Nachhaltigkeit – Mehr als Energiesparlampe

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Nachhaltigkeit – Mehr als Energiesparlampe

Einblicke in die 64. BDO-Fachtagung, welche am 15. November 2021 an der Hochschule Geisenheim stattfand

Nachdem die letztjährige BDO-Fachtagung wegen der Corona-Pandemie nur online abgehalten werden konnte, war es dieses Jahr möglich, die 64. BDO-Fachtagung, die wieder in Geisenheim stattfand, im Hybridformat ablaufen zu lassen, sowohl in Präsenz, als auch online. Um die Hygieneregeln einhalten zu können, durfte nur eine bestimmte Anzahl von Tagungsgästen im Gerd-Erbslöh-Hörsaal anwesend sein. Daraus ergab sich, dass die meisten der Teilnehmenden online der Tagung zugeschaltet waren.

Sowohl im Chat als auch bei den Fragerunden vor Ort herrschte eine sehr rege interaktive Diskussionsfreude. Daraus war wiederum eindeutig abzuleiten, dass das gewählte Tagungsthema der Nachhaltigkeit sehr viele Kolleginnen und Kollegen brennend interessiert.

Im Folgenden werden die Kurzzusammenfassungen der Vorträge nochmals jedes Einzelthema anreißen:

 

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Oenologie? – Kritische Fragen und Bestandsaufnahme

Dipl.-Oen. (FH) Achim Dörr, Prof. Dr. Monika Christmann,

Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Was versteht man unter „Nachhaltigkeit“

Brundtland-Report definiert 1987 „Nachhaltige Entwicklung“ „Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Agenda 2030 – 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG), 2015 von der UN-Vollversammlung verabschiedet: Ziel ist es, innerhalb von 15 Jahren verschiedene Maßnahmen zu initiieren, um die Lebensverhältnisse auf dem gesamten Planeten zu verbessern. Gleichzeitig soll für künftige Generationen ein Schutz der Erde sichergestellt werden. Die Eckpfeiler bilden weltweiter wirtschaftlicher Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und der Schutz der Umwelt. Entlang dieser drei Dimensionen – Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt – definiert die Agenda 2030 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele.

„Nachhaltigkeit“ ist eine langwierige und detailreiche Aufgabe in der Forschung, der Erstellung und Priorisierung von Daten und der Umsetzung.

Warum sind solche Systeme wichtig?

• Ressourcen werden knapper

• Klimawandel

• Weltbevölkerung wächst

• 71 Prozent glauben, dass es in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung zunehmen wird.

• Knapp die Hälfte (48 Prozent) der 30- bis 39-Jährigen und

• 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen würde dafür tiefer in die Tasche greifen.

• Nur 28 Prozent der Verbraucher über 65 Jahre würde mehr Geld für umweltfreundliche Produkte ausgeben.

 

 

Ressourceneffizienz in Weinkellereien

Dr. Maximilian Freund, Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Durch die Verknappung der natürlichen Rohstoffe wie nachwachsende und nichterneuerbare Rohstoffen, Fläche, Energie, Wasser, Boden und Luft, steigende Kosten und ökologische motivierte Aspekte gewinnt Stoffstrommanagement auch in Weinkellereien immer mehr zur Steuerung einer sparsamen und effizienten Verwendung dieser Ressourcen im Sinne eines vorsorgenden betrieblichen Umweltschutzes (Cleaner Production) an Bedeutung. Eine Gesamtbilanzierung beinhaltet sowohl die für die Weinproduktion eingesetzten, dabei umgewandelten, veränderten bzw. verbrauchten Materialien sowie die die Weinkellerei verlassenden Produkte, Abfälle und Emissionen. Ein umfassendes und erfolgreiches Gesamtkonzept im Sinne einer effizienten Ressourcennutzung und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft basiert auf den Grundsätzen Vermeiden, Verringern, Ersetzen, Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung (z. B. energetisch). Eine Beseitigung (Deponie) sollte vermieden werden. Mit Hilfe Betrachtung der Materialströme wurde aufgezeigt, dass durch Nutzung umweltfreundlicher, emissionsarmer Energie wie Biomasse, Sonne, solarthermische Kälte oder KWK-Kopplung sowie Materialien wie Grasfasern, Biokunststoffe, Kältemittel ein Beitrag zu einer zukunftsorientierten Ressourcennutzung geleistet werden kann. Auch die Nutzung von Sekundärmaterialien wie Altpapier, Aluminium, Glas, Kunststoffe, Holz können Rohstoff, Energie und Wasser einsparen und sind im Sinne einer Kreislaufführung von allen Partnern beginnend von den Lieferanten, der Weinbranche, dem Handel, dem Verbraucher bis zum Entsorger bzw. Wiederverwerter in Zusammenarbeit zu fördern und auszubauen. Aus dieser Sicht ist die Bedeutung der verschiedenen genutzten Verpackungen, nicht nur des Produkts Weins, hervorzuheben. Dies macht gleichzeitig deutlich, dass bei der Ressourcennutzung Aspekte der vor- und nachgelagerten Bereiche berücksichtigt werden müssen. So spart der Einsatz einer Leichtglasflasche keine eigene Energie, aber Energie bei der Herstellung und dem Transport. Für letzteren gilt gleichzeitig, je regionaler die Beschaffung, der Vertrieb, umso geringer die Verbräuche. Auch im Bereich der oenologischen Maßnahmen sind die Prinzipien Vermeiden, Vermindern und Ersetzen bei der Prozessführung wie Truberzeugung, Klärgrad, Gärtemperatur, dem Einsatz sparsamere Technologien (Energie und Wassernutzung) und einem gezielten Einsatze zu achten. Dabei müssen neben den umweltrelevanten Aspekten wie Gefährlichkeit und Verwertbarkeit auch die Bereiche Qualität, Lebensmittelsicherheit und Arbeitswirtschaft sowie der Arbeitsschutz einbezogen werden. Dies wurde an den Beispielen wie Filtration, Weinsteinstabilisierung sowie Energieeinsparpotentialen der Verbrauchergruppen und der Abwärmenutzung kurz erläutert. Anhand der Nebenströme und Wertstoffe Trester, Hefetrub und Gärungskohlensäure wurde versucht, aufzuzeigen, dass diese Stoffströme Möglichkeit einer Weiternutzung hinsichtlich Wertstoffe und Energie bieten. Diese aber meist nur in Form von betriebsübergreifenden, brancheninternen und -übergreifenden Kooperationen und regional sehr unterschiedlich umsetzbar sind.

 

 

Nachhaltigkeit im Weinmaschinenbau

Rudolf Fischer, Scharfenberger GmbH & Co. KG

• Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen im Maschinenbau?

• Sind Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum miteinander vereinbar?

An Morgen denken und nachhaltige Entscheidungen für künftige Generationen und unsere Umwelt abwägen ist für jeden Einzelnen wie auch für mittelständische Firmen eine Herausforderung. Dabei müssen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Erfolg mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit abgestimmt werden. Das ist in der Praxis nicht immer leicht zu realisieren. Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte werden bei Scharfenberger Maschinenbau bereits erfolgreich vereint:

UMWELT Zulieferer und Lieferanten werden von Scharfenberger Maschinenbau bewusst ausgewählt, damit die Logistikwege möglichst kurz und auch die Einhaltung von Menschenrechten gewährleistet sind. Das Gebäudemanagement und die Energieeffizienz sind weitere zentrale Themen der Ökologie; Die Hallendächer von Scharfenberger sind großflächig mit Solarmodule bedeckt. Eine moderne Pelletheizung sorgt zudem für Wärme. Bei der Begrünung der Außenanlage wurde auf insektenfreundliche Pflanzen bzw. Stauden geachtet.

WIRTSCHAFT Wertbeständigkeit sowie eine hohe Qualität der Traubenpressen und kompletten Traubenannahmestationen gewährleisten einen langlebigen Einsatz. Um den Reinigungsprozess der Maschinen kurz und den Wasserverbrauch niedrig zu halten setzt das Unternehmen auf leicht zu reinigende Edelstahloberflächen.

GESELLSCHAFT Integration von Flüchtlingen, nachhaltiges Glück der Mitarbeiter wie z.B. Elternzeiten, faire Löhne, Weiterbildungsmaßnahmen, Gesundheitsförderung und Events in lockerer Atmosphäre liegen in der sozialen Verantwortung des Unternehmens. Grundsteine für nachhaltiges Arbeiten sind außerdem die Kompetenzförderung der Mitarbeiter, eine effiziente Produktion mit modernen Werkzeugen und Anlagen bis hin zur optimalen Realisierung der Kundenanforderungen. Weiterführende Serviceangebote zur Wartung und Instandhaltung sichern einen langlebigen Einsatz der Maschinen. Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung gehören unweigerlich zusammen. Mit der größtmöglichen Schnittmenge aus diesen Bereichen und einer gehörigen Portion Innovationskraft sieht Scharfenberger Maschinenbau diese Aspekte als echte Chance und Notwendigkeit, um die Zukunft für das Unternehmen sowie für alle Winzerinnen und Winzer zu sichern.

 

Die drei wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen für Wein

Dr. Helena Ponstein, Gründerin klimaneutralerwein.de

Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die weltweit tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Umwälzungen hervorruft. Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf die Ökosysteme sind jetzt schon spürbar, wie beispielsweise die Hitzewellen und langen Trockenperioden in den letzten Jahren verdeutlicht haben. Anfang November haben Wissenschaftler von der NASA und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) festgestellt, dass die tiefgreifenden Veränderungen für die Landwirtschaft bereits innerhalb der nächsten Dekade deutlich spürbar werden und nicht erst in ferner Zukunft. Unter dem Strich sinken die Flächen weltweit, auf denen Ackerbau – und auch Weinbau – betrieben werden kann. Die Weinbranche wird von der globalen Erwärmung nicht nur empfindlich getroffen, sie trägt durch ihren Verbrauch an Energie und Materialien selbst zum Klimawandel bei. Dadurch haben Betriebe der Weinbranche die Möglichkeit, vielleicht auch die Verpflichtung, selbst zu handeln und zur Eindämmung des Klimawandels aktiv beizutragen. Das Bewusstsein wächst, das die Notwendigkeit besteht, effektiv Klimaschutz zu betreiben, um die zukünftigen Lebensgrundlagen zu erhalten. Klimafreundliches Handeln wird daher von Kunden und Geschäftspartnern zunehmend geschätzt. In diesem Vortrag ging es um die drei wichtigsten Maßnahmen, die in der Weinbranche gegen den Klimawandel unternommen werden können. Die wichtigste Klimaschutzmaßnahme betrifft die Verpackung. Die traditionelle Glasflasche ist der größte einzelne Posten in der Emissionsbilanz von Wein. Eine wesentliche Verbesserung kann entweder durch Bag-in-Box oder durch ein Mehrweg-System für Glasflaschen erreicht werden. Die Leichtglasflasche ist zwar eine echte Verbesserung, reicht aber nicht aus, um die Klimaschutzziele mittelfristig zu erreichen. Bis 2045 wird Deutschland klimaneutral sein, weshalb alle Möglichkeiten zur Kreislaufwirtschaft genutzt werden müssen. Die zweite elementare Maßnahme betrifft die Dekarbonisierung der Energieträger: Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas müssen durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden und natürlich effizient verwendet werden. Die wichtigsten Energieträger der Zukunft sind Strom aus Erneuerbaren Energien und Wasserstoff. Die dritte Maßnahme betrifft Ressourceneffizienz im Weinberg. Neben einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen ist es vor allem wichtig, das Kontingent der Erntemengen auszuschöpfen: Je mehr Weintrauben geerntet werden, desto geringer ist in unserem Weinbausystem der CO2-Fußabdruck durch diese Wertschöpfungsstufe je Flasche Wein. In Anbetracht der Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert stellt, ist die Weinbranche heute dazu aufgerufen, in einem neuen Umfang über die einzelnen Arbeits- und Interessengruppen hinweg zusammenzuarbeiten und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

 

Ökonomische Nachhaltigkeit der deutschen Weinbranche
Prof. Dr. Simone Loose, Anthony Bennett (Hochschule Geisenheim)
Das Konzept der Nachhaltigkeit wird sowohl von Verbrauchern als auch von vielen Weinproduzenten vor allem mit Ökologie und Naturschutz in Verbindung gebracht. Oft gerät in den Hintergrund,
dass Nachhaltigkeit die drei Säulen der ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit umfasst. Nach dieser Auffassung ist Nachhaltigkeit das Wirtschaften von Menschen innerhalb der Restriktionen der Natur unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten (soziale Komponente) und zukünftiger Generationen (Schonung der Umweltressourcen). Wirtschaften, das alle ökologischen und sozialen Interessen berücksichtigt, aber nicht langfristig kostendeckend und ökonomisch anpassungsfähig ist, ist zwar ökologisch tragbar und gerecht, aber nicht überlebensfähig. Keine noch so hohe ökologische oder soziale Nachhaltigkeit kann das Leben eines Unternehmens verlängern, wenn es nicht ökonomisch nachhaltig ist. Die Folgen und Interventionen für nicht nachhaltiges Wirtschaften treten im ökonomischen Bereich oft kurz- bis mittelfristig ein, meist schneller als die Folgen unökologischen Wirtschaftens. Ein Betrieb, der seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann, muss Insolvenz anmelden. Ein Betrieb mit unzureichender Rentabilität erhält keine neuen Kredite für Investitionen. Ein Betrieb, der seine Familienarbeitskräfte nicht ausreichend entlohnen kann, findet keinen Nachfolger und muss langfristig aufgeben. Die ökonomische Säule ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Bewertung oder Zertifizierung der gesamtheitlichen Nachhaltigkeit eines Betriebes. Das Institut für Wein- und Getränkewirtschaft der Hochschule Geisenheim arbeitet eng mit den beiden Nachhaltigkeitsverbänden Fair Choice sowie Fair’n Green zusammen. Bei der Zertifizierung durch Fair Choice wird die ökonomische Nachhaltigkeit der Betriebe seit vielen Jahren anhand von acht objektiven Kriterien der Geisenheimer Unternehmensanalyse bewertet. Nach Ergebnissen der Geisenheimer Unternehmensanalyse (UA) ist die ökonomische Nachhaltigkeit der deutschen Weinbranche oft nicht ausreichend. Nur ein Teil der Betriebe kann seine Familienarbeitskräfte ausreichend entlohnen und erzielt eine positive Rendite auf sein eingesetztes Kapital. Die Ergebnisse der UA werden ab Anfang 2022 in digitaler und kommentierter Form zugänglich sein. Durch diesen stärkeren Praxistransfer können die teilnehmenden Betriebe die Auswertung noch besser interpretieren und Schlussfolgerungen für ihren Betrieb ziehen. Die durch den Klimawandel zunehmenden Schwankungen des Naturalertrags, die beständige Steigerung der Lohnkosten und der aktuelle starke Anstieg von Preisen für Energie und Betriebsmittel
setzt die ökonomische Lage der Branche weiter unter Druck. Die ökonomische Nachhaltigkeit der Branche muss deshalb weiter verbessert werden, um die notwendigen Investitionen in ökologische
Nachhaltigkeit tätigen zu können. Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Einsatzes sowie Technik zur digitalen Messung und Steuerung des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln erfordern oft erhebliche Investitionen von Betrieben. Die Risiken des biologischen Weinbaus können nur durch ausreichend Ertragskraft und Rücklagen von den Betrieben ausgeglichen werden. Die ökonomische Nachhaltigkeit der Betriebe ist deshalb fundamental für das Überleben der Weinbaubetriebe und ein wichtiger Baustein für ihren Beitrag zur ökologischen Nachhaltigkeit. Treiber für ökonomischen Erfolg der Betriebe, wie Betriebsgröße und Strukturwandel, Ertragsniveau sowie Kosteneffizienz durch digitale Verwaltung, müssen deshalb auch weinbaupolitisch Beachtung finden.

 

Nachhaltigkeit in der deutschen Weinwirtschaft:
empirische Einblicke und strategische Implikationen

Prof. Dr. Marc Dressler, Weincampus Neustadt

Nachhaltigkeit hat sich in der Weinbranche als strategisches Thema etabliert und wird zunehmend als selbstverständlich angesehen.
Die vom Weincampus Neustadt im Zweijahresrhythmus durchgeführte Studie zu Strategie, Innovation und Nachhaltigkeit der
deutschen Weinerzeuger quantifiziert diese Entwicklung: Während in 2012 nur 9% der Teilnehmer Nachhaltigkeit in ihrem strategischen Portfolio priorisiert und realisiert hatten und dieses Thema
das Schlusslicht aller strategischen Maßnahmen bildete, bekunden in 2020 60% erfolgreiche Implementation von Nachhaltigkeitsmaßnahmen
und einen dominanten Stellenwert. Alle drei Säulen der Nachhaltigkeit – ökologisch, ökonomisch und sozial – sind äußerst relevant mit hoher Bedeutung für mehr als drei Viertel aller Betriebe.
• Je ausgeprägter die ökonomische Nachhaltigkeit, desto größer der betriebliche Erfolg.
• Je ökologischer die Wirtschaftsweise, desto ausgeprägter die ökologische Nachhaltigkeit.
• Je größer das soziale Engagement, desto erfolgreicher in Kundengewinnung und -bindung.

Die langjährige Forschung durch Befragungen offenbart ein Zusammenspiel von strategischer Positionierung, Innovationsausrichtung und Nachhaltigkeitsambitionen.
Nachhaltigkeit wird als Profilierungs- und Steuerungsinstrumentarium verstanden. Besonders
die Kundenansprache und eine Betonung der eigenen strategischen Profilierung sichert Nachhaltigkeit weitere und steigende Relevanz zur Wettbewerbsgestaltung angesichts des stagnierenden Markts mit Verdrängung von Anbietern. Die weitere Durchdringung des Geschäftsmodells im Sinne nachhaltigen Handelns und hiermit verbundene, verlässliche und nachvollziehbare Kommunikation,
werden auch zukünftig an strategischer Relevanz gewinnen. Dies ist das Ergebnis eines dynamischen Entwicklungsprozesses der letzten Jahre, der sicherlich auch durch die breite gesellschaftliche
Debatte und eigene Betroffenheit durch Klimawandel befeuert wurde. Neben den Herausforderungen in der Umsetzung im Detail ist auch die Kommunikation angesichts der Komplexität des Themas fordernd.

 

Weinbau

Pflanzenschutzreduktion: Integrierter Ansatz mit Hilfe neuer Rebsorten
Andreas Kortekamp und Jochen Bogs, DLR Rheinpfalz

Pflanzenschutz ist mehr als die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln. Letztendlich haben alle Maßnahmen im Weinberg eine Auswirkung
auf den Befallsdruck ausgehend von Krankheitserregern oder Schädlingen. Dementsprechend können verschiedene Bausteine genutzt werden, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
auf das notwendige Maß zu begrenzen. Historisch betrachtet hat dies im Bereich der Schädlingsbekämpfung bereits zu einer Reduktion von 90% geführt. Das Gleiche gilt für den Einsatz von Schwefelund
Kupferpräparaten bei der Pilzbekämpfung. Trotz dieser Reduktion der Schädlingbekämpfung, werden über 70 % aller landwirtschaftlich ausgebrachten Fungizide im Weinbau appliziert, der innerhalb der EU ca. 5 % der kultivierten Fläche bean-sprucht (Eurostat, 2007; Mittelwerte 1999-2003). Auch wenn moderne Mittel immer spezifischer wirken und gezielter eingesetzt werden, so bleibt
der Anspruch auf eine Reduktion auf ein Mindestmaß einerseits und eine Weiterentwicklung hin zu nachhaltigen und umweltverträglichen Strategien andererseits bestehen. Dies spiegelt sich in den aktuellen politischen Zielen wider. Diese werden im Weinbau langfristig nur zu erreichen sein, wenn neugezüchtete Sorten mit genetisch bedingter erhöhter Widerstandsfähigkeit gegenüber Schadpilzen stärker genutzt werden. Jedoch sind detaillierte Kenntnisse der sortenspezifischen Resistenzeigenschaften notwendig. Untersuchungen der Resistenzeigenschaften haben große Unterschiede in der genetisch bedingten Widerstandfähigkeit zwischen den Rebsorten aufgezeigt, so dass ein unterschiedliches Maß an Fungizid- Einsatz notwendig ist. Die Ergebnisse der letzten fünf Jahre haben gezeigt, dass im Vergleich zu traditionellen Rebsorten je nach Sorte eine Einsparung von bis zu 80% möglich ist. Ein völliger Verzicht auf Pflanzenschutz sollte jedoch vermieden werden, da er zu Ertrags- und Qualitätseinbußen und dem Verlust der pflanzlichen Resistenz führen kann.

 

Nachhaltigkeit – was können wir als mittelständisches Familienunternehmen dazu beitragen?
Michael Erbach, ERO GmbH

Mittelständische Unternehmen sehen sich im Spannungsfeld zwischen Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und dem Druck des Marktes. Während die Betriebsangehörigen
sich einen sicheren Arbeitsplatz, Zukunftsperspektiven und eine gute Bezahlung wünschen, erwarten die Kundinnen und Kunden innovative, langlebige Produkte zu einem guten
Preis und mit bestem Service. Hinzu kommt die Konkurrenz von internationalen Konzernen, die zum Teil unter anderen gesetzlichen
Rahmenbedingungen wesentlich günstiger produzieren können. Nachhaltiges Handeln bedeutet, dass hier die richtige Balance gefunden werden muss. Als Familienbetrieb verzichtet ERO
auf kurzfristige hohe Renditen und setzt stattdessen auf dauerhafte Unternehmensstabilität. Wir produzieren möglichst viel im eigenen
Unternehmen und dennoch ressourcenschonend und kostengünstig. Wir produzieren langlebige Produkte, mit denen unsere Kunden wirtschaftlich erfolgreich sind. Wenn möglich, reparieren wir unsere Produkte und führen eingetauschte Maschinen einem neuen Besitzer zu. Das spart unseren Kunden Kosten und schont die Umwelt. Zu unseren Kunden und Lieferanten pflegen wir partnerschaftliche Beziehungen und schaffen Bedingungen, unter denen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne arbeiten. Mit zurzeit 43 Auszubildenden bei 270 Mitarbeitern insgesamt leisten wir einen erheblichen Beitrag zur Nachwuchsförderung.
Unser Neubau erfüllt den KFW55 Standard. Mit Solarenergie und Blockheizkraftwerk erzeugen wir fast 40 % unseres Stroms selbst. Die elektrostatische Pulverbeschichtung
erfolgt nahezu rückstandsfrei. Akustikdecken im gesamten Produktionsbereich minimieren die Geräuschbelastung. Bei Neuentwicklungen schaffen wir Mehrfachnutzen. Unser jüngstes
Produkt, der VITIpulse Combi beispielsweise vereint zwei Entlaubungssysteme in einer Maschine. Es können entweder beide Systeme gleichzeitig oder nur eines der
beiden Systeme eingesetzt werden. Neben den niedrigeren Anschaffungskosten erspart das System auch die Umrüstung. Darüber hinaus unterstützen wir Forschungsprojekte, die sich mit
Digitalisierung beschäftigen, wie z. B. Digivine. In der Regel bringen die Maßnahmen einen Mehrfachnutzen: Investitionen in die Mitarbeiterzufriedenheit bewirken, dass die Mitarbeiter dem Unternehmen treu bleiben. Dies senkt die Kosten für die Suche nach neuen Mitarbeitern sowie deren Einarbeitung und verbessert die Qualität unserer Produkte, weil das Wissen im Unternehmen
bleibt. Die Maßnahmen zur Energieeinsparung sind ökologisch sinnvoll und senken die Energiekosten. Von innovativen, langlebigen Produkten, die zudem bei Weiterentwicklungen nachgerüstet
werden können, profitieren unsere Kunden, die das mit einer hohen Kundentreue honorieren. Trotz der genannten Maßnahmen wissen wir, dass noch viel zu tun
ist. Um die Umwelt- und Klimaprobleme zu bewältigen, müssen wir weniger verbrauchen, – das gilt für Rohstoffe, aber auch für Flächen. Hersteller müssen neue Geschäftsmodelle entwickeln, in denen weniger produziert wird und mehr Dienstleistungen angeboten werden.

 

Danke an Woody T. Herner und Team für die Unterstützung!

Quelle: Bund Deutscher Oenologen e. V.

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Abschlussrunde: Über die Zukunft nationaler und internationaler Interessenvertretung der deutschen Weinbranche diskutierte BDO-Präsident Prof. Dr. Erik Schweickert mit dem Ministerialrat im BMEL Michael Koehler, Prof. Dr. Monika Christmann, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz und Christian Schwörer vom Deutschen Weinbauverband; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Begrüßung durch Prof. Dr. Erik Schweickert, Präsident BDO; Bildquelle: Tina Kissinger
Prof. Dr. Randolf Kauer, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Rudolf Fischer , Scharfenberger GmbH & Co. KG; Bildquelle: Tina Kissinger
v.l.n.r.: Rolf Stocké und von der Hochschule Geisenheim Anthony Bennett und Prof. Dr. Simone Loose; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Prof. Dr. Marc Dressler, Weincampus Neustadt; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Maximilian Freund, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
v.l.n.r.: Achim Dörr, Hochschule Geisenheim, Rolf Stocké, Prof. Dr. Monika Christmann, Hochschule Geisenheim; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Hochschulpräsident Prof. Dr. Hans Reiner Schultz; Bildquelle: Tina Kissinger
Michael Erbach, ERO GmbH und Rolf Stocké, der durch die Fachtagung führte; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Andreas Kortekamp, DLR Rheinpfalz, Prof. Dr. Jochen Bogs, Weincampus Neustadt und Rolf Stocké; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn
Dr. Helena Ponstein, Gründerin klimaneutralerwein.de; Bildquelle: Dr. Christian von Wallbrunn