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Geisenheim ist international – Rudolf-Hermanns-Stiftung

„PREISVERGABE Stiftung honoriert Arbeiten von vier Wissenschaftlern mit 17 500 Euro

Nachdem 2009 in Person von Manfred Stoll erstmals nach 13 Jahren ein Geisenheimer Wissenschaftler einen Preis der Rudolf-Hermanns-Stiftung erhalten hatte, ist die Gruppe der in diesem Jahr ausgezeichneten Akademiker sehr international. Jeweils 5 000 Euro erhalten der im schweizerischen Wädenswil arbeitende Amerikaner Brion Duffy, Henryk Flachowsky aus Dresden und Stefano Poni aus Piacenza in Italien. Mit 2500 Euro honoriert die Stiftung die Doktorarbeit Aurélie Rolands aus Montpellier (Frankreich).

Die Preisträger haben sich mit komplexen Themen des Garten- und Weinbaus beschäftigt. Die Pflanzenkrankheit Feuerbrand hat Duffy erforscht, das Erbgut betrachtet und Beispiele für Gegenmaßnahmen in der Züchtung und beim Chemikalien-Einsatz erarbeitet. Die schnellere und kostengünstigere Züchtung von Obstbäumen ist das Metier Flachowskys. Vor allem die frühe „juvenile Phase“ könne mit gentechnischen Verfahren verkürzt werden.

Mit Entlaubung im Weinbau befasst sich Poni. Der Einfluss von Oxidation auf Aroma-Faktoren bei Melon- und Sauvignon-Blanc-Weinen im Loiretal stehen im Zentrum von Rolands Arbeit. Die meisten Projekte wurden in der Villa Monrepos in englischer Sprache vorgestellt, ehe Kuratoriumsvorsitzender Matthias Bunge die Preise überreichte, die mittlerweile im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben werden.

Seit 1991 zeichnet die Organisation wissenschaftliche Leistungen aus und hat seither dabei laut eigenen Angaben rund 390 000 Euro ausgeschüttet. Um die Liquidität gibt es keine Sorgen: „Die Stiftung ist gut durch die ökonomische Krise gekommen“, versicherte Hans Reiner Schultz. Der Direktor der Forschungsanstalt ist Vorstandsmitglied der Stiftung.

Zu den Feiern gehört stets ein Festvortrag, der diesmal dank des Referenten ebenfalls einen internationalen Blickwinkel besaß. Klaus-Dieter Jany ist ein Professor im Ruhestand, der bis 2008 in Karlsruhe ein Molekularbiologisches Zentrum geleitet hat. Heute ist er für die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit in Parma und als Vizepräsident der Wadi-International-Uni in Syrien tätig.

„Deutschland – ein Land frei von gentechnisch veränderten Lebensmitteln?“ lautete der Titel seines Festvortrags. Die derart gestellte Frage verneinte er im Laufe seiner Rede und erklärte: „Alle essen sie, alle fühlen sich wohl, aber keiner traut sich, das zu sagen.“ Kritisch sei diese Erkenntnis vor allem bei der Ernährung. In der Medizin, bei Waschmitteln oder genveränderten Baumwollstreifen im Papiergeld stellten sich keine Probleme.

Diffizil sind nach Janys Worten die Gesetze zu den Kennzeichnungspflichten. Die Vorgaben gälten beispielsweise für Wein aus gentechnisch veränderten Trauben, nicht jedoch für den Einsatz gentechnisch veränderter Hefen.“

Kategorien: Gartenbau (B.Sc.), International, Weinbau und Oenologie (B.Sc.), Rudolf-Hermanns-Stiftung, Nachrichten