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Die Freiheit in Corona-Zeiten ist 360 Quadratmeter groß

Bildquelle: Hochschule Geisenheim/Filmagentur Rheingau

Hochschule Geisenheim untersucht die Bedeutung von Gärten und Grünanlagen während der Corona-Kontaktsperre

Der Frühling ist die Jahreszeit, in der Menschen wieder nach draußen drängen, um sich in Cafés, Biergärten oder Freizeitanlagen aufzuhalten. Doch in diesem Jahr hat die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Kontaktsperren das Verhalten der Menschen im Frühjahr massiv beeinflusst. Die Hochschule Geisenheim hat untersucht, welche Bedeutung Gärten und Grünanlagen während dieser Zeit haben. Dafür wurden Ende Mai 495 Personen aus allen Bevölkerungsgruppen, d. h. anteilig nach Alter, Geschlecht, Einkommen und Region befragt.

Wie wirken sich die massiven Einschränkungen ins wirtschaftliche, öffentliche und private Leben auf die allgemeine Lebenszufriedenheit der Studienteilnehmenden aus? Befragte mit eigenem Garten – dies sind 53 Prozent der Stichprobe – sind im Durchschnitt zufriedener mit ihrem Leben. Auf einer Skala von 0 bis 10 weist diese Gruppe einen Wert von 7,4 gegenüber 6,3 bei Personen ohne eigenen Garten auf. „Dieser Unterschied lässt sich zwar auch darauf zurückführen, dass Gartenbesitzerinnen und -besitzer in der Regel ein höheres Einkommen haben“, so Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger von der Professur für Gartenbauökonomie, die Autoren der Studie. „Doch wir können erkennen, dass aktuell die Nutzung sowohl von privaten Gärten als auch von öffentlichen Grünanlagen einen positiven Einfluss auf die Lebenszufriedenheit haben.“

75 Prozent der Gartenbesitzerinnen und -besitzer sagen, dass der Garten für sie wichtig oder sehr wichtig ist. Außerdem gibt über die Hälfte dieser Gruppe an, dass der Garten in diesem Jahr wichtiger als im Vorjahr ist. Bei Personen ohne eigenen Garten füllen die öffentlichen Grünanlagen diese Rolle aus. Für 60 Prozent aus dieser Gruppe sind Parks oder Stadtwälder aktuell wichtig oder sehr wichtig, auch hier ist für über die Hälfte der Gruppe die Bedeutung in diesem Jahr nochmals größer als im letzten Jahr.

Gefragt nach persönlichen Umschreibungen für die Bedeutung des eigenen Gartens ist „Freiheit“ der mit Abstand häufigste genannte Begriff, dann folgen mit „Erholung“ und „Entspannung“ Zuschreibungen, die auch die anderen Befragten für das öffentliche Grün gewählt haben. „Es war also richtig und wichtig, dass während der Kontaktsperre Grünanlagen weitestgehend zugänglich geblieben sind, so dass sie ihre positive körperliche und mentale Wirkung entfalten konnten“, konstatieren Sparke und Lehberger.

Im Mittel halten sich alle Befragten ca. zehn Stunden pro Woche im Freien für Erholung und Sport auf. Bei den Gartenbesitzern kommen allerdings noch ca. acht Stunden für Hobbyarbeiten in der eigenen, durchschnittlich 360 Quadratmeter großen Parzelle hinzu, und sie sind somit insgesamt fast doppelt so lange draußen. 75 Prozent der Personen mit Garten geben das schöne Frühlingswetter als Beweggrund an, nach draußen zu gehen, aber 58 Prozent weisen auch auf die Einschränkungen bei anderen Freizeitmöglichkeiten hin, und 55 Prozent nennen die Kontaktsperren. „Der Hausgarten könnte sich zukünftig noch mehr als echte Wertkomponente auf dem Immobilienmarkt entwickeln“, vermuten die Geisenheimer Gartenbauökonomen.

Gartenbesitzerinnen und -besitzer haben die Aufenthaltsdauer im Freien tendenziell stärker ausgebaut gegenüber dem Vorjahr, insbesondere für Hobbyarbeiten. „Hier ist dann – neben der Erholungswirkung – auch eine gewisse zusätzliche „Corona-Produktivität“ entstanden, nimmt Sparke an. „Neuanpflanzungen, Bauten und Pflegemaßnahmen haben nicht nur einen ökonomischen Wert, sondern auch eine ökologische Bedeutung, so dass Gärtnern in Corona-Zeiten auch einen Zuwachs an Nachhaltigkeit bedeuten könnte.“

 

Zu den Autoren der Studie:

Prof. Dr. Kai Sparke und Dr. Mira Lehberger arbeiten an der Professur für Gartenbauökonomie der Hochschule Geisenheim und forschen insbesondere zu menschlichem Verhalten in Bezug auf den Garten und gärtnerische Produkte.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

https://www.hs-geisenheim.de/forschung/institute/frischproduktlogistik/professur-fuer-gartenbauoekonomie/

 

Kontakt an der Hochschule Geisenheim:

Prof. Dr. Kai Sparke

E-Mail: kai.sparke@hs-gm.de

 

Kategorien: FORSCHUNG, Urbanen Gartenbau, Obstbau, Molekulare Pflanzenwissenschaften, Landschaftsplanung und Naturschutz, Gemüsebau, Frischproduktlogistik, Nachrichten