Professur für Freiraumplanung und ökologische Stadtentwicklung

Planung und Governance urbaner grüner Infrastruktur in Europa: GREEN SURGE Nachfolgestudie 2020

Wie reagiert die Planungspraxis auf das zunehmende öffentliche Bewusstsein für Auswirkungen der Erderwärmung und des Artensterbens und für soziale Ungerechtigkeiten? Aufbauend auf dem EU-Projekt GREEN SURGE haben wir 2020 und 2021 in einer Nachfolgestudie mit europäischen Partner:innen die Veränderungen in der Freiraumplanung und -governance in elf europäischen Städten in den vergangenen Jahren untersucht.

Die Ergebnisse beruhen auf Expert:innen-Interviews mit Planungsverantwortlichen in Aarhus (Dänemark), Barcelona (Spanien), Berlin (Deutschland), Bristol (Großbritannien), Edinburgh (Großbritannien), Helsinki (Finnland), Linz (Österreich), Lissabon (Portugal), Ljubljana (Slowenien), Malmö (Schweden) und Utrecht (Niederlande). Die Befragungen zeigen, dass sich Planende der anstehenden Herausforderungen bewusst sind. Vielfach sind in den vergangenen Jahren neue Planwerke wie Klimaanpassungskonzepte oder Biodiversitätsstrategien entstanden. Vielfach wird dem Stadtgrün eine größere Bedeutung zugemessen und zum Teil hat sich die Mitsprache in Stadtentwicklungsprozessen oder die finanzielle und personelle Ausstattung in den betroffenen Fachämtern verbessert, allerdings wird die Ausstattung zumeist als ungenügend angesichts der zunehmend komplexen Aufgaben gesehen. In einigen Städten wurden auf übergeordneter Ebene tiefgreifende Veränderungen der Planungs- und Verwaltungskultur eingeleitet und eine stärkeren Mitgestaltung der städtischen Grünflächen durch Bürgerinnen etabliert. Insgesamt erscheinen substanzielle Veränderungen innerhalb der bürokratischen Strukturen der Stadtverwaltungen jedoch schwierig und selten. Für einen radikaleren Systemwandel wären daher erhebliche zusätzliche Anstrengungen erforderlich.#

Eine Veröffentlichung der Nachfolgestudie ist in Vorbereitung.

Laufzeit: 2010 – 2022

Leitung: Rieke Hansen (Hochschule Geisenheim), Marleen Buizer und Arjen Buijs (Wageningen University & Research), Stephan Pauleit (Technische Universität München)

Mitwirkende: Thomas Mattijssen, Sander van der Jagt und Gilles Havik (Wageningen University & Research), Hanna Fors und Thomas B. Randrup (Swedish University of Agricultural Sciences), Nadja Kabisch (Leibniz Universität Hannover; Humboldt-Universität zu Berlin), Mandy Cook and Bianca Ambrose-Oji (Forest Research), Tim Delshammar (VA SYD), Sabrina Erlwein und Werner Rolf (Technische Universität München), Kati Vierikko und Hanna Nieminen (Finnish Environment Institute), Johannes Langemeyer und Camille Soson Texereau (Universitat Autònoma de Barcelona), Ana Catarina Luz (ISEG Lisbon School of Economics and Management), Mojca Nastran (University of Ljubljana), Anton Stahl Olafsson and Maja Steen Møller (University of Copenhagen), Dagmar Haase (Humboldt-Universitat zu Berlin, Helmholtz-Centre for Environmental Research – UFZ), Cristina Branquinho (Universidade de Lisboa), Jakub Kronenberg (University of Lodz), Cecil Konijnendijk (Nature Based Solutions Institute)

Hintergrund „Urbane grüne Infrastruktur als ein Konzept für europäische Städte“

Im Jahr 2014 hat das europäische Forschungsprojekt GREEN SURGE Daten über den Stand der Freiraumflächenplanung und -verwaltung in 20 europäischen Städten gesammelt und damit einerseits die Vielfalt der europäischen Städte, andererseits aber auch ihre Gemeinsamkeiten wie den Druck auf Grünflächen durch Verdichtung, die Bewältigung der Klimawandelfolgen oder die Suche nach inklusiveren und gerechteren Entscheidungsprozessen deutlich gemacht.

Die Ergebnisse des GREEN SURGE-Projekts bieten eine einzigartige Gelegenheit für einen solchen Vergleich, da diese Studie die bisher umfassendste und tiefgreifendste zur europäischen Freiraumplanung und -governance war.

Im Rahmen des GREEN SURGE-Projekts wurde auch ein Planungskonzept für grüne Infrastruktur in urbanen Räumen entwickelt, an dessen Prof. Rieke Hansen maßgeblich mitgewirkt hat. Weiterhin wurden umfassende Erkenntnisse im Bereich Governance zusammengetragen. Wesentliche Ergebnisse wurden als Planungsleitfäden aufbereitet.

Ausgewählte Veröffentlichungen