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„Wein ist ein endloses Thema“: Nachwuchssommelier des Jahres Sebastian Vögele schließt Studium an der Hochschule Geisenheim ab

Medizinstudium oder Kochausbildung: Vor dieser Entscheidung stand Sebastian Vögele nach seinem Schulabschluss. Die Wahl fiel auf die Berufsausbildung. Zum Ende des Sommersemesters 2023 hat der 25-Jährige auch das nachfolgende Bachelorstudium Internationale Weinwirtschaft (B.Sc.) an der Hochschule Geisenheim erfolgreich abgeschlossen. Parallel zum Studium hat er ganz nebenbei die Ausbildung zum Sommelier an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Koblenz durchlaufen – und wurde kurze Zeit später vom Weinfachverlag Meininger zum Nachwuchssommelier des Jahres 2023 gekürt.

„Nach meiner Ausbildung wollte ich direkt weiterlernen und hatte Lust, auch sehr viel mehr theoretisches Wissen zu erlangen“, erklärt der frischgebackene Absolvent die Entscheidung für das Studium in Geisenheim. Da er später den familieneigenen Gastronomiebetrieb am Bodensee übernehmen möchte, lag sein Fokus vor allem auf Fächern wie Marketing, Betriebswirtschaftslehre und Business Plan. „Gleichzeitig habe ich im Wein eine wunderbare Möglichkeit entdeckt, meine Faszination für Naturwissenschaften mit Leben zu füllen“, berichtet Vögele mit Blick auf Module wie Weinchemie, Mikrobiologie und natürlich die Oenologie.

Bereits seine Ausbildung in Brenners Park-Hotel & Spa, Baden-Baden, hatte die Leidenschaft für den Wein entfacht. Es sei ungewöhnlich gewesen, dass er als Koch an Weinproben habe teilnehmen wollen. „Aber beim Wein lernt man vom Essen und beim Essen kann man vom Wein lernen“, erklärt er die Synergien für seine Profession. Über sich selbst sagt er, dass er an Verkostungen „sehr analytisch“ herangehe. Diese seien für ihn eine „Kombination von Nase und Gehirn“ – eine Kombination, die er durch die Verbindung des Studiums mit seiner Sommelier-Ausbildung weiter trainierte. Dazu kamen Praktika im Weingut Heger und Fürst, im Weinhandel Weinfurore und dem Restaurant JAN von 3-Sterne-Koch Jan Hartwig in München.

An seinen ersten Sommelierwettbwerb im März, keine drei Monate nach Abschluss der Sommelierschule, sei er mit Lockerheit und dem nötigen Ehrgeiz herangegangen. „‚Dabei sein ist alles‘ ist ein schönes Motto – aber das zählt nicht“, betont Vögele. „Für mich war klar: Ich muss alles geben, damit ich weiß, wo ich in dieser Top-Konkurrenz stehe.“ Und das Ergebnis war eindeutig. Sebastian Vögele verdiente sich mit deutlichem Abstand die Auszeichnung Nachwuchssommelier des Jahres 2023.

„Ich bin glücklich, dass ich mein Talent zeigen konnte“, sagt Vögele. Gleichzeitig wolle er sich auf dem Erfolg nicht ausruhen, sondern darauf aufbauen. Das Größte für ihn sei deshalb das Stipendium für das Sommelier College, das er neben der Auszeichnung gewann. „Wein ist ein endloses Thema, jeder Jahrgang ist anders. Und jedes Mal merke ich, dass ich nichts weiß“, sagt er ganz bescheiden. Fortbildungen stehen deshalb auch künftig ganz oben auf Vögeles Prioritätenliste. Was dabei nach seiner Einschätzung eine wichtige Rolle spielt: „Die Gastronomie braucht in Zukunft viele Innovationen, die sich selbst tragen müssen.“

Ein mögliches Feld dafür untersuchte er in seiner Bachelorthesis. In Experteninterviews lotete er die Akzeptanz und Verbreitung von alkoholreduzierten und -freien Weinen in der gehobenen Gastronomie aus. „Hier muss noch viel passieren, was den Geschmack angeht“, so der junge Sommelier, der aus eigener Kocherfahrung weiß, dass in der Gastronomie häufig individuell entwickelte Weinalternativen zu den Gerichten angeboten werden. Einblicke in seine Arbeit gab er auch beim 1. Geisenheimer Zukunftssymposium Anfang Juni. Nach seinem Abschluss an der Hochschule Geisenheim, von dem er nicht nur theoretisches und praktisches Wissen, sondern auch „das starke Netzwerk“ mitnimmt, will Vögele zunächst zurück in die Küche und dort – natürlich – „noch mehr lernen“.

Kategorien: International Wine Business (B.Sc.), Internationale Weinwirtschaft (B.Sc.), Alumni, Nachrichten

Bilderreihe

Sebastian Vögele mit Studiengangsleiter Prof. Dr. habil. Jon Hanf bei der Akademischen Abschlussfeier.