Heinrich Eduard von Lade

Heinrich Eduard von Lade

* 24. Februar 1817 in Geisenheim; † 07. August 1904 in Geisenheim

Heinrich Eduard Lade wurde in Geisenheim am Rhein im Osteinschen Palais (heute Teil des St. Ursula-Gymnasiums) als Sohn eines vermögenden Weinhändlers geboren. Er arbeitete als Bankier und Exporteur in Hamburg und Paris. Dadurch sowie durch den Handel mit Waffen wurde er schnell sehr vermögend und konnte sich im Alter von 44 Jahren bereits aus dem Arbeitsleben zurückziehen.
Heinrich Eduard von Lade war ein vielseitig interessierter Mensch seiner Zeit. Neben seinen beruflichen Tätigkeiten interessierte er sich sehr für den Garten- und Weinbau, erwarb sich als Astronom einen Namen und war auch politisch als Diplomat für die italienischen Staaten und den Norddeutschen Bund tätig.
Aufgrund seiner Bemühungen bei dem preußischen König Wilhelm I. und bei dem mit ihm befreundeten Reichskanzler Bismarck wurde 1872 per Dekret die Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau gegründet. 141 Jahre später ging die Forschungsanstalt Geisenheim als letzte Nachfolgeinstitution der Königlichen Lehranstalt in die Hochschule Geisenheim über.

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Die Familie (von) Lade

Mutter: Wilhelmine Ulrike (geb. Siegen)

Lade stammte aus einer liberalen und wohlhabenden Bürgerfamilie, deren Wurzeln sich heute noch bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. 1609 starb in Braunschweig Melcher Lade, welcher dort bereits über ein ansehnliches Vermögen verfügte.

Später kam die Familie nach Wiesbaden und ihr entstammten vor allem Beamte, Pfarrer, Ärzte sowie Apotheker. Um das Jahr 1812 zog Friedrich August Lade – Eduards Vater – nach Geisenheim, wo die Familie zunächst im Ostflügel des ehemaligen Palais Ostein wohnte und dort gemeinsam mit der Familie Dresel eine renommierte Weinhandlung betrieb.

Die Geisenheimer Lades (lange auch Ladé) waren von Anfang an vermögend und im Jahr 1838 wurde am Westrand von Geisenheim ein ansehnliches Wohn- und Geschäftshaus erbaut. 1840 heiratete Lade in Rietberg Laura Tenge und brachte mit ihr vier Kinder zur Welt. Diese starben jedoch alle in jungen Jahren, lange bevor sie eine eigene Familie gründen konnten. Auch seine Frau starb bereits im Jahr 1876, und Lade lebte fortan trauernd und weitestgehend vereinsamt in Geisenheim. Der letzte Geisenheimer Namensträger – Hans Joachim von Lade – starb im Jahr 1952.

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Ehefrau Laura  (geb. Tenge)

Schule und Beruf

In Geisenheim wurde Lade zunächst von privaten Hauslehrern unterrichtet. Später besuchte er die Gymnasien in Kreuznach und Saarbrücken, verließ die Schule jedoch, ohne das Abitur abgelegt zu haben. Anschließend reiste er durch Europa und ging 1845 nach Hamburg, wo er ein Export- und Bankgeschäft eröffnete („Ed. Ladé & Co“). Später zog er nach Paris und gründete dort eine Zweitniederlassung seiner Firma. Während der Pariser Weltausstellung von 1855 fungierte Lade dort als Regierungskommissar des Herzogtums Nassau, und bereits seit seiner Hamburger Zeit war Lade auch als diplomatischer Gesandter tätig. So vermittelte er unter anderem ein Handelsabkommen zwischen dem Kirchenstaat und den drei Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck. 1852 erhielt er vom Vatikan den Titel eines „Generalkonsuls“. Mit seiner Firma sowie seinem Bruder Georg organisierte Lade im Zuge des Amerikanischen Bürgerkrieges umfangreiche Waffengeschäfte und verdiente damit ein ansehnliches Vermögen, welches es ihm folglich ermöglichte, alle seine Geschäfte zu liquidieren und sich vorzeitig im Rheingau zur Ruhe zu setzen.

Rosenzucht

Zu Beginn der 1880er Jahre begann sich Lade intensiver mit der Pflanzung und Züchtung von Rosen zu beschäftigen. Im Frühjahr 1881 wurde hierzu ein Rosarium angelegt, welches sich zu einer zentralen Sehenswürdigkeit von Monrepos entwickeln sollte. Darin befanden sich ca. 3.000 Rosenpflanzen und etwa 800 verschiedene Sorten. Die Pflanzen waren handverlesen und bildeten einen Querschnitt der damals edelsten und teuersten Sorten. Über seine Tätigkeit als Rosengärtner schrieb Lade: „Keine Beschäftigung im Garten gewährt so viel Freude und ist so dankbar wie die mit der Königin der Blumen, dem Liebling aller Menschen. Jeden Morgen entdeckt man neue Farben und neue Formen, und mit Entzücken wandelt man von einer Pracht zur anderen, von einem köstlichen Duft zum anderen!“

1883 gehörte Lade zu den Gründungsmitgliedern des „Vereins deutscher Rosenfreunde“. Von 1885 bis 1889 fungierte er als Präsident des Vereins und wurde nach seinem Rücktritt zum ersten Ehrenpräsidenten gewählt. Nach ihm wurden die Rosensorten „Eduard von Lade“ und „Baron Lade“ benannt.

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Der Obstbau von Monrepos

Lange Zeit bildete der Obstbau das Herzstück von Monrepos und Lade gehörte zu den bedeutendsten Förderern des deutschen Obstbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In Monrepos verstand er sich dabei selbst als Erster Gärtner und alle Pflanzen, welche mit einem blauen Band gekennzeichnet waren, durften ausschließlich von ihm behandelt werden. Zeitweise existierten an Obstbäumen unter anderem etwa 700 Hoch- und Halbhochstämme sowie mehr als 8.000 Pyramiden- und Formbäume. Das einmalige Rheingauer Klima sowie Lades Bereitschaft immense finanzielle Mittel in seine Obstanlagen zu investieren, führten binnen kürzester Zeit zu beeindruckenden Ergebnissen. So präsentierte er seine in Geisenheim gezogenen Früchte auf zahlreichen Ausstellungen und errang dabei selbst im Ausland stets höchste Preise und Auszeichnungen. Besonders engagiert war Lade im Bereich der Sortenkunde. Er hat im Laufe der Jahre auch zahlreiche Züchtungen selbst unternommen, beispielsweise „von Lades späte Knorpelkirsche“, „Ladés Muskatgutedel“, „Grüne Zwetsche von Monrepos“ sowie „von Lades späte Mirabelle“. Ihm zu Ehren erhielt eine belgische Züchtung den Namen „Lades Butterbirn“.

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Die Astronomie

Im gesetzten Alter entwickelte Lade ein besonderes Interesse für Fragen der Astronomie, welche bereits seinen Vater begeistert hatten. Im Jahr 1886 ließ er sich hierzu auf dem Mitteltrakt seiner Villa eigens eine Sternwarte errichten. Als astronomischer Laie interessierten ihn vor allem die Landschaften von Mond und Mars. Im Jahr 1897 ließ Lade einen Reliefglobus der Mondoberfläche anfertigen und in den Handel bringen. Begleitend dazu verfasste er ein kleines Heft mit dem Titel: „Kurze Beschreibung des Mondes. Eine populäre Erläuterung zum Mondglobus von Eduard von Lade“. Über seine astronomische Leidenschaft schrieb er: „Die Astronomie erweitert wie keine andere Wissenschaft des Menschen Blick und erhebt ihn über engherzige Auffassungen. Sie läutert und festigt das Gottvertrauen.“ Im Jahr 1891 gehörte er zu den 19 Gründungsmitgliedern der „Vereinigung und Freunden der Astronomie und kosmischen Physik“ (V.A.P.). Später interessierte ihn vor allem die Gewinnung von Solarenergie. Er veröffentlichte 1903 ein kleines Ideenpapier mit dem Titel: „Das Problem der unmittelbaren Ausnutzung der Sonnenenergie und ein neuer Vorschlag zu seiner Lösung“.
Ihm zu Ehren erhielten der Komet „Eduarda“ sowie die Mondlandschaft „Lade“ ihre Namen.

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Die Villa Monrepos

Zu Beginn der 1860er Jahre kam Lade in seine Heimatstadt Geisenheim zurück. Am Westrand der Stadt ließ er sich eine ansehnliche Villa errichten, welche jedoch zunächst nur aus dem heutigen Westflügel bestand. Lade gab seinem Anwesen den Namen „Monrepos“ (Meine Ruhe) und zog damit symbolisch einen Schlussstrich unter seine aufreibende berufliche Tätigkeit. Erst im Jahr 1873 ließ er den Bau in die heutige, schlossartige Form bringen. Von Anfang an gehörte zur Villa eine weitläufige Garten- und Parkanalage, bei deren Planung Lade von internationalen Fachleuten unterstützt wurde.
Rückblickend schrieb er: „In Geisenheim wurde meine Lieblingsbeschäftigung die friedliche Arbeit im Garten, die Ausführung von gärtnerischen Anlagen aller Art. Ganz besonders interessierte ich mich für die Obstzucht.“ Die gesamte Anlage, welche als Lehr- und Schaugarten stets für interessierte Gäste offenstand, wurde schnell weit über den Rheingau hinaus berühmt. Zeitweise waren zum Unterhalt sieben Gärtner, weitere Gehilfen, Lehrlinge und acht Tagelöhner beschäftigt.  Im Jahr 1893 veröffentlichte Lade einen praktischen Gartenratgeber mit dem Titel: „Der Obst- und Gartenbau in Monrepos.“

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Das Niederwalddenkmal

Lade war Zeit seines Lebens ein glühender Anhänger der preußischen Monarchie und auf seine guten Beziehungen zu Reichskanzler Bismarck und Kaiser Wilhelm I. war er stets besonders stolz.
Nachdem Ferdinand Hey‘l im Jahr 1871 den Rüdesheimer Niederwald als Platz für ein neues Nationaldenkmal vorgeschlagen hatte, wurde Lade zu einem der aktivsten Unterstützer dieses Projektes. Als Mitglied des „geschäftsführenden Ausschuss“ nahm er an zahlreichen Besprechungen teil und kümmerte sich zunächst vor allem um die Gewinnung von Spenden. 1874 besichtigte Kaiser Wilhelm I. den Niederwald und war dabei auch zu Gast in Lades Villa Monrepos. Bei der Grundsteinlegung im Jahr 1877 organisierte Lade in der Rüdesheimer Rheinhalle ein Festbankett für die zahleichen Gäste, zu denen erneut auch Kaiser Wilhelm I. gehörte. Zum Gedenken daran ließ Lade ein aufwendig gestaltetes Erinnerungsbuch drucken und verteilen. Auch an der Organisation der Einweihungsfeierlichkeiten im Jahr 1883 war Lade an zentraler Stelle beteiligt.

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Gründung der Lehranstalt

Am 19. Oktober 1866, kurz nachdem der Rheingau preußisch geworden war, schickte Lade dem preußischen König eine aus elf Kisten bestehende Obstsendung, verbunden mit der Bitte, in Geisenheim eine pomologische Hochschule mit angeschlossenen Mustergärten zu errichten. Nach schwierigen politischen Verhandlungen und der Überwindung einer Konkurrenzbewerbung der Stadt Kronberg im Taunus, erfolgte am 9. August 1871 in Geisenheim die Grundsteinlegung. Die Stadt hatte zuvor für den Bau der Anstalt größere Flächen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Schon am 19. Oktober 1872 konnte die neue Königliche Lehranstalt für Obst- und Weinbau eingeweiht werden. Lade war bereits 1869 zu deren technischem Leiter bestimmt worden und koordinierte sämtliche Baumaßnahmen, entwarf die Satzung und organisierte die Pflanzungen in Park und Mustergarten. Infolge interner Führungskämpfe trat er jedoch kurze Zeit später von seinem Amt zurück und wirkte fortan nur noch im Kuratorium der Anstalt. Aber auch dort trat er später enttäuscht zurück. Mit seinen Bemühungen um die Gründung der Lehranstalt, welche er später als seine „Lieblingsidee“ bezeichnete, hat Lade die weitere Entwicklung Geisenheims als Schulstandort entscheidend geprägt und gleichzeitig die Grundlagen für die heutige Hochschule gelegt.

Die Rheinkorrektur

Lange Zeit hat sich Lade intensiv für den Erhalt der Rheingauer Rheinlandschaft engagiert. Hintergrund waren die seit den 1850er Jahren im Rheingau immer stärker einsetzenden Baumaßnahmen im Zuge der sogenannten Rheinkorrektur. Dabei sollte zwischen Mainz und Bingen der Flusslauf durch Buhnen verkleinert und somit für die immer stärker werdende (Dampf-)Schifffahrt nutzbar gemacht werden. Als Vorsitzender des Rheingauer Strombau-Vereins veranlasste Lade die Erstellung unterschiedlicher Petitionen und forderte dabei stets die Einstellung aller Korrektionsbauten. Unter Nutzung seiner Kontakte zu Reichskanzler Bismarck und Kaiser Wilhelm I. konnte er zwischenzeitlich sogar eine Einstellung aller Arbeiten im Rheingau erreichen. Doch die technische Entwicklung ließ sich nicht aufhalten und nachdem zwischenzeitlich sogar eine Kommission des Reichstages eingesetzt worden war, wurden die Korrektionsbauten in den 1880er Jahren gegen Lades Willen fortgeführt. Dass bei deren Ausführungen die Belange der Uferbewohner berücksichtigt wurden, bleibt jedoch sein Verdienst.

Tod und Erinnerung

Am 8. August des Jahres 1904, abends gegen 20:00 Uhr, verstarb Lade hochbetagt im Alter von 87 Jahren und weitestgehend vereinsamt in seiner Villa Monrepos an Altersschwäche. Im Mausoleum der Familie, welches auf dem alten Friedhof erhalten geblieben ist, fand er seine letzte Ruhestätte. Im Nachruf des Geisenheimer Magistrates hieß es: „Wir betrauern in dem heimgegangenen unseren Ehrenbürger, der sich um die Stadt Geisenheim hervorragende Verdienste erworben hat. Ein genial veranlagter Mann von ganz außerordentlicher Tatkraft, der aus kleinen Anfängen heraus zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten Deutschlands wurde.“ Seine Villa Monrepos sowie weite Teile seines Vermögens hatte Lade bereits  vor seinem Tod in die „Freiherr-von-Lade-Stiftung“ überführt, welche im Jahr 1907 vom preußischen Staat angenommen wurde. Sein persönlicher Nachlass ist heute hingegen weitestgehend verschwunden. Mit den beiden Bänden seiner Lebenserinnerungen sowie seinen sonstigen Schriften hat er der Nachwelt allerdings ein lebendiges Zeugnis seines Lebens sowie des 19. Jahrhunderts hinterlassen. Neben dem Denkmal im Park der Hochschule erinnert heute noch die im Jahr 1971 nach ihm benannte „Von-Lade-Straße“ an den ersten Ehrenbürger der Hochschulstadt Geisenheim.

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