„Einheitswein“: …. so schmeckt Deutschland nach 25 Jahren Wiedervereinigung!

In einem studentischen Projekt der Hochschule Geisenheim wurde das Thema Wiedervereinigung diskutiert und auf „Geisenheimer Art und Weise“ aufgegriffen, nämlich mit der „Vereinigung“ von Weinen aus ehemals Ost und West - sprich der Herstellung von zwei Cuvées aus allen 13 Weinanbaugebieten West- und Ostdeutschlands.

Aber nicht nur Ost- und Westdeutschland, sondern das gesamte Spektrum des deutschen Weinbaus sollte in unseren Cuvées präsent sein. Daher sind mit unseren Studierenden alle strukturellen Bereiche der Deutschen Weinwirtschaft an diesem Projekt beteiligt: Fassweinwinzer, Flaschenweinbetriebe und Winzergenossenschaften, VDP-Weingüter, konventionelle und ökologisch arbeitende Betriebe haben ihre besten Weine für diesen einmaligen Anlass zu Verfügung gestellt. Dabei handelt es sich um den elterlichen Betrieb, die Ausbildungsstätte oder die Studierenden sind selbst Weingutsbesitzer bzw. Mitglied des genossenschaftlichen Betriebes.

Die im Jahrgang 2014 in Ost und Westdeutschland gewachsenen Trauben wurden von den Studierenden in ihrer jeweiligen Heimat im 25sten Jubiläumsjahr des Falls der Berliner Mauer zu Most und Jungwein verarbeitet und reiften so zu individuellen Weinen heran. Im Frühjahr dieses Jahres traten sie dann mit den Studierenden den Weg nach Geisenheim an, um Teil der großen Cuvée zu werden.

Da der Jahrgang 2014 auf Grund des Wetters eine Herausforderung für viele Winzer war, entstand schon beim ersten Treffen zur Zusammenstellung der Cuvéebestandteile eine lebhafte Diskussion unter und mit den Studierenden, welcher Wein mit welchem Anteil in der „Deutschland-Cuvée“ vertreten sein sollte. Dabei zeigte sich auch, dass manch ein mitgebrachter Wein nicht in die Cuvée aufgenommen werden konnte, da er entweder den hohen Qualitätsanforderungen nicht entsprach oder auch einfach nicht in das Ensemble der  12 anderen Cuvéebestandteile passte. Somit musste dann in einigen wenigen Fällen auf andere Weine von Alumnis der Hochschule zurückgegriffen werden.

Für viele beteiligte Studierende wurde dadurch erst klar, warum es in Deutschland bisher noch nie eine solche „Deutschland-Cuvée“ gab. Denn der Verschnitt von Weinen aus verschieden Weinanbaugebieten ist weinrechtlich nicht unkompliziert  und es mussten viele Klippen umschifft werden, um schlussendlich einen tatsächlichen „Einheitswein“ zu kreieren, der auch legal vermarktet werden darf. Das ist beispielsweise auch der Grund, warum nur Prädikatsweine oder Qualitätsweine, die nicht chaptalisiert wurden, verschnitten werden konnten.

Vor wenigen Wochen wurde das Projekt erfolgreich abgeschlossen und das Ergebnis ist ein tatsächlicher „Einheitswein“ als Weiß- und Rotweinvariante, der die Einheit der Bundesrepublik Deutschland auch (wein-)sensorisch in den schönsten Facetten widerspiegelt.

Am 3. Oktober zur 25 jährigen Jubiläumsfeier Deutsche Einheit werden unser weißer und roter Einheitswein von Staatsmännern und Regierungschefs aus aller Welt verkostet.

Unsere Studierenden der Hochschule Geisenheim blicken mit Stolz und Freude auf das gemeinsam entwickelte Projekt „Deutscher Einheitswein“, auf zwei Weine, die jeweils die deutschen Jubiläumsjahre 2014 (25 Jahre Fall der Berliner Mauer) und 2015 (25 Jahre Deutsche Einheit) perfekt verbinden.

Weiß- und Rotwein Cuvée aus den 13 Weinanbaugebieten West- und Ostdeutschlands

Im wiedervereinigten Deutschland gibt es rund 100.000 Hektar Rebfläche mit einer durchschnittlichen Jahresproduktion von 9 Millionen Hektolitern Wein. Deutscher Qualitätswein kommt aus 13 Weinanbaugebieten die in Bereiche, Großlagen und Einzellagen gegliedert sind. Sie sind vor allem im Südwesten in den Tälern des Rheins und der Mosel sowie deren zahlreichen Nebenflüssen konzentriert. Im Süden sind sie eher locker in die Landschaften eingestreut. Durch die im Jahre 1990 erfolgte Wiedervereinigung kamen die zwei neuen Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut im Osten dazu.

2014er Weißwein Cuvée:
ca. 60 % Riesling und 40 % andere Rebsorten

1    Ahr    Winzergenossenschaft    Mayschoß-Altenahr    Riesling    Spätlese
2    Baden    Weingut (VDP & biodyn.)    Lämmlin-Schindler    Chardonnay    Kabinett
3    Franken    Weingut    Gebrüder Müller    Silvaner    Spätlese
4    Hessische Bergstraße    Weingut    Simon-Bürkle    Riesling    Spätlese 
5    Mittelrhein    Weingut    Scheidgen    Riesling    Kabinett
6    Mosel    Weingut    Reverchon    Riesling    Spätlese 
7    Nahe    Weingut    Weinheimer Hof    Scheurebe    Kabinett
8    Pfalz    Weingut    Petri    Müller-Thurgau    Kabinett
9    Rheingau    Weingut (VDP)    August Eser    Riesling    Kabinett
10    Rheinhessen    Weingut (biodynamisch)    Hirschhof    Riesling    Spätlese 
11    Saale-Unstrut    Weingut    Herzer    Weißburgunder    Kabinett
12    Sachsen    Weingut (biodynamisch)    Hoflößnitz    Solaris    Auslese
13    Württemberg    Weingut    Albrecht-Kiessling    Riesling    Kabinett

 

2014er Rotwein Cuvée:
ca. 90 % Spätburgunder und 10 % andere Rebsorten

1    Ahr    Weingut    Adolf Schreiner    Spätburgunder    Qualitätswein
2    Baden    Weingut    Rainer Schlumberger    Spätburgunder    Qualitätswein
3    Franken    Winzergenossenschaft    WG Franken    Domina    Spätlese
4    Hessische Bergstraße    Winzergenossenschaft    Bergsträßer Winzer    Spätburgunder    Spätlese
5    Mittelrhein    Weingut (VDP)    Ratzenberger    Spätburgunder    Auslese
6    Mosel    Weinkommission    Matthias Walter    Spätburgunder    Qualitätswein
7    Nahe    Weingut    Dr. Gänz    Regent    Kabinett
8    Pfalz    Weingut    Koch    Spätburgunder    Qualitätswein
9    Rheingau    Weingut (VDP)    Robert König    Spätburgunder    Spätlese
10    Rheinhessen    Weingut (biodynamisch)    Wedekind    Spätburgunder    Kabinett
11    Saale-Unstrut    Winzergenossenschaft    WG Freyburg    Spätburgunder    Qualitätswein
12    Sachsen    Weingut    Schloss Wackerbarth    Spätburgunder    Spätlese
13    Württemberg    Winzergenossenschaft    Collegium Wirtemberg     Spätburgunder    Spätlese

Prof. Dr. Erik Schweickert

Quelle: www.bundestag.de

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Erik Schweickert (* 2. Juni 1972 in Pforzheim) ist Professor für Internationale Weinwirtschaft der Hochschule Geisenheim, FDP-Politiker und ehemaliger Bundestagsabgeordneter.