Hochschulen der Region Mittelrhein entwickeln Ideen für die Bundesgartenschau 2029

Forschung an der Hochschule Geisenheim

Aktuelles und neue Projekte

Hochschulen der Region Mittelrhein entwickeln Ideen für die Bundesgartenschau 2029

Roger Baumeister (r.), Wilhelm Spatz (2.v.r.) und Prof. Dr. Jan Dieterle (3.v.r.) nahmen als Vertreter der Hochschule Geisenheim am Workshop in Präsenz teil, Prof. Dr. Hans Reiner Schultz war per Video zugeschaltet © Hochschule Koblenz

Auf der Bundesgartenschau Welterbe Oberes Mittelrheintal 2029 (BUGA) werden sich die Technische Hochschule Bingen, die Hochschule Koblenz, die Universität in Koblenz und die Hochschule Geisenheim zusammen präsentieren, wie sie bereits im Februar in einem Kooperationsvertrag vereinbart hatten. Nun trafen sich Vertreterinnen und Vertreter der vier Bildungseinrichtungen zu einem mehrstündigen Workshop am RheinMoselCampus der Hochschule Koblenz, um gemeinsam Leitbilder, Ziele und Themen ihrer Kooperation zu erarbeiten.

Den Workshop moderierte Prof. Ulrike Kirchner von der Hochschule Koblenz, die ihre jahrelangen Erfahrungen als Planungsleiterin der Bundesgartenschau Koblenz 2011 mit einbrachte. „Wir sind uns bewusst, dass die Bundesgartenschau Welterbe Oberes Mittelrheintal 2029 die Region nachhaltig prägen und verändern wird. Der damit einhergehende Entwicklungsprozess stellt auch für uns Hochschulen eine besondere Chance dar“, betonte Prof. Dr. Karl Stoffel, Präsident der Hochschule Koblenz, bei der Begrüßung der Runde. Um diese Chance zu nutzen, definierten die Teilnehmenden während des Workshops eine Reihe von Zielen. So geht es ihnen insbesondere darum, die Sichtbarkeit der Wissenschaftsregion zu erhöhen, sowohl in den Medien und im Internet als auch durch eine Präsenz vor Ort auf der BUGA. Den Weg bis zur Eröffnung dieser Großveranstaltung möchten sie immer wieder mit verschiedenen Lehr- und Forschungsprojekten begleiten. Auch die perspektivische Frage, was nach 2029 bleiben wird, treibt die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um.

„Wir haben als Hochschulen den gesellschaftlichen Auftrag, mit unseren Impulsen zu einer nachhaltigen Entwicklung der Region beizutragen. Das vergrößert auch unsere Möglichkeit, politisch Einfluss zu nehmen“, erklärte Prof. Dr. Antje Krause, Präsidentin der Technischen Hochschule Bingen. In diesem Sinne streben die Hochschulen an, noch enger zusammen zu arbeiten: Sowohl die Kooperationen untereinander als auch die Kooperationen mit der Wirtschaft und mit Institutionen sollen weiter ausgebaut und die Bürgerinnen und Bürger in die Aktivitäten zur BUGA 2029 einbezogen werden.

In dem Workshop erarbeiteten die Hochschulen eine Reihe von Themen, mit denen sie auf der BUGA auftreten möchten. Prof. Dr. Henning Pätzold, Campusbeauftragter der Universität in Koblenz, sieht im hochschulübergreifenden Bearbeiten zukunftsweisender Themen eine große Stärke des Verbunds: „Gemeinsam können wir Antworten liefern auf viele drängenden Fragen unserer Zeit, bei Fragen der Mobilität und Biodiversität genauso wie bei Fragen der Digitalisierung und Demografie.“ Auch regionaltypische Themen wie die kulturelle und strukturelle Entwicklung des Oberen Mittelrheintals stehen auf der Agenda der vier Hochschulen. Im Laufe des Workshops entwickelten die Beteiligten ein gemeinsames Leitbild, das sie in den nächsten Jahren als Partner mit Leben füllen möchten: Gemeinsam möchten die vier Hochschulen ihre Kompetenzen bündeln, um die Zukunft in der Region mit Wissenschaft im Dialog zu gestalten, die Kooperation mit und in der Region auszubauen und damit Impulse für eine lebenswerte Region zu setzen.

In den kommenden Monaten werden die vier Hochschulen in ihrer jeweiligen Einrichtung Ansprechpersonen für einzelne Themen und Teilprojekte gewinnen. Ein nächstes Treffen ist für den November geplant. „Bei der nächsten Zusammenkunft werden wir den inhaltlichen Dialog zu Themen, Formaten und Orten fortsetzen, verbunden mit dem Ziel, Themen noch in die Wettbewerbsauslobung der BUGA mit einzubringen“, kündigte Prof. Dr. Hans Reiner Schultz, Präsident der Hochschule Geisenheim, an.

Bereits seit 2018 tauschen sich die vier Hochschulen regelmäßig und mit steigender Intensität untereinander sowie mit der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz aus, aus der mittlerweile die BUGA 2029 gGmbH hervorgegangen ist. Der Kern dieser Zusammenarbeit waren und sind gemeinsame Lehr- und Forschungsprojekte im Oberen Mittelrheintal, beispielsweise in Form der Studie „Kommunale Klimaanpassung im Welterbe Oberes Mittelrheintal“, die 2020 von der Hochschule Koblenz, der Technischen Hochschule Bingen und der Hochschule Geisenheim gemeinsam veröffentlicht wurde. Hinzu kommen verschiedene Studienarbeiten zu Ortsentwicklungen im Oberen Mittelrheintal oder zu konkreten Fragestellungen wie die der Lärmminderung im Umfeld des Klosters in Kamp-Bornhofen. Die Kooperation der vier Hochschulen zur BUGA 2029 ist nun ein weiterer Schritt, um die Zusammenarbeit der Hochschulen miteinander und für die Region Mittelrhein auszubauen und auf eine breitere Basis zu stellen.

Kategorien: BUGA 2029, Landschaftsarchitektur (M.Sc.), Landschaftsarchitektur (B.Eng.), Freiraumplanung, Nachrichten

Wir schaffen Strategien für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft

Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Nachhaltigkeitsziele – die globalen Anforderungen unserer Zeit sind vielfältig!

Für unsere Hochschule mit ihrem klaren Schwerpunkt auf Sonderkulturen und deren Produkten sowie der nachhaltigen Entwicklung von Kulturlandschaften und städtischen Freiräumen ergeben sich aus diesen Herausforderungen zahlreiche Fragen: Wie können wir zukünftige Formen der Landbewirtschaftung entwickeln, insbesondere im Hinblick auf Pflanzen wie Weinreben, Obst und Gemüse, die eine intensive Kulturführung benötigen? Wie lassen sich Städte und Kulturlandschaften so gestalten, dass sie an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst sind und zugleich Potenzial bieten, selbigem entgegenzuwirken? Wie können wir auch zukünftig eine wachsende Bevölkerung mit gesunden, sicheren und nachhaltig produzierten Lebensmitteln versorgen? Dies sind Beispiele, denen sich unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im globalen wie auch regionalen Maßstab stellen und an die sie in Forschung und Lehre anknüpfen – und deren Lösung mit Sicherheit zukünftig eine riesige Aufgabe darstellt! Unsere Forschung muss dabei gleichermaßen anwendungs- wie grundlagenorientiert sein. Durch zahlreiche Kooperationen sind wir mit renommierten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aber auch mit Partnern aus Wirtschaft und Verbänden, im In- und Ausland vernetzt. Diese Netzwerke müssen wir in Zukunft noch stärker nutzen, da die Dimension der Herausforderungen mittlerweile einen globalen Maßstab erreicht hat und Lösungswege kaum mehr adäquat von einzelnen Institutionen – unabhängig von deren Größe – bearbeitet werden können. So stellen wir uns gemeinsam, im grenzüberschreitenden Verbund, mit guten Ideen, klugen Köpfen sowie Engagement und Vehemenz den zahlreichen Herausforderungen in unseren Branchen.

Auf unserer Website wollen wir Ihnen einen Einblick in unsere Themengebiete und zum Teil weltweit einmaligen Infrastrukturen für Forschung und Lehre auf unserem Campus geben. Als Hochschule mit einem besonderen Profil und einem Fokus auf Arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen fühlen wir uns besonders verpflichtet, Strategien für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft zu schaffen. Erfahren Sie, welche Ansätze wir hierfür verfolgen:

Unsere Forschungsschwerpunkte

Nachhaltigkeit und Anbausysteme

Ertragssichere, qualitätsorientierte und nachhaltige Anbausysteme für Sonderkulturen entwickeln

Der Anbau von Reben, Obst, Gemüse und Zierpflanzen ist mit einer intensiven Kulturführung und einem hohen Ressourceneinsatz verbunden. Damit steht auch der Wein- und Gartenbau im Spannungsfeld, einerseits qualitativ hochwertige und marktgerechte Erzeugnisse in ausreichender Menge zu produzieren, andererseits aber auch zukunftsorientiert zu handeln, Natur- und Umweltaspekte vermehrt zu berücksichtigen und Ressourcen nachhaltig einzusetzen. Ziel unserer Forschungsarbeiten ist daher die Entwicklung von innovativen und ökologisch verträglichen Anbaustrategien für Sonderkulturen. So arbeiten wir an der Züchtung neuer Sorten oder Wuchsformen, die besser an den Klimawandel, an Standorteigenschaften oder an Schaderreger angepasst sind, nur einen reduzierten Ressourceneinsatz benötigen und eine effiziente und für die Produzierenden ertragssichere Produktion ermöglichen. Des Weiteren erproben wir intelligente Sensorsysteme, um die Nutzung knapper Ressourcen wie Wasser und Nährstoffe gezielt zu steuern und zu optimieren und prüfen alternative Strategien wie den Einsatz mikrobieller Antagonisten zur Kontrolle von Schaderregern oder den Zusatz von Stoffen zur Verbesserung der Standortbedingungen. Gemeinsam mit unseren Partnern erarbeiten wir Maßnahmen zur Diversifizierung der Anbausysteme von Sonderkulturen, um Ökosystemleistungen und Biodiversität zu erhalten.

Qualität, Vermarktung und Bioökonomie

Agrarische Produkte mit Schwerpunkt pflanzliche Erzeugnisse innovativ und sicher verarbeiten und vermarkten und im Sinne der Bioökonomie nutzen

Nachhaltiges Handeln in der Produktion von Lebensmitteln erstreckt sich von der Erzeugung der Kulturen über die Verarbeitung bis zur Abgabe der Produkte an die Verbraucherin bzw. den Verbraucher. Zugleich müssen die zu vermarktenden Produkte sicher und gesundheitlich unbedenklich sein. Ein nachhaltiges Wirtschaftssystem muss außerdem biologische Ressourcen, Prozesse und Systeme noch effizienter als bisher nutzen. Damit ist Bioökonomie in der Lebensmittelproduktion ein wichtiger Pfeiler, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Dies greifen wir in unseren Forschungsarbeiten auf. So befassen wir uns mit der Entwicklung energieeffizienter und ressourcenschonender Verarbeitungsweisen von pflanzlichen Erzeugnissen sowie mit der Gewinnung und Formulierung von funktionellen Inhaltsstoffen aus Ernteprodukten und deren Nebenstoffströmen. Darüber hinaus werden Mikroorganismen hinsichtlich ihres Potentials als Schutzkultur bei der Lebensmittelherstellung untersucht. In Verbundprojekten mit externen Partnern bewerten wir auch die gesundheitliche Wirkung von pflanzlichen Inhaltsstoffen. Erzeugte Produkte werden durch unser hochschuleigenes Panel intensiv sensorisch bewertet. Marktforschungsdaten, Unternehmensanalysen und Analysen des Konsumverhaltens der Kundinnen und Kunden helfen, insbesondere im Bereich der Vermarktung von Wein Trends zu erfassen und daraus Muster für zukünftige Marketingstrategien abzuleiten. Des Weiteren analysieren wir die logistischen Herausforderungen in der Produktionskette von Lebensmitteln vom Betrieb zur Endkonsumentin und zum Endkonsumenten, von der Verpackung zur Distribution.

Kulturlandschaft und Urbane Räume

Kulturlandschaften und städtische Freiräume zukunftsfähig gestalten und weiterentwickeln

Kulturlandschaften und urbane Räume haben in der Vergangenheit tiefgreifende Veränderungen erfahren. So hat eine Intensivierung der Landnutzung zu einem Verlust wertbestimmender Merkmale und zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt geführt. Gesellschaftliche Veränderungen und Anforderungen beeinflussen auch die Freiraumplanung von Stadtregionen, deren Lebensqualität nicht zuletzt vom Vorhandensein grüner Infrastrukturen wie Grüngürtel oder Parks geprägt wird. Hier setzen unsere Forschungsarbeiten an, in denen wir uns mit der Entwicklung von Methoden zur Evaluierung der städtischen Freiraumgestaltung sowie der Untersuchung der sozialen Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit von urbanen Freiräumen befassen. Des Weiteren werden Verfahren zur Begrünung bodenferner Standorte entwickelt und Aspekte zur Verwendung von Pflanzen im urbanen Raum insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels erarbeitet. Zudem zeigen wir Strategien auf, um insbesondere Weinbau-Kulturlandschaften an die Herausforderungen des Klimawandels anzupassen und biologische Vielfalt bzw. den Erhalt einzelner Zielarten in der Kulturlandschaft zu sichern. Anknüpfend an die Entwicklung nachhaltiger Anbausysteme bieten unsere Arbeiten aber auch Raum für die Entfaltung neuer Produktionsszenarien, die nachhaltige und multifunktionale Kulturlandschaften mit hohem ökologischen und touristischen Wert schaffen.

Klimawandel, Stoffkreisläufe und Ökobilanzen

Risiken des Klimawandels beurteilen und Strategien zur Anpassung und Minderung der Folgen erarbeiten

Der Klimawandel und die mit ihm verbundenen Änderungen hinsichtlich Temperatur- und Niederschlagsverteilung sowie atmosphärischer CO2-Konzentration zeigt bereits jetzt erhebliche Auswirkungen auf die Produktionssicherheit und die Produktionsbedingungen von Sonderkulturen, auf Stoffkreisläufe in Böden und Ökosystemen sowie auf die Planung und das Management von urbanen Grün- und Freiraumflächen. Damit werden Entwicklungen von Anpassungsstrategien für den Wein- und Gartenbau notwendig, die im Fokus unserer Forschungsarbeiten stehen. So werden Maßnahmen zur Deckung des zukünftigen Wasserbedarfs und zur Kontrolle von (neuen) Schaderregern entwickelt. Des Weiteren untersuchen wir Effekte veränderter klimatischer Verhältnisse auf Fruchtertrag, Fruchtqualität, Inhaltsstoffe sowie Aromen von Trauben und gartenbaulichen Produkten. Schließlich erarbeiten wir Strategien für eine aktive Verringerung der Treibhausgasemissionen (Mitigation) in der landwirtschaftlichen Praxis und bilanzieren diese im Sinne einer Nachhaltigkeitsbewertung hinsichtlich der CO2-Kompensation. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau in Steillagen, auch vor dem Hintergrund der Kulturlandschaftsentwicklung, der Steigerung der Biodiversität und damit der Förderung von Ökosystemdienstleistungen.

 

Digitalisierung und Modellierungen

Digitalisierung in der Produktion und Vermarktung von Sonderkulturen und in der Landschaftsplanung verwirklichen

Digitale Anwendungen haben in vielen Bereichen entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen Eingang gefunden. So werden intelligente Technologien und automatisierte Arbeitsprozesse beim Anbau der Kulturen, wie beispielsweise bei der Düngung und beim Pflanzenschutz, aber auch bei der Verarbeitung, dem Transport und der Vermarktung eingesetzt. Nachhaltige Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrategien werden digitale Techniken zukünftig noch stärker nutzen. Dies greifen wir in unseren Forschungsarbeiten auf und arbeiten so an der Entwicklung berührungsloser Sensortechnik und einfach zu bedienender Prognosemodelle zur Optimierung der Ressourcennutzung sowie zur Früherkennung von Stress und Krankheiten. Digitale Entwicklungen werden auch in verfahrenstechnischen Ansätzen eingesetzt, beispielsweise beim Einsatz von Drohnen zur Pflanzenschutzapplikation oder zur zielgerichteten Erfassung des Nährstoffbedarfs eines Pflanzenbestandes. Über eine digitale Simulation des Pflanzenwachstums und eine Modellierung von virtuellen Weinbergen wollen wir überdies die Folgen des Klimawandels auf Pflanzenarchitektur und Stressereignisse prognostizieren. In der Getränkeproduktion ermöglicht die Modellierung komplizierter Verfahrensschritte eine genaue Analyse und damit Optimierung dieser Abläufe. Eine optimierte Datenerfassung erlaubt es zudem, Lieferketten von der Erzeugerin bzw. vom Erzeuger zur Produzentin bzw. zum Produzenten effizienter zu gestalten.

Unsere Hochschule bietet einmalige Möglichkeiten, wissenschaftlich herausragende und zugleich praxisnahe Forschung entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Sonderkulturen zu betreiben. Vizepräsidentin Forschung Prof. Dr. Annette Reineke