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Liebe Leserinnen und Leser,

der ProWein Media Summit „Climate Change“ im November 2019 an der Hochschule Geisenheim hat gezeigt, wie verletzbar die Weinbranche angesichts des Klimawandels ist. Während der deutsche Weinbau bisher vorwiegend profi tiert hat und erst langsam negative Auswirkungen verspürt, so ist der Weinbau in südlicheren Gebieten, wie dem Douro-Tal, bereits heute durch Wassermangel und Hitzestress so stark betroff en, dass er auf absehbare Zeit vor dem wirtschaftlichen Aus stehen wird. Hier zeigt sich, wie stark wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit langfristig miteinander verbunden sind – sie bedingen einander. Ein Unternehmen, das nur ökologisch und sozial nachhaltig ist, aber wirtschaftlich nicht überleben kann, ist nach dem Drei-Säulen Prin-ip der ökologisch-sozialen-wirtschaftlichen Nachhaltigkeit nicht sinnvoll. Ein Unternehmen kann nur dann wirtschaftlich überleben, wenn es eine zukunftsorientierte Strategie verfolgt, Risiken vorbeugt und genügend Einkommen erwirtschaftet, um seine Arbeitskräfte und Eigentümer angemessen entlohnen zu können. Die Geisenheimer Unternehmensanalyse wurde in den letzten Jahren grundlegend modernisiert, um genau diesem Aspekt der ökonomischen Nachhaltigkeit Rechnung zu tragen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hochschule Geisenheim werten im Rahmen der Analyse jährlich die wirtschaftliche Entwicklung von fast 400 Weinbaubetrieben aus und bereiten diese grafi sch leicht verständlich auf. Bewusst wurde dabei die ausreichende Entlohnung der Familienarbeitskräfte als eines der wichtigsten Erfolgskriterien ausgewählt. Nur Betriebe, die auch ihre Familienarbeitskräfte ausreichend entlohnen können, haben eine Chance, von Nachfolgern übernommen zu werden. Angesichts des Klimawandels ist ökonomische Nachhaltigkeit zukünftig von noch größerer Bedeutung, um ausreichend Eigenkapital für notwendige Investitionen bilden zu können. Eine vorausschauende Anpassung der Betriebe an den Klimawandel erfordert Investitio-nen in den Weinbau, in neue Rebsorten, in Bewässerung und verbes-sertes Erntemanagement. Bereits heute stehen die deutschen Weinbaubetriebe vor großen ökonomischen Herausforderungen. Während sich die Zahlungsbereitschaft für Wein und die erzielten Fassweinpreise in den letzten Jahren kaum oder gar nicht verändert haben, sind die Kosten unter anderem durch den Mindestlohn deutlich gestiegen. Diese Diskrepanz macht sich auch darin bemerkbar, dass nur die Hälfte der an der Geisenheimer Unternehmensanalyse teilnehmenden Flaschenweinmarkter und nur ein Drittel der Fass-weinvermarkter zurzeit schon ökonomisch nachhaltig sind. Diese bereits bestehenden wirtschaftlichen Herausforderungen werden durch die notwendigen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wie angedeutet weiter steigen. International bekennt sich die überwältigende Mehrheit der Betriebe dazu, dass auch  die ökologische Nachhaltigkeit der Weinbranche verbessert werden muss. Im Sinne einer umfassenden Nachhaltigkeit gehören dazu neben der Bodengesundheit und der Biodiversität auch die Einsparung von Wasser und Energie und damit auch die Verminderung des CO2-Ausstoßes. Betriebliche Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit sind fast immer mit Investitionen, höheren Kosten und teilweise auch geringeren Erträgen verbunden. Um ökologische Nachhaltigkeit überhaupt umsetzen zu können, müssen Betriebe deshalb ökonomisch nachhaltig sein und auch ökonomisch gefördert werden. Ökonomie und Nachhaltigkeit gehören also auch bei Wein untrennbar zusammen. Mit diesem Denkanstoß wü nsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre der neuen Ausgabe von PlanG.

Prof. Dr. Simone Loose
Leiterin des Instituts für  Wein- und Getränkewirtschaft
Hochschule Geisenheim

Kategorien: STUDIUM, Alumni, Nachrichten