StadtBLAU: Neue Perspektiven auf den Heimatort in Zeiten des Klimawandels

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StadtBLAU: Neue Perspektiven auf den Heimatort in Zeiten des Klimawandels

Wassersensible Stadtgestaltung Geisenheim © Anna Bulmahn, Anna Patscheider, Ann-Christin Müller

Studierende des Masterstudiengangs Landschaftsarchitektur erarbeiteten unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Dieterle im Projekt „StadtBLAU“ für ihren derzeitigen Wohnort neue Konzepte zum nachhaltigen Umgang mit Wasser.

StadtBLAU: Neue Konzepte zum nachhaltigen Umgang mit Wasser

Ein nachhaltiger Umgang mit Wasser ist ein Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise. Wie das funktionieren kann, zeigten Studierende des Masterstudiengangs Landschaftsarchitektur unter der Leitung von Prof. Dr. Jan Dieterle, Professor für Entwerfen in der Landschaftsarchitektur, mit ihren Projekten.

Corona-bedingt fand das Projekt ausschließlich digital statt. Was zunächst wie eine Einschränkung wirkte, entpuppte sich als große Chance für die Projektarbeit: Die Studierenden waren aufgefordert, ihren derzeitigen Wohnort unter dem Aspekt „Wasser“ zu betrachten. Entgegen der üblichen Vorgehensweise – normalerweise entwerfen alle Studierenden parallel unterschiedliche Konzepte für ein und denselben Ort – erarbeiteten neun Arbeitsgruppen individuelle Fragestellungen und entwarfen spezifische Konzepte für unterschiedliche Orte. Statt einer eindeutigen Aufgabenstellung bildete die angeleitete Abfolge von Arbeitsschritten den Rahmen für die individuellen studentischen Projekte. Zudem konnten für die Kleingruppenarbeit und Workshops digitale kollaborative Formate eingeführt und erprobt werden. Die resultierende Bearbeitungstiefe der selbst gewählten Projektthemen war beachtlich und vor allem auf die außerordentlich hohe Motivation der Studierenden zurückzuführen.

Das Themenspektrum reichte von der Gestaltung einer Bachlandschaft in Rheinhessen über wassersensible Konzeptionen bis hin zu einem gedanklichen Experiment, das neue Perspektiven auf dies Themen Abwasser, Energie und Partizipation in Wiesbaden eröffnet. Ein sehr weitgehend ausgearbeiteter Vorschlag sieht die Nutzung des Oberflächenwassers der Autobahnen A 60 und A 643 zum Erhalt des Lennebergwaldes in Mainz vor, mit einer Inszenierung der Wasserreinigung, Speicherung, Weiterleitung und Bewässerung. Eine andere Gruppe schlägt die Entwicklung grüner Bänder als Siedlungsrand der Rheingauer Orte vor, mit einem vertiefenden Entwurf für den Ortsrand von Rüdesheim. Die bisherige Rückseite wird zu einer neuen „Adresse“ der Orte und dient gleichzeitig dazu, das Wasser in der Landschaft zu halten und die Siedlungen vor wild abfließendem Wasser zu schützen. In Bad Kreuznach könnte der bisher ungenutzte Flutraum des Ellerbaches mit dem historischen Eiermarkt zur Aufwertung von „Klein-Venedig“ beitragen. Eine andere Arbeit zeigt das Potenzial des Wassers für eine Neuinterpretation des Salzbachtales in der Wiesbadener Innenstadt. Ebenfalls in Wiesbaden schlägt eine Gruppe die Umgestaltung des Kochbrunnen- und Kranzplatzes zur Aufnahme von Wasser bei Starkregenereignissen vor, um die Innenstadt von Wiesbaden vor Überflutungen zu schützen. „Are you hot today?“ enthält einen Katalog mit Maßnahmen für die kühle Stadt Frankfurt, mit einem Konzept für den Merianplatz. Für Geisenheim erstellte eine Gruppe eine Broschüre für die wassersensible Stadtgestaltung mit Maßnahmenvorschlägen für öffentliche und private Flächen und Gestaltungsbeispielen für die Innenstadt.

Trotz ihrer Unterschiedlichkeit verbindet alle Projekte die Haltung, dass die Klimawandelanpassung nicht nur technische Lösungen erfordert, sondern dass integrative gestalterische Lösungen notwendig sind, um ökologische, technische, ästhetische und soziale Aspekte in ganzheitlichen Konzeptionen zu verknüpfen.

Kategorien: Landschaftsarchitektur (M.Sc.), Freiraumplanung, Presse und Kommunikation, FORSCHUNG, Freiraumplanung, Nachrichten

Bilderreihe

Grüne Bänder Rheingau © Michael Jung, Marvin Solf, Daniel Zant
Klein-Venedig Bad Kreuznach © Robert Döbler, Jan Dautermann, Samson Kraft