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Astronaut Thomas Reiter referierte über die Exploration des Weltraums

NASA/Kim Shiflett

Im Rahmen der 41. Nassauer Tafel, einer angesehenen und hochkarätig besetzten  Netzwerkveranstaltung der regionalen Wirtschaft und der ansässigen Institutionen, die durch den Bundestagsabgeordneten des Rheingau-Taunus Kreises, Klaus-Peter Willsch, regelmäßig durchgeführt wird, referierte der deutsche Astronaut und ESA Interagency Coordinator Brigadegeneral, Thomas Reiter, einen hochinteressanten Vortrag über „Die Exploration des Weltraums – aktuelle Höhepunkte und zukünftige Entwicklungen“.

Gastgeber war der Geisenheimer Alumniverband – VEG-Geisenheim Alumni Association e.V., dessen Präsident, Dipl.-Ing. Robert Lönarz, die Grüße der fast 3.000 Mitglieder überbrachte und die Bedeutung der Geisenheimer weltweit eindrucksvoll darstellen konnte.  Der Hausherr, Hochschulpräsident  Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, begrüßte in der festlich dekorierten Mensa, von Küchenchef Sébastien Loison, den Gastredner und die Gäste mit einem Überraschungswein, der zunächst nicht auf der Menüliste stand.  Das „Geisenheimer Krähennest“ ist ein schmackhafter 2016er Riesling aus einer rekultivierten Weinbauterrasse in Rüdesheim am Rhein. In diesem dauerhaft von Studierenden durchgeführten Projekt geht es um die Rekultivierung uralter Weinbau-Terrassen, welche Jahrzehnte lang brachlagen. Auf 2800qm, 14 Terrassen mit 17 Studierenden und  1600 Riesling-Reben wird dieser Premiumwein erzeugt, der als Hochschulwein nur besonderen Gästen präsentiert wird. Hochschulratsvorsitzender, Dr. Rowald Hepp (Schloss Vollrads), überreichte diesen zuletzt  in Berlin an Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich. Der Wein kann ansonsten nur gegen eine großzügige Spende für das Hochschulfundraising erworben werden. 

„Die Nassauer Tafel hat eine besondere Herkunftslegende, die einen konkreten modernen Bezug zur Hochschule hat“, erläutert Klaus-Peter Willsch den anwesenden Führungskräften. 

 „Da das Herzogtum Nassau über keine eigene Universität verfügte, schloss Herzog Wilhelm von Nassau-Weilburg am 29. Oktober 1817 einen Staatsvertrag mit dem Königreich Hannover. Die Königlich-Hannoversche Georg-August-Universität Göttingen wurde dadurch zur Nassauischen Landesuniversität. Um den Studenten einen Anreiz zur Aufnahme des Studiums im 200 bis 300 Kilometer entfernten Göttingen zu bieten, gewährte der Herzog über den Nassauischen Zentralstudienfonds Stipendien in Form einer kostenlosen Verköstigung. Die Stipendiaten konnten also bei einem Göttinger Vertragswirt kostenlos essen. Nutzte ein Nassauer Student dieses Angebot nicht, nahm – so die Legende – häufig ein Fremder, Unbefugter, der sich als Nassauer ausgab, dessen Platz und das freie Mahl - ein. Dadurch seien die studentischen Ausdrücke „nassauern“ und „Nassauer“ entstanden. Diese Begriffe bezögen sich also auf ungebetene Gäste, die auf Kosten und anstelle anderer, nämlich der Nassauer, gegessen und getrunken hätten“ (zusammengefasst durch Wikipedia).

Der halbstündige Vortrag, der von einer langen Fragerunde umrahmt wurde, begeisterte alle Zuhörer. Gespannt lauschte man den Erläuterungen, wie sich eine Landung in einer Sojus-Kapsel anfühlt, welche Beschleunigungskräfte wirken und wie die ISS aufgebaut ist. Unterstützt von vielen Fotos und Videos fühlte man sich fast selbst an Bord.  Sympathisch und begeisternd erläuterte der einstige Kampfjetpilot, der von Dr. Franz Josef Jung als Bundesverteidigungsminister, den Rang eines Brigadegenerals erhielt, die große Bedeutung der Raumfahrt für die Zukunft der Menschheit. Insgesamt fast ein Jahr war der Astronaut auf der MIR und der ISS außerhalb der Erde unterwegs.

„Auch wenn wir keine Raumfahrt betreiben, so suchen wir doch auch in Geisenheim durch  Lehre und Forschung die Antworten auf die Fragen von Morgen“ , betonten Dr. Schultz und Lönarz gemeinsam.  

Eine Gemeinsamkeit konnte der Hochschulpräsident dann doch noch feststellen, denn der Gründer der Hochschule, Freiherr Eduard von Lade, war dem Weltraum auch sehr zugeneigt.

Und so wurde 1935 von der IAU ein Einschlagkrater auf der Mondvorderseite südwestlich des Sinus Medii, südlich des Kraters Godin und nordöstlich von Saunders nach dem deutschen Amateurastronomen, Heinrich Eduard von Lade, offiziell benannt. LADE A-X

„Mich begeistern Astronauten, Menschen die mit ihren eigenen Augen den Blick außerhalb unserer Atmosphäre in die Unendlichkeit richten konnten, natürlich seit der Kindheit“, sprach Alumni-Präsident Lönarz, der schon die Astronauten Alexander Gerst, Prof. Dr. rer.nat. Dr.-Ing.e.h. Ernst Messerschmid, NASA-Astronaut TJ Creamer und ESA-Generaldirektor  Prof. Dr.-Ing. Johann-Dietrich Wörner über den langjährigen Vorsitzenden der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt MdB Klaus-Peter Willsch,  in Geisenheim zu Gast hatte. 

Auf die abschließende Frage von Vera Jung, Event-Managerin, u.a. des Ball des Weines „ob er je Angst gehabt habe“, antworte Thomas Reiter spontan „Nein, aber immer großen Respekt vor der Aufgabe und der Unendlichkeit“.

Kategorien: Alumni

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