Ein Leben in der Welt der Reben

Bildquelle: Prof. Dr. Joachim Schmid

Prof. Dr. Ernst Heinrich Rühl, Leiter des Instituts für Rebenzüchtung der Hochschule Geisenheim, nach 27 Jahren in den Ruhestand verabschiedet.

Nach dem Studium der Landwirtschaft und Promotion an der Universität Hohenheim von 1972 bis 1977, bzw. 1978 bis 1981 war Prof. Dr. agr. Ernst H. Rühl von 1981 bis 1985 Hochschulassistent am Lehrstuhl für Obst-, Gemüse und Weinbau der vorgenannten Universität. In Australien nutzte er die Möglichkeit seine Kenntnisse der Rebenzüchtung anzuwenden und war von 1985 bis 1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter (Senior Research Scientist) bei der CSIRO, Division of Horticulture, in Merbein. Hier sammelte er wertvolle Erfahrungen im Bereich der Unterlagenzüchtung und des Einflusses der unterschiedlichen Kaliumaufnahme von Unterlagen auf die Weinqualität. Im Oktober 1991 übernahm Rühl dann die Leitung des Fachgebiets Rebenzüchtung und Rebenveredelung der damaligen Forschungsanstalt Geisenheim, welches mit Gründung der Hochschule Geisenheim 2013 in Institut für Rebenzüchtung umbenannt wurde.

Seine vielen Kontakte zu Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der ganzen Welt der Reben ermöglichten die Fortführung der Internationalen Geisenheimer Rebveredlertagung schon im Jahre 1994. Mit großem Erfolg wurden in seiner Amtszeit fünf dieser Tagungen durchgeführt, mit der 22. Internationalen Geisenheimer Rebveredlertagung die jüngste erst im Juni 2018.

Wasser hat pflanzenphysiologisch eine bedeutende Rolle und dass es sich in der Zukunft um ein knappes Gut handeln wird, hat er sehr früh erkannt, was sicherlich auch seiner Erfahrung in Australien geschuldet ist. Um Probleme im europäischen Weinbau erst gar nicht entstehen zu lassen, veranlasste er den ersten ISHS „Workshop on Water Relations of Grapevines“ schon 1998 und konnte damit eine sehr hohe Zahl von Wissenschaftlern auf diesem Gebiet für die Tagungsteilnahme gewinnen. Schon 2001 gelang es ihm zusammen mit Prof. Dr. Joachim Schmid den zweiten internationalen Phylloxera Workshop nach Geisenheim zu bringen und den dringend notwendigen wissenschaftlichen Austausch auf diesem Gebiet zu forcieren. All diese Tagungsreihen gibt es heute noch und sie sind in ihrer Bedeutung, Dringlichkeit und Notwendigkeit aktueller denn je. 

Rühl erkannte sehr früh die Bedeutung des Erhalts rebengenetischer Ressourcen und etablierte Sammlungen traditioneller Rebsorten aus alten Anlagen und auch Sammlungen von Vitis Wildarten um Zuchtziele zu erreichen. Er ermöglichte dadurch die Selektion botrytisfester Klone bei den Burgundersorten, Chardonnay und dem Weißen Riesling und bildete damit auch die Grundlagen zur Züchtung von reblausresistenten Unterlagsreben mit erhöhter Trockentoleranz, Kalktoleranz und Chlorosefestigkeit.

Als Kollege ist Rühl weltweit geschätzt und gefragt. Mit viel Engagement unterstützte er Kolleginnen und Kollegen in Kroatien, Griechenland und Georgien beim Aufbau der Klonenselektion von virusgetestetem Pflanzgut in ihren Ländern.
Auch nach der Hochschulgründung sah er eine wichtige Aufgabe darin, Forschungsergebnisse der weinbaulichen Praxis zugänglich und nutzbar zu machen. Hierzu nutzte er sein eng mit der Praxis verknüpftes Netzwerk. Er ist bis heute im Landesverband der hessischen Rebveredler tätig und hat damit auch immer noch eine Stimme im Bundesverband der deutschen Rebveredler.       
Neben seinen Forschungsarbeiten war er als Dozent intensiv in die Lehre mit eingebunden. Er ließ stets neueste Forschungsergebnisse mit einfließen und machte auf diese Weise die Studierenden mit aktuellen wissenschaftlichen und praktischen Fragestellungen vertraut. Diese profitierten nicht nur von seinen Vorlesungen, sondern auch im Besonderen von seinem guten Fachenglisch. Dadurch wurde er auch Wegbereiter für Auslandskarrieren vieler ehemaliger Geisenheimer. Seine Beliebtheit bei den Studierenden spiegelt sich wider in einer Vielzahl von Diplom-, Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionen, welche durch ihn betreut wurden. Neben zahlreichen Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und Buchbeiträgen ist seine Stimme sogar in einem Hörbuch verewigt.

Seine Kolleginnen und Kollegen des Instituts für Rebenzüchtung, sowie die Hochschule Geisenheim, wünschen ihrem geschätzten Kollegen nach 27 Jahren höchstem Engagement einen nun selbstbestimmten und langen Unruhestand. 

 

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Bildquelle: Prof. Dr. Joachim Schmid
Prof. Dr. Ernst H. Rühl mit Mitarbeitenden; Bildquelle: Prof. Dr. Joachim Schmid