Gartenbau (B.Sc.) – Nachhaltige Produktion – Dienstleistung – Urbanes Grün

Praxisnah studieren, mit modernen Methoden und Technologien arbeiten

Der Gartenbau verbindet angewandte Biologie und Pflanzenwissenschaften mit innovativen Technologien und Dienstleistungsangeboten. Er bietet Nachwuchsfachkräften ein vielfältiges Betätigungsfeld. Denn die Branche bearbeitet zentrale Fragestellungen und neue Querschnittsaufgaben: Wie können Anbauer Ressourcen – Land, Wasser, Nährstoffe – effizienter nutzen? Wie kann Pflanzenschutz zur Sicherung der Qualität und des Ertrags von hochwertigen Nahrungsmitteln beitragen, ohne die Umwelt zu belasten? Und wie kann urbanes Grün das Mikroklima in Städten verbessern?

Genau diese Fragen stehen auch im Bachelor-Studium Gartenbau an der Hochschule Geisenheim im Mittelpunkt. Studierende lernen innovative Methoden und Technologien in den Bereichen Produktion, Vermarktung und Vertrieb von Obst, Gemüse und Zierpflanzen kennen. Sie beschäftigen sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel und Stadtgrün.

Das Studium an der Hochschule im Rhein-Main-Gebiet ist geprägt von einer großen Praxisnähe. In Übungen, Projekten, Exkursionen und Praktika heißt es: Raus aus dem Hörsaal! Die Hochschule Geisenheim verfügt über großzügige Forschungsflächen und Gewächshausanlagen. Durch eine individuelle Kombination der angebotenen Schwerpunkte Nachhaltige Produktion sowie Handel, Dienstleistung und Management und Urbanes Grün können Studierende sich entsprechend ihres Berufswunsches profilieren. Sie haben außerdem die Möglichkeit, sich auf eine Tätigkeit als Berufsschullehrerin oder -lehrer für den Gartenbau zu spezialisieren.

Ihre Ansprechpartner für die Studien- und Vorpraktikumsberatung

Eike Kaim
Dipl.-Ing. Agr. Eike Kaim
Gebäude 5903
Raum 4
Tel. +49 6722 502 384
Eike.Kaim(at)hs-gm.de Details
Inhalte des Gartenbau-Studiums

Das Basisstudium

Das Gartenbau-Studium erstreckt sich über sieben Semester. In den ersten drei Semestern, dem Basisstudium, beschäftigen sich Studierende intensiv mit den Produktionssystemen für Gemüse, Obst, Zierpflanzen und Gehölze. Die naturwissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Grundlagen er­lernen sie in Modulen wie Botanik, Bodenkunde und Pflanzenernährung, Pflanzenökologie, Betriebswirtschaftslehre sowie Technik und Digitalisierung.

Das berufspraktische Semester

Im 4. Semester absolvieren die Studierenden ein mindestens 18-wöchiges Betriebspraktikum im In- oder Ausland. Dabei lernen sie die Prozesse im Unternehmen sowie die Herausforderungen und gartenbaulichen Fragestellungen der Praxis kennen.

Eine junge Frau und ein junger Mann stehen in einem Gewächshaus auf den zwei Seiten einer begrünten Wand. © Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher
Eine Person im Laborkittel vergleicht Erdbeeren mit einer Schautafel. © Hessen schafft Wissen / Steffen Boettcher
Ein Student und seine Dozentin sitzen vor einer technischen Installation und führen Messungen durch © Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher
Eine junge Frau im Laborkittel sitzt vor einem Mikroskop, das an einen Bildschirm angeschlossen ist. Neben ihr steht eine rot blühende Pflanze.  © Hessen schafft Wissen / Steffen Boettcher
Eine Person notiert etwas auf einem Blatt Papier, daneben liegen eine Lupe und Pflanzenteile © Hochschule Geisenheim / ppsstudios.com
Zwei Personen arbeiten mit kleinen Pinseln an gelb blühenden Pflanzen.  © Hessen schafft Wissen / Steffen Boettcher

Das Profilstudium

Vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen in den Unternehmen der Branche wählen die Studierenden ab dem 5. Semester ein individuelles Profil. Sie belegen dazu zwei von drei Schwerpunkten:

  • Der Schwerpunkt Nachhaltige Produktion vermittelt umfangreiche Kompetenzen im Bereich der Produktion und Technologie gartenbau­licher Erzeugnisse.
  • Zum Schwerpunkt Handel, Dienstleistung und Management gehö­ren Module wie Marketingmanagement, Rechnungswesen und Cont­rolling, Unternehmens- und Mitarbeiterführung.
  • Der Schwerpunkt Urbanes Grün vermittelt mit Modulen wie Standort- und Pflanzenkunde, Stadtklima und Gebäudebegrünung die Kompetenzen zur Verwendung und Werterhaltung von Pflanzen im urbanen Raum.

Im gesamten Studium verbinden die Studierenden Theorie und Praxis: In Projekten entlang der Wertschöpfungskette vermitteln die Lehrenden ihnen anwendungsorientiert gartenbauliche Inhalte – und dazu Schlüsselqualifi­kationen wie Fachfremdsprachen, Zeitplanungs- und Projektmanagement.

Aus Geisenheim in die Welt

Der Gartenbau ist eine globalisierte Branche. Deshalb unterstützt die Hochschule Geisenheim Studierende, die während ihres Studiums ein Auslandssemester absolvieren wollen, tatkräftig. Jeder dritte Studierende an der Hochschule Geisenheim leistet sein Berufspraktisches Semester im Ausland ab. Dank der vielen Kooperationen ist das überall auf der Welt möglich – von Kenia über Südamerika, den USA und Finnland bis hin nach Neuseeland.

Spezialisierung Berufsschullehrer/-in
Zwei Studentinnen sitzen an einem Tisch; eine betrachtet eine Pflanze, die andere notiert etwas © Hochschule Geisenheim / ppsstudios.com

Im Gartenbau-Studium an der Hochschule Geisenheim können sich Interessierte auf eine Tätigkeit als Berufsschullehrerin oder -lehrer vorbereiten. Sie verbinden in ihrer Ausbildung die spannenden gartenbaulichen Inhalte mit didaktischen und pädagogischen Modulen. Die Spezialisierung ist für alle diejenigen das Richtige, die ihr Wissen über Pflanzen, Biologie und Gartenbau später weitergeben wollen.

Der Bedarf an Berufsschullehrern für den Bereich Gartenbau ist an Deutschlands Berufsschulen sehr groß. Deshalb hat die Hochschule Geisenheim mit der TU Darmstadt eine einzigartige Kooperation entwickelt: Nach dem Abschluss als Bachelor of Science Gartenbau in Geisenheim können die Studierenden ins Studium „Lehramt an beruflichen Schulen“ an der TU Darmstadt einsteigen. Dort erwerben sie den Abschluss Master of Education.

Wer sich für die Spezialisierung Berufsschullehrer/-in entscheidet, belegt im vierten und fünften Semester seines Gartenbau-Studiums pädagogische und didaktische Module aus dem Wahlbereich. Diese umfassen auch Lehrproben und schulpraktische Studien an ausgewählten Berufsschulen.

Die rein pädagogischen Module und die Pflichtveranstaltungen des zweiten Fachs besuchen die Studierenden dann im vier-semestrigen Master-Studium „Lehramt an beruflichen Schulen“ an der TU Darmstadt. Als Zweitfach stehen Deutsch, Mathematik, Physik, Geschichte, Politik und Wirtschaft, Ethik, Religion, Informatik und Sportwissenschaft zur Auswahl. Danach folgen das Referendariat an einer gartenbaulichen Berufsschule und das Zweite Staatsexamen.

Studienverlaufsplan für den Bachelor-Studiengang Gartenbau (B.Sc.)

Zur Profilierung belegen Sie zwei der drei Vertiefungsrichtungen. Pro Vertiefungsrichtung absolvieren Sie (mindestens) eines der angebotenen Wahlpflichtmodule sowie je ein Projekt, das sich über ein Semester erstreckt, aber wahlweise im 5. oder 6. Semester absolviert werden kann.

Ihre Perspektiven nach dem Bachelor-Studium

Das Gartenbau-Studium bietet Studierenden eine große individuelle Wahlfreiheit und den direkten Bezug zur Praxis. So können sie nach ihrem Abschluss als Bachelor of Science den Karriereweg einschlagen können, der zu ihnen passt. Sie sind gesuchte Fach- und angehende Führungskräfte einer vielfältigen Branche.

Im Produktionsgartenbau leiten sie Abteilungen oder Betriebe. Auch in Vermarktungseinrichtungen und dem Pflanzenhandel besetzen sie Leitungspositionen. Weitere Stellen finden Absolventinnen und Absolventen bei Behörden und Ämtern, im Pflanzenschutz oder in der grünen Biotechnologie. Eine Wahl des Schwerpunkts Urbanes Grün eröffnet darüber hinaus Jobperspektiven im Projektmanagement, als Baumgutachter, als Mitarbeiterin beziehungsweise Mitarbeiter in Grünflächenämtern oder in der Gebäudebegrünung.

Wissenschaftliche Vertiefung im Master-Studium

Zwei junge Männer stehen neben Rosen, die unter einer hellen Lampe stehen und führen Messungen durch © Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher
© Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher

Das Bachelor-Studium befähigt die Absolventinnen und Absolventen, Fragestellungen nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden zu lösen; die beste Voraussetzung für ein anschließendes Master-Studium. Das viersemestrige Master-Studium Spezielle Pflanzen- und Gartenbauwissenschaften (M.Sc.) an der Hochschule Geisenheim bietet Interessierten beispielsweise eine breite wissenschaftliche Ausbildung im Bereich der pflanzenbaulichen Beratung, Produktion und Forschung. Er qualifiziert Studierende für Führungspositionen im gartenbaulichen Versuchswesen.

Fakten, Fristen und Voraussetzungen auf einen Blick
Studienabschluss Bachelor of Science
Regelstudienzeit 7 Semester
Studienbeginn Wintersemester
Zulassungsvoraussetzung Allgemeine Hochschulreife, Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife oder gleichwertige anerkannte berufliche Qualifikation
Zulassungsbeschränkung keine
Praxisvoraussetzung Studium 12 Wochen Vorpraktikum, davon mindestens 8 bis Vorlesungsbeginn
Praxisanteile Studium Praxisprojekte, Berufspraktisches Projektsemester
Spezialisierung Berufsschullehrer/-in für Gartenbau
Studienfachberatung Dipl.-Ing. Agr. Eike Kaim
Vorpraktikumsberatung Dipl.-Ing. Agr. Eike Kaim
Weiterführendes Studium an der Hochschule Geisenheim Spezielle Pflanzen- und Gartenbauwissenschaften (M.Sc.)
Bewerbungsfrist ab Mai bis Vorlesungsbeginn Wintersemester (siehe Termine und Fristen), Studienbewerber mit ausländischer Hochschulzugangsberechtigung bis 15. August via uni-assist
Informationen zum Vorpraktikum

Neben der Hochschulzugangsberechtigung müssen Sie bei der Einschreibung für das Studium an der Hochschule Geisenheim eine einschlägige Berufsausbildung oder ein Vorpraktikum nachweisen. Warum? Im Vorpraktikum erhalten Sie Einblick in Arbeits- und Produktionsabläufe sowie die Betriebsorganisation von Gartenbau-Unternehmen. Dank des Praktikums haben Sie erste Erfahrungen in Ihrem späteren Arbeitsumfeld gesammelt und wissen, was im Studium auf Sie zukommt.

Die Mindestdauer für das Vollzeitpraktikum beträgt 12 Wochen. Acht Wochen davon müssen Sie bis zum Studienbeginn nachweisen. Die fehlenden vier Wochen können Sie bis zum Start des 3. Semesters nachholen. Die Ausbildungsdauer pro Betrieb muss mindestens vier Wochen betragen. Praktikumsbetriebe sind überwiegend produzierende Unternehmen – Zierpflanzen-, Gemüse-, Samen- oder Obstbaubetriebe – sowie Friedhofs- und Staudengärtnereien und Baumschulen.

Eine junge Frau steht in einem Gewächshaus, im Hintergrund sind mobile begrünte Wände, im Vordergrund rot blühende Pflanzen. © Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher
© Hessen schafft Wissen – Steffen Böttcher

Das Erlernen praktischer Fertigkeiten steht im Vordergrund. Sie sollten nach Abschluss des Praktikums über grundlegende Kenntnisse in einem oder mehreren der folgenden Bereichen verfügen: Böden und Substrate, Pflanzen und deren Verwendungsmöglichkeiten, Kultur- und Pflegemaßnahmen, den Umgang mit Maschinen und Geräten sowie Ernte, Lagermethoden und Absatzmärkte. Eine einschlägige Berufsausbildung erkennen wir als Vorpraktikum an.

Vorlesungszeiten

Die Vorlesungszeiten und Prüfungszeiträume der Hochschule Geisenheim University werden im Senat der Hochschule beschlossen.

Die spezifischen Termine der Studiengänge und der Prüfungstermine (Klausuren) werden in der Geschäftsstelle Prüfungswesen festgelegt. Die Übersicht finden Sie in den spezifischen Informationen zu Ihrem Studiengang.

Forschung rund um Gartenbauwissenschaften und Logistik Frischprodukte an der Hochschule Geisenheim

Bewässerung, Klimawandel und virtuelle Pflanzen im Fokus

Die Forschung am Institut für Gemüsebau ist auf pflanzlichen Wasserhaushalt und Bewässerung, auf Produktqualität und auf die Auswirkungen des Klimawandels in der Gemüseproduktion ausgerichtet. Methodisch arbeiten wir primär mit Feldexperimenten und kombinieren diese mit der Systemmodellierung. Die so gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse dienen der Entwicklung innovativer Technologien und ressourcenschonender Anbausysteme.

Das Ziel der Steuerbarkeit von Gemüsequalität durch Kulturmaßnahmen wird experimentell in Untersuchungen zu wertgebenden Inhaltsstoffen und zur Sensorik verfolgt. Zur zerstörungsfreien Analyse von Qualitätsparametern werden spektroskopische Verfahren getestet und evaluiert.

Die Erforschung des pflanzlichen Wasserhaushaltes im Kontext einer ressourcenschonenden Bewässerungssteuerung steht im Fokus unserer Forschung. Die Wirkung von Trockenstress auf physiologische Prozesse, Ertrag und Qualität werden in empirischen Studien und im Rahmen der Modell-basierten Systemanalyse („virtual crops“) untersucht. Entscheidungshilfesysteme zur Bewässerung von Freilandgemüse werden auf Grundlage der "Geisenheimer Steuerung" durch die Mitwirkung von Nutzern und Praktikern stetig verbessert.

In der Klimafolgenforschung werden die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf die Physiologie, Phänologie, Qualität, Ertrag und letztendlich auf Anbauverfahren von Gemüse ermittelt. In einem FACE- System (Free Air Carbon Dioxide Enrichment) werden die Auswirkungen verringerter Wasserversorgung und erhöhter atmosphärischen CO2-Konzentration erforscht.

Obstbau – nachhaltig und produktiv!

Das Institut für Obstbau arbeitet in den Bereichen des Beeren-, Kern- und Steinobstes. Der Transfer grundlagenorientierter Erkenntnisse in eine nachhaltige Produktion ist oberstes Ziel. Die Hauptarbeitsgebiete sind zurzeit Züchtung und Züchtungsforschung bei Apfel, Birne und bei den Beerenobstarten Rote Johannisbeere und Stachelbeere. Aufbauend auf die Züchtung wird für kolumnare Apfelsorten ein neues Anbausystem erforscht. Weitere Schwerpunkte sind der Wasserhaushalt bzw. die Bewässerung obstbaulicher Kulturen und deren Ertragsphysiologie und Qualitätsbildung, u.a. auch im geschützten Anbau. Fragen zur Dormanz der Erdbeere und der räumlichen Modellierung phänologischer Phasen wie der Beginn der Blüte werden im Bereich klimabedingter Veränderungen des Anbaus erforscht.

 

Von A wie Aussaat bis Z wie Zucht - beim Thema Pflanzen blühen wir auf

In urbanen Innen- und Außenbereichen sind Zierpflanzen und Bäume extremen Umweltbedingungen ausgesetzt. Klimawandelbedingt werden Hitze- und Trockenstressereignisse in der Stadt zukünftig häufiger und in verstärkter Form auftreten und sich auf die dortigen Pflanzen auswirken. Solche Bedingungen stellen besondere Anforderungen an die Pflanzenselektion, die Pflanzenproduktion und die Pflanzenverwendung. Durch die Integration dieser Fachgebiete ist es an unserem Institut möglich, Pflanzen und ihre Physiologie über die gesamte Lebensdauer hinweg zu erforschen. Beginnend bei der Züchtung über die Produktion bis zur Vermarktung und Verwendung von Pflanzen gilt dies sowohl für einjährige Zierpflanzen als auch für jahrhunderte alte Gehölze. Um dieses breite Forschungsfeld zu bearbeiten haben wir internationale, nationale und regionale Netzwerke von Kooperationspartnern aus unterschiedlichen Fachdisziplinen aufgebaut. Neben der Durchführung von grundlagenorientierten Forschungsprojekten legen wir großen Wert auf die Initiierung von angewandten Forschungsprojekten in Kooperation mit der Praxis, z. B. Zierpflanzenbetrieben, Baumschulen, Jungpflanzenbetrieben, Pflanzenzüchtern, Soft- und Hardwareherstellern, Städten und Verbänden. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Stressphysiologie von Pflanzen an urbanen Standorten, die Interaktionen von Mikroorganismen mit Pflanzen und die Verwendung vertikaler Begrünungssysteme im Innen- und Außenbereich.

Meine Wahl, an der Hochschule Geisenheim zu studieren, war goldrichtig. Das Studium zeichnete sich durch Arbeiten in kleinen Gruppen aus – eine intensive und individuelle Betreuung durch die Dozenten war kennzeichnend.Jan A. Solbach, Absolvent Gartenbau (B.Sc.) und Gartenbauwissenschaft (M.Sc.)