebiete

Naturparks, Biosphärenreservate und Nationalparks gelten in Deutschland und international als Großschutzgebiete. Ihre Entwicklung wird durch eigene Verwaltungen gesteuert, die vielfältige Aufgaben erfüllen: Meist arbeiten sie gleichermaßen in den Themenfeldern des Schutzes der Biodiversität, nachhaltiger Landnutzungen, der touristischen Inwertsetzung und Regionalentwicklung sowie der Bildung zum Thema Landschaft. Gerade diese Interdisziplinarität bietet spannende Aufgaben in engem Kontakt zu den Menschen in der Region. Wir studieren solche Schutzgebiete durch Besuche vor Ort. Viele Bachelor- und Master-Thesen können in Kooperation mit Großschutzgebieten entstehen.

Forschung

Sie haben die Möglichkeit, die vielfältigen Forschungs- und Umsetzungsprojekte, die an der Hochschule Geisenheim im Bereich des Naturschutzes laufen, kennenzulernen; die Ergebnisse dieser Projekte fließen direkt in die Lehre ein. Es handelt sich um Arten- und Biotopschutzprojekte wie das Arnika-Hessen-Projekt, bei dem es um die Renaturierung von Heiden und Borstgrasrasen zum Erhalt der gefährdeten Arnika geht. Wie die biologische Vielfalt – Schmetterlinge, Bienen, Spinnen und Pflanzen – im Weinbau gefördert werden kann, untersuchen wir im PromESSinG-Projekt.

Auch „Pflegemanagement durch kontrolliertes Brennen“ oder „Gebietsheimische Gehölze für Pflanzungen in der freien Landschaft“ sind Forschungsthemen an der Hochschule. Weitere Forschungsthemen sind beispielsweise die Weiterentwicklung der Förderpolitik für den Naturschutz mit der Landwirtschaft, die Evaluierung von Landschaftspflegeverbänden in Hessen, Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Wald, historische Kulturlandschaften wie der Westwall als Relikt aus der NS-Zeit und Niederwaldgebiete.

Nahe-Mündung in den Rhein in Bingen © Hochschule Geisenheim

Mit dem Kompetenzzentrum Kulturlandschaft (KULT) bauen wir an der Hochschule Geisenheim derzeit ein bundesweites Netzwerk für Forschung und Weiterbildung zu Themen der Entwicklung von Natur und Landschaft auf.


Kein Schutz der biologischen Vielfalt ohne das Wissen zu den Ansprüchen von Tier- und Pflanzenarten, der Entstehung, Nutzung und Renaturierung von Lebensräumen und den ökologischen Prozessen, die dahinter stehen. Diese Kenntnisse vermitteln wir in Lehre und Forschung.Prof. Dr. Ilona Leyer, Professorin für Biodiversität und Ökosystemfunktionen