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Landschaftsarchitektur: Fachtagung „Mit Stadtnatur gestalten - Jetzt!“ zur Förderung von Biodiversität in Kommunen durch die Städtebauförderung und Stadtnatur-Pläne

Die Folgen von Klimawandel und Verlust der biologischen Vielfalt verlangen schnelles Handeln – auch von Städten und Gemeinden. Sinnvolle Maßnahmen sind bekannt, müssen jedoch flächig umgesetzt und die grüne Infrastruktur angemessen unterhalten werden. Die Online-Tagung "Mit Stadtnatur gestalten – Jetzt!" am 07. März 2024 stellte Chancen für mehr Stadtnatur zur Diskussion. Neben den Möglichkeiten der Städtebauförderung ging es dabei auch um Stadtnatur-Pläne als ambitionierte Strategien für grünere Städte.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Forschungsprojekts “BioVibeS - Biologische Vielfalt berücksichtigen in der Städtebauförderung” mit mehr als 140 Teilnehmenden statt und wurde von der Hochschule Geisenheim und dem Ecologic Institut Berlin veranstaltet und vom Bundesamt für Naturschutz gefördert. Prof. Dr. Rieke Hansen, Professorin für Freiraumplanung und ökologische Stadtentwicklung der Hochschule Geisenheim, und McKenna Davis, Senior Fellow des Ecologic Instituts und Koordinatorin für Naturbasierte Lösungen, haben die Veranstaltung zusammen moderiert.

Die Referentinnen und Referenten haben Einblicke aus kommunaler Perspektive, Forschungs- oder Fachverbandssicht gegeben. Im ersten Block ging es um die Möglichkeiten der Städtebauförderung. Lena Enderich, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule Geisenheim, präsentierte Erkenntnisse aus dem Projekt “BioVibeS”. Dabei präsentierte sie strategische Anknüpfungspunkte, wie Biodiversität aktiv im Rahmen der Städtebauförderung gefördert werden kann und welche Handlungsfelder Gemeinden diesbezüglich offenstehen. Thomas Pieper, Leiter der Abteilung Stadterneuerung des Amtes für Stadtplanung und Mobilität der Landeshauptstadt Dresden, unterstrich in seinem Vortrag die Dringlichkeit, Biodiversität sowie Klimaanpassung und Freiraumqualität in der Stadterneuerung zusammenzudenken. Dies zeigt als Beispiel guter Praxis das Projekt „Blaues Band Gerberbach“, welches einen grün-blauen Korridor für Naturschutz und Erholung entwickelt. Entscheidend sei vor allem die Finanzierungsfrage, die Überzeugung von Politik und Öffentlichkeit und ein stärkerer rechtlicher Rückhalt der Belange. Joachim Gerth, Referatsleiter im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Referat S II 1 – Allgemeine Angelegenheiten der Städtebauförderung und -förderpolitik), hob die vielseitige Einsetzbarkeit des Instrumentes der Städtebauförderung auch für die Biodiversität hervor. Im urbanen Raum sei es zentral, verschiedene Belange miteinander abzuwägen und eine ausgewogene Lösung für Grün und Bebauung zu finden. Neben der Städtebauförderung gäbe es weitere Programme, die beispielsweise zur Anpassung an den Klimawandel in Kommunen genutzt werden könnten.

Im zweiten Block ging es um Planungsstrategien zur Förderung von Stadtnatur. Prof. Dr. Rieke Hansen präsentierte das Konzept der Stadtnatur-Pläne zur Umsetzung der EU- Biodiversitätsstrategie 2030. Die Biodiversitätsstrategie sieht vor, dass alle europäischen Städte „Urban Greening Plans” aufstellen. Wie Kommunen diese ausgestalten können und welche Inhalte und Möglichkeiten sie bieten, aber auch auf welchen Instrumenten Kommunen aufbauen können, wurde vorgestellt. Zudem wurde der Leitfaden “Stadtnatur-Plan: Lebensqualität, Klima und biologische Vielfalt zusammendenken” als Entwurf präsentiert, der Kommunen eine ausführliche Anleitung bieten wird, um das neue Instrument anzuwenden. Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig, stellte den “Masterplan Grün – Leipzig grün-blau 2030” vor. Aufbauend auf einem integrierten Stadtentwicklungskonzept und einer Freiraumstrategie adressiert der Plan die Biodiversität als eines von fünf Leitthemen. Als besonders bedeutsam hob der Referent den Bestandsschutz durch Festlegung eines planungsrechtlich gesicherten “Kern-Netzes” und Anreizsysteme für Flächen im Privateigentum hervor.

Im dritten Block ging es um aktuelle Perspektiven aus der Forschung und um die Frage, wie transdisziplinäre Zusammenarbeit die Entwicklung der Stadtnatur unterstützt. Prof. Monika Egerer, Professorin für Urbane Produktive Ökosysteme an der TU München, berichtete zu ihrer transdisziplinären Forschung in Gemeinschaftsgärten mit dem Ziel, Modelllösungen für eine Erhöhung urbaner gärtnerischer Biodiversität zu entwickeln. Prof. Henrik Schultz, Professor für Landschaftsplanung und Raumentwicklung an der Hochschule Osnabrück, erläuterte anhand des transdisziplinären Projekts “Grüne Finger Osnabrück” und weiteren Planungsvorhaben, wie diskursive und kreative Beteiligungsformate zur Entwicklung gemeinschaftlicher Visionen für Freiraumsysteme beitragen.

In der abschließenden Podiumsdiskussion zu Hürden und Stellschrauben für mehr Stadtnatur verwies Anke Bosch als Vertreterin der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz auf eine Bandbreite an Herausforderungen: Neben der Sensibilisierung von Bürger:innen und Politik sei eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit entscheidend. Auch müssten die positiven Wirkungen von Grün in städtischen Bilanzierungen wirtschaftlichen Erwägungen gegenübergestellt werden.  Robert Spreter, Geschäftsführer des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“, empfahl den Wert von Stadtnatur gegenüber Bürger:innen und Politik noch stärker zu kommunizieren und engagierte Personen vor Ort zu unterstützen. Zur Frage, wie die Bemühungen für Stadtnatur verbreitet werden können, schlug Monika Egerer gutes Kommunikationsmanagement und Wissenstransfer über Netzwerke und Events vor. Um ko-kreative Prozesse zu gestalten, sei es laut Henrik Schultz zentral, die Akteur:innen vor Ort über passende Formate mit spezifischer Ansprache zu informieren. Abschließend appellierten die Diskutant:innen gemeinsam für mehr Mut, in der kommunalen Praxis neue Wege zu gehen und gemeinsam mit Beteiligten Win-Win-Situationen zu schaffen.

Der Leitfaden “Stadtnaturplan - Lebensqualität, Klima und biologische Vielfalt zusammendenken” und weitere Ergebnisse des Projektes “BioVibeS” werden im Laufe des Jahres veröffentlicht unter https://www.hs-geisenheim.de/stadtnatur-planen-und-gestalten/stadtnatur-und-biologische-vielfalt-foerdern/

 

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